Solingen: Beamtenbauverein investiert in Gräfrath

Bauverein : „Beamte“ investieren in Gräfrath

Der Wohnungsbauverein will weiter neu bauen, investiert aber auch kräftig in den Bestand.

„Bei dem Zinstief muss man mit dem Geld arbeiten“, sagt Karin Spiewak-Berg, die Vorstandsvorsitzende des Beamten-Wohnungsbauvereins. Die Genossenschaft, die im Jahr 2000 nur mit 8,5 Millionen Euro verschuldet war, stand im vergangenen Jahr mit 15,2 Millionen Euro in der Kreide. Der Zinsaufwand ging im selben Zeitraum aber von 483.000 Euro auf 366.000 Euro zurück, die Eigenkapitalquote stieg auf 42,2 Prozent. Spiewak-Berg: „18 Prozent unserer Verbindlichkeiten an Kreditinstitute konnten 2018 zurückgezahlt werden.“ Neubauten wie das zum Jahreswechsel 2016/17 fertig gestellte „Bismarckpalais“ sollen in zwölf Jahren abbezahlt sein.

Seitdem gab es keine Neubauten – aber eine Reihe von Plänen, die jetzt umgesetzt werden. „Wir stehen kurz davor, ein rund 10.000 Quadratmeter großes Grundstück in einer Toplage von Gräfrath zu kaufen“, erläutert Spiewak-Berg vor der am Montag anstehenden Mitgliederversammlung (19 Uhr, Sparkassen-Hauptstelle). „Unsere Genossenschaft hat keine freien Grundstücke im Bestand.“ Von neuen Mietwohnungen in Nähe der A 46 verspricht sich die Geschäftsführerin auch Interessenten aus Düsseldorf. Ende 2018 zählte die Genossenschaft 1225 Mitglieder (plus 4).

Zunächst sollen aber, wie schon vor einem Jahr angekündigt, um die zehn Millionen Euro in die Modernisierung der Siedlung am Nachtigallenweg fließen. Spiewak-Berg: „Vielleicht schaffen wir es, in diesem Jahr zu beginnen.“ Wie schon vor sechs Jahren bei den 96 Wohnungen an der Guntherstraße sollen auch die 162 Einheiten südlich der Eichenstraße komplett saniert, Teile auch abgerissen und neu gebaut werden. Die Siedlung stammt aus den 50er Jahren. „Wir wollen sie vom äußeren Kasernenstil befreien“, kündigt die Vorstandsvorsitzende an.

Ganz wie in den 50er Jahren sehen die Immobilien aber nicht mehr aus: Wo es ursprünglich 23-Quadratmeter-Wohnungen mit Sitzbadewanne gab, wurden längst Apartments zusammengelegt und auch Balkone angebaut. „Die Siedlung liegt wunderbar im Grünen“, freut sich Karin Spiewak-Berg. Deshalb sei es auch möglich, einigen Mietern künftig eigene Gärten anzubieten.

Eine „Nachverdichtung“ wie am Nachtigallenweg hält Spiewak-Berg zudem bei den Häusern an der Augustastraße für möglich. Wo neu gebaut oder modernisiert wird, sind es häufig die 16 eigenen Handwerker der Genossenschaft, die Hand anlegen. „Der eigene Regiebetrieb ist etwas ganz Wichtiges. Er macht uns sehr autonom“, unterstreicht die Geschäftsführerin.

Gut 1,8 Millionen Euro investierte die Genossenschaft 2018 in den Bestand – etwa die Hälfte davon durch den eigenen Regiebetrieb. „An jedem Arbeitstag geben wir im Schnitt 8380 Euro alleine für Material und fremde Handwerksleistungen aus“, betont Spiewak-Berg die Bedeutung der Genossenschaft als Investor. Die meisten Aufträge gingen an Solinger Betriebe. Fast 130.000 Euro kostete beispielsweise auch eine neue Software.

„Wie wollen die Menschen in Zukunft wohnen?“, fragt Karin Spiewak-Berg. Darüber mache man sich beim Beamten-Wohnungsbauverein Gedanken. Eines weiß sie sicher: „Wir wollen kein 08/15.“

Mehr von RP ONLINE