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Solingen: Betonmischer kommen mit Verspätung

Brücke zwischen Solingen und Leichlingen : Betonmischer kommen mit Verspätung

Gut drei Stunden mussten die Bauarbeiter am Mittwoch auf den Beton für die neue Wupperbrücke zwischen Haasenmühle und Nesselrath warten.

Warten ist angesagt. Rund 20 Bauarbeiter stehen sich am Mittwoch gegen 9.15 Uhr auf dem Traggerüst der neuen Wupperbrücke zwischen Haasenmühle und Nesselrath mehr oder weniger die Beine in den Bauch. Die Betonpumpe ist am Wupperufer in Position gebracht, das Herbstwetter zeigt sich von seiner besten Seite – blauer Himmel, Sonnenschein, erträgliche Temperaturen von zwölf Grad. Alles ist vorbereitet. Allein: Die Betonmischer sind noch nicht eingetroffen. Die ersten wurden bereits gegen sieben Uhr erwartet. „Im Betonwerk in Langenfeld hat eine Anlage nicht funktioniert“, sagt Dominik Radtke, Bauleiter der beauftragten Firma Heitkamp.

„Offenbar hat es in der computergesteuerten Anlage des Betonwerks in der Nacht in Langenfeld einen Stromausfall gegeben, so dass es zu Verzögerungen gekommen ist“, ergänzt der Solinger Projektleiter für den Brückenneubau, Detlef Diekel. Doch gegen 9.30 Uhr kommt schließlich die Rückmeldung, dass die ersten Betonmischer unterwegs sind.

Bauleiter Dominik Radtke (l.) und Projektleiter Detlef Diekel mussten am Mittwochvormittag lange auf den ersten Betonmischer warten. Foto: Peter Meuter

Der erste wird schließlich unter lautem Jubel der Bauarbeiter um 9.45 Uhr erblickt. Sofort wird der Lkw mit seinem großen, drehenden Behälter zur Betonpumpe gelotst und entladen. Der Beton wird sofort in die Verschalung gegossen. „Wir gießen heute rund 650 Kubikmeter Beton. Dafür müssen 90 bis 100 Fahrzeuge anrollen“, sagt Bauleiter Radtke mit Blick auf die Fahrzeuge, die jeweils zwischen 7,5 und acht Kubikmeter geladen haben.

Auf der Wupperbrücke wird der Beton gegossen. Foto: Peter Meuter

Bis spät in die Nacht muss deshalb am Mittwoch wegen der anfänglichen Zeitverzögerung die komplette Bodenplatte der neuen Wupperbrücke gegossen werden. „Der Beton muss in einem Zug gegossen werden – so lange, bis wir damit fertig sind“, erklärt Detlef Diekel von den Technischen Betrieben Solingen (TBS). Bauleiter Dominik Radtke ergänzt mit Blick auf diesen entscheidenden Moment beim Brückenbau: „Es gibt kein Zurück, es muss durchgegossen werden.“

Nachdem die ersten Betonmischer ihre Ladung schließlich abgeliefert haben, funktioniert die Lieferkette. Lkw für Lkw bringen das Material zur Betonpumpe. Der Beton wird nicht nur reingepumpt, sondern muss auch verdichtet werden. „Das ist wichtig, damit sich kein Hohlräume bilden. Das alles ist richtig viel Arbeit“, sagt Detlef Diekel.

Im Juni 2017 musste die alte Wupperbrücke wegen großer Baumängel aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt werden. Im Zuge regelmäßiger Überprüfungen waren Risse unterhalb des aus den 1950er Jahren stammenden Bauwerks an den Stützen deutlich größer geworden. Eine Sanierung der Brücke hatten Experten damals ausgeschlossen. Im Dezember 2018 konnte die Verkehrssituation zwischen Solingen und Leichlingen durch den Aufbau einer Behelfsbrücke aber entschärft werden.

Rund 58 Meter lang und 17 Meter breit wird der Brückenneubau bei Fertigstellung sein. Hochwasser hatte den Brückenneubau Ende des vergangenen beziehungsweise zu Beginn dieses Jahres ins Hintertreffen geraten lassen. Gut drei Monate ist man deswegen in Verzug, so dass man sich vom ursprünglich geplanten Fertigstellungstermin Ende dieses Jahres verabschieden musste. „Unser Ziel ist es, die Brücke bis Ende März nächsten Jahres fertigzustellen“, sagen Detlef Diekel und Dominik Radtke.

Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Ist die Betonplatte gegossen und damit auch ein neuer Brückenschlag zwischen Solingen und Leichlingen erfolgt, muss der Beton zunächst eine gewisse Anfangsfestigkeit erreichen. Die neue Brücke besteht wie die alte aus Spannbeton. Das ist eine Variante des Stahlbetons mit einer zusätzlichen äußeren Längskraft. Diese wird durch gespannte Stahleinlagen aus hochfestem Spannstahl aufgebracht, welche den Beton „zusammendrücken“. Das Ausschalen des Überbaus, so die Planung, soll jedenfalls bis Anfang des neuen Jahres geschafft werden.