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Solingen: Betrüger muss fast fünf Jahre ins Gefängnis

Solinger brachte sein Opfer auf die Intensivstation : Betrüger muss ins Gefängnis

27-jähriger Solinger wurde am Landgericht Wuppertal auch wegen gefährlicher Körperverletzung an einem 44-jährigen Kioskbesitzer verurteilt.

„Ich hätte tot sein können“, lautete die nüchterne Feststellung eines 44-jährigen Kioskbesitzers vor dem Wuppertaler Landgericht. Der Mann wollte einen 27-jährigen Solinger nach einem Betrugsversuch an der Wegfahrt hindern – und geriet dabei unter das Auto geriet.

Vorangegangen war eine von mehreren Betrügereien im letzten Jahr, die der 27-Jährige im Raum Solingen bei Tankstellen und Kiosken beging. Alleine im Stadtteil Wald, wo der Spielsüchtige wohnte, blieb fast keine Tankstelle verschont.

Es war immer die gleiche Masche: Er gab vor, eine Paysafe-Karte kaufen zu wollen. Lag der ausgedruckte Guthaben-Bon auf der Theke, fiel ihm ein, dass er noch Zigaretten mitnehmen wollte. Drehte sich der Verkäufer zu den Zigaretten um, tauschte der Mann blitzschnell den frischen Guthaben-Bon gegen einen bereits verbrauchten mit dem gleichen Betrag – zu beobachten auf Überwachungsvideos. Ein Teil der Inszenierung war das „Bezahlen“. Mit der EC-Karte klappte es einfach nicht, meistens gab der 27-Jährige dann die Zigaretten und den (falschen) Bon zurück.

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Das war kein Einzelfall, allein sieben ähnliche Fälle wurden am Landgericht Wuppertal mitverhandelt. Besonders dreist: Den 44-jährigen Kioskbesitzer suchte er dreimal an einem Tag heim. Die Gelder verbrauchte er beim Internet-Zocken vor dem Bildschirm oder im Wettbüro an der Ecke.

Dem Kioskbesitzer gab er beim dritten Mal vor, im Auto, das mit laufendem Motor vor der Tür stand, eine andere Karte holen zu wollen. Der aber erkannte den Betrug und lief dem Solinger hinterher, der gerade ausparkte. Er riss die Fahrertür auf, wurde dann vom abfahrenden Auto mitgeschleift und überfahren. Fünf gebrochene Rippen, ein Schlüsselbeinbruch und eine Lungenquetschung brachten ihn auf die Intensivstation.

Ohne sich darum zu kümmern, gab der Fahrer Gas und verschwand. Zahlreiche Zeugen konnten die Polizei anschließend auf die richtige Spur setzen. Ein Beamter verfolgte sogar das Auto, verlor aber den Anschluss im dichten Verkehr.

Deutlich abgerutscht war der Angeklagte bereits vorher, stellte das Gericht fest: Diebstähle und Verkehrsdelikte gehörten dazu, beinahe sechsstellige Bankschulden aus seiner Spielsucht und jetzt also Betrug, gefährliche Körperverletzung und Fahrerflucht. Da der Solinger mit dem Kioskbesitzer bereits eine Schmerzensgeldzahlung von 5000 Euro ausgemacht hatte, verurteilte das Landgericht den voll Geständigen unter Einbeziehung noch offener Strafen aus einem Subventionsbetrug (wegen Coronabeihilfe) zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten.