1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Bei Rasspe rollt der Abbruch-Bagger an

Industriebrache in Solingen : Bei Rasspe rollt der Abbruch-Bagger an

In dieser Woche wird die erste Halle abgerissen. Die Abbrucharbeiten an der Straße Stöcken sollen im kommenden Januar abgeschlossen sein. Auf die Anwohner soll möglichst viel Rücksicht genommen werden.

Es riecht muffig in den alten Hallen mit ihren zerbrochenen Fensterscheiben. Überall liegt Müll herum. Alte Räder und Reifen türmen sich, wo früher die Werksfeuerwehr ihr Domizil hatte. Eines der vielen Graffiti lässt gerade noch den Schriftzug „Spirituosen Großhandlung“ frei – eine Erinnerung an die Dreharbeiten für „Babylon Berlin“. Und gelegentlich biegt noch ein Oldtimer-Freund mit seinem Straßenkreuzer auf das Rasspe-Gelände ein, kommt aber zu keinem Erinnerungsfoto. Der größte Teil des Areals ist abgesperrt und wird per Videokameras überwacht.

Wer das Unternehmen kannte, als in Stöcken noch Landmaschinenteile produziert wurden oder wer selbst hier beschäftigt war, ist eher traurig. Achim Willke aber ist fasziniert: Der Prokurist der Wirtschaftsförderung freut sich auf die „richtig spannende Aufgabe. Es ist ein außergewöhnliches Projekt, alleine schon von der Größe her“. Als Projektleiter sorgt er mit dafür, dass aus den Ruinen ein Vorzeige-Gewerbegebiet am Landschaftsschutzgebiet wird. In dieser Woche soll die erste Halle fallen und so Platz machen, um das Abbruchmaterial sortieren und zwischenlagern zu können.

Nur drei der alten Gebäude sollen vom Abriss ausgenommen werden: das unter Denkmalschutz stehende Verwaltungsgebäude mit angrenzendem Kontor und Lager direkt an der Straße Stöcken, ein sich im rechten Winkel anschließendes Fabrikationsgebäude sowie die dahinter liegende Lehrwerkstatt. Auch der benachbarte Werkshof soll nicht angetastet werden, während der hohe Schornstein an seinem Rand keine Zukunft hat. Ob er gesprengt wird, steht noch nicht fest.

Bei den erhaltenswerten Gebäuden ist sich Projektleiter Achim Wilke sicher, dass ein Investor gefunden wird. Das dauere aber: „Einen Investor findet man grundsätzlich nur, wenn er irgendwann auch einen Profit herausholt. Bei einem denkmalgeschützten Gebäude müssen wir einen Spezialisten finden. Die Wirtschaftlichkeit darzustellen ist schwerer als beispielsweise bei einem Büroneubau.“

Die Wirtschaftsförderung hat das Gelände in drei Baufelder aufgeteilt. In Feld 1 liegen die Teile, die eigentlich nicht niedergelegt werden sollen. Auf den Feldern 2 und 3 wird Tabula rasa gemacht. Ein vierter Teil ist in Privathand.

Wenn der Abrissbagger in dieser Woche anrollt, damit hinter der Lehrwerkstatt mit der Arbeit begonnen werden kann, ist vieles schon passiert. Steffen Bergmann und Maximilian Schöneck von der Ingenieurgesellschaft Prof. Burmeier wissen, wo sich gefährliche Stoffe befinden. Die gibt es nicht nur bei einem Trafo und in der Gießerei. Asbest beispielsweise wurde selbst im Fensterkitt eines Sheddachs gefunden. „Wir legen die Reihenfolge der Arbeiten fest und geben sie frei“, erläutern die beiden. Erst kommt die Schadstoffentsorgung, dann der Abbruch. Und weil dabei die Kanalisation wegen des Rückbaus nur noch eingeschränkt funktioniert, wird zunächst noch ein provisorisches Versickerungsbecken für unbelastetes Niederschlagswasser geschaffen.

Im Moment ist nur ein halbes Dutzend Mitarbeiter der Ferraro Group („Wir schaffen Platz für Neues“) im Einsatz. Später sollen es 20 bis 30 werden, die den Rückbau bis Anfang nächsten Jahres abschließen werden. Die Nachbarn sollen davon so wenig als möglich mitbekommen. Projektleiter Achim Willke geht von durchschnittlich zwei bis drei Lastwagen pro Tag aus, die das Gelände anfahren werden. Ein paar lautere Tage wird es geben: „Wenn Gebäude fallen und Fundamentplatten gebrochen werden, wird es zwar eine Beeinträchtigung geben. Die hält sich meines Erachtens nach aber in Grenzen.“

Möglichst viel des unbelasteten Bauschutts soll auf dem Gelände bleiben – und beispielsweise die Keller der Gießerei füllen. Willke: „Was wir nicht wollen, ist Ärger über Monate. Die Beteiligung der Nachbarn nehmen wir ernst; ihre Hinweise und Ängste haben einen hohen Stellenwert.“ Weil man die Anlieger wegen der Corona-Auflagen nicht zu einer Versammlung bitten konnte, wurden sie per Brief informiert. Willke: „Bisher ist es von ihrer Seite ganz ruhig geblieben.“ Für Fragen steht er aber gerne unter Telefon 01 51 / 46 11 12 62 zur Verfügung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Abbrucharbeiten bei Rasspe in Solingen