Solingen: Bergischer Kunstpreis für Silke Schönfeld

Bergische Kunstausstellung 2019 : Bergischer Kunstpreis für Silke Schönfeld

Die in Dortmund lebende Künstlerin darf sich über 5000 Euro der National-Bank AG freuen.

Die Dortmunder Künstlerin Silke Schönfeld erhält den mit 5000 Euro dotierten 73. Internationalen Bergischen Kunstpreis 2019. Ausgezeichnet von der Jury mit dem Preis der National-Bank AG wurde die Künstlerin für ihre Zweikanal-Videoinstallation „komm und guck selber“ (2015).

Die 1988 in Idar-Oberstein geborene Schönfeld hat an der Kunstakademie Münster bei Aernout Mik, an der Akademie in Düsseldorf bei Marcel Odenbach sowie in Jerusalem und Liverpool studiert. 2018 erhielt die Künstlerin den Förderpreis der Stadt Dortmund. Der Bergische Kunstpreis wird Schönfeld im Rahmen der Eröffnung der Bergischen Kunstausstellung am 30. August im Kunstmuseum überreicht.

Die Zweikanal-Videoinstallation „kommt und guck selber“ (14:40 Minuten) zeigt eine junge Lehrerin, die einen leeren Klassenraum betritt, sich an ihren Schreibtisch setzt, ein Heft aus ihrer Tasche nimmt, es aufschlägt und den handgeschriebenen Aufsatz korrigiert. Auf dem linken Bild sieht man das Heft – der Betrachter kann den Text also mitlesen – auf dem rechten Bild das Gesicht der Lehrerin in Nahaufnahme beim Korrigieren. Der Aufsatz entspricht den Untertiteln eines IS-Propaganda-Videos, das mit allen orthografischen und grammatikalischen Fehlern transkribiert wurde. Die Lehrerin korrigiert den Text, ohne auf den Inhalt zu achten.

„Silke Schönfeld hinterfragt mit ihrer Arbeit die reglementierte Routine unseres Systems, das formale Normen über Inhalte stellt. Deren Brisanz bleibt so unentdeckt“, schreibt Gisela Elbracht-Iglhaut vom Kunstmuseum in der Begründung der Jury. „Die Aktion steht metaphorisch für ein Gesellschaftskonstrukt, das Missstände übersieht, weil schematisches Handeln nicht ausreicht. Stattdessen ist kritische Reflexion notwendig, um komplexe Strukturen sensibel zu erfassen.“

Bei Sichtung der eingereichten Bewerbungsmappen von Künstlern mit Bezug zum Bergischen Land ermittelte die sechsköpfige Jury um Gisela Elbracht-Iglhaut und Dr. Thomas Lange (Vorstandsvorsitzender der National-Bank) nicht nur die neue Kunstpreisträgerin, sondern auch die 15 weiteren Künstler, deren Werke in der Bergischen 2019 zu sehen sein werden. Es sind Helena Biermann, Malte Bruns, Felix Contzen, Yutao Gao, Johanna Honisch, Sangchul Lee, Jonas Maas, Conrad Müller, Beatrice Richter, Lisa-Julie Rüping, Maximilian Sänger, Barbara Schmidt, Emile V. Schlesser, David Semper und Tristan Wilczek.

„Die Jury hat aus 230 Bewerbungen die innovativsten und spannendsten Ansätze ausgewählt“, erklärt Gisela Elbracht-Iglhaut. „Viele der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sind bereits durch überregionale Ausstellungen bekannt. Andere stehen noch am Anfang ihrer Karriere, können aber bereits ein eindrucksvolles Werk vorweisen.“

Ausstellung Die 73. Internationale Bergische Kunstausstellung wird am Freitag, 30. August, um 19 Uhr im Kunstmuseum, Wuppertaler Straße 160) eröffnet. Sie ist anschließend bis zum 27. Oktober in Gräfrath zu sehen. Es erscheint ein Katalog.

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