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Solingen: Automobilzulieferer hat keine Anschlussaufträge

Merscheid : Automobilzulieferer Adient will knapp 60 Stellen abbauen

Rund 60 Stellen will der Automobilzulieferer Adient in Solingen streichen, jeweils 75 an den Standorten in Kaiserslautern und Burscheid. Als Grund werden vom Unternehmen Überkapazitäten angegeben.

Knapp 60 der insgesamt 281 Mitarbeiter des Automobilzulieferers Adient in Merscheid sollen in den nächsten Monaten ihren Arbeitsplatz verlieren. Dies teilt das Unternehmen mit, die Belegschaft wurde auf einer Betriebsversammlung am Montag informiert. Im Unternehmen an der Merscheider Straße werden insbesondere Metallstrukturen für Fahrzeugsitze entwickelt. Auch in Burscheid und in Kaiserslautern will Adient Stellen abbauen – insgesamt stehen rund 200 Arbeitsplätze zur Disposition. „Wir wollen Anfang Februar mit dem Betriebsrat erste Gespräche führen“, erklärt Claudia Steinhoff von der Pressestelle des Unternehmens mit Blick auf den Solinger Standort gegenüber unserer Redaktion.

Der Betriebsratsvorsitzende Salvatore di Gaetano sieht die Vorgehensweise des Unternehmens krititisch. Für ihn kam der jetzt angekündigte Stellenabbau – nicht betroffen ist Adient Umformtechnik an der Mühlenstraße in Ohligs – nicht überraschend. „Ich habe darauf schon im Dezember auf einer Betriebsversammlung hingewiesen und erklärt, dass dies eintreten könnte“, sagt der Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung. Die Belegschaft von Adient an der Merscheider Straße ist bereits seit Mai 2018 in Kurzarbeit. Die Kurzarbeit läuft noch bis Mai 2019. „Es fehlen neue Aufträge“, sagt die Gaetano. Für ihn ist das aber auch ein hausgemachtes Problem. „Man fokussiert sich nur auf komplette Sitze und pickt sich die Rosinen heraus“, meint der Betriebsratsvorsitzende. Längst vorbei sind bei dem Unternehmen an der Merscheider Straße zudem die Zeiten, als unter anderem auch noch Musterbau und Versuchsabteilung vorgehalten wurden.

Der Betriebsrat will zunächst nicht über einen Interessenausgleich und Sozialplan mit der Unternehmensleitung verhandeln. „Wir haben den Arbeitgeber aufgefordert, ein weiteres Jahr Kurzarbeit zu beantragen“, sagt Salvatore di Gaetano. Unterstützung in dieser Position bekommt er dabei vom Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Remscheid-Solingen: „Der Arbeitgeber soll sich um neue Aufträge bemühen. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz“, sagt Marko Röhrig.

Unternehmenssprecherin Claudia Steinhoff sieht dagegen „Überkapazitäten in den lokalen Entwicklungsabteilungen, die in einer sinkenden Nachfrage nach Engineering-Dienstleistungen durch die Fahrzeughersteller begründet liegen“. Zudem seien aktuell einige größere Entwicklungsprojekte in die Serienfertigung übergegangen, ohne dass Nachfolgeaufträge angefragt wurden.

„Dies hat uns veranlasst, unsere Entwicklungsressourcen zu überprüfen und neu zu strukturieren, auch angesichts der deutlichen Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung in unseren Märkten.“, sagt Manfred Rotterdam, Vize-Präsident des Bereichs Entwicklung Fahrzeugsitze.

Das US-Unternehmen Johnson Controls hat 2010 den damaligen Automobilzulieferer C. Rob. Hammerstein übernommen. Das Familienunternehmen, das auf die Herstellung von Autositzen und Sitzgestellen spezialisiert war, wurde 1849 gegründet. Im Laufe der darauffolgenden Jahre wurden an der Merscheider Straße immer wieder Stellen gestrichen (Musterbau/Versuchabteilung). Der Bereich Automotive wurde von Johnson Controls 2016 ausgegliedert. Diese Sparte wurde im neuen Unternehmen zusammengefasst und in Adient umbenannt.