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Solingen: Ausgelaufene Flusssäure löst Großeinsatz aus

Feuerwehreinsatz im Industriegebiet Scheuren in Solingen : Ausgelaufene Flusssäure löst Großeinsatz aus

Am Vormittag war ein Container mit der hochgiftigen Substanz in einer Firma an der Martinstraße umgekippt. Rund 800 Liter Flusssäure liefen aus. Gefahr für die Anwohner besteht laut Feuerwehr nicht.

Der erste Alarm erreichte die gemeinsame Leitstelle der Feuerwehr Solingen / Wuppertal am späten Vormittag um kurz vor 11 Uhr. In einer Firma an der Martinstraße im Industriegebiet Scheuren waren kurz zuvor am Freitagmorgen mehrere hundert Liter Flusssäure ausgelaufen. Was wiederum über Stunden hinweg zu einem der größten Rettungseinsätze während der zurückliegenden Monate in der Klingenstadt führte – ehe schließlich eine erste, zumindest vorsichtige Entwarnung gegeben werden konnte.

„Für die Bevölkerung und die Angestellten des betroffenen Unternehmens besteht keine Gefahr mehr“, sagte der zuständige Einsatzleiter der Solinger Berufsfeuerwehr, Michael Einhoff, am Mittag auf Anfrage unserer Redaktion. Und auch die möglichen Schäden für die Umwelt hielten sich nach Einschätzung der Experten zunächst einmal in Grenzen, war es den Rettungskräften nach Eintreffen am Einsatzort doch relativ schnell gelungen, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Danach hatte es zu Anfang indes kaum ausgesehen. Denn als die Nachricht von dem Unglück bei der Feuerwehr eintraf, mussten die Verantwortlichen zunächst einmal vom Schlimmsten ausgehen und damit rechnen, dass akute Lebensgefahr bestand. Der Grund: Bei Flusssäure, die unter anderem in der Industrie zum Einsatz kommt, handelt es sich um ein extrem starkes Kontaktgift, das – einmal eingeatmet oder auf die Haut gelangt – binnen kürzester Zeit tödliche Folgen nach sich ziehen kann.

Auch deswegen machten sich nach der Alarmierung durch Firmenmitarbeiter umgehend Berufsfeuerwehrleute aller drei Sollinger Wachen sowie Freiwillige Feuerwehren aus mehreren Löscheinheiten auf den Weg, um vor Ort einzugreifen beziehungsweise die zwischenzeitlich verwaisten Wachen zu besetzen. Dabei kam es als erstes darauf an, mit Einsatztrupps in Chemikalien-Schutzanzügen die Lage in der betroffenen Halle zu erkunden – wobei sich zuvor schon herausstellt hatte, dass alle Betriebsangehörigen inzwischen aus dem Gebäude geflohen waren.

Damit ein weiteres Auslaufen der Flusssäure verhindert wurde, verstreuten die Feuerwehrleute mineralische Bindemittel, derweil der betonierte Hallenboden ein Einsickern der hoch toxischen Substanz in das Erdreich unmöglich machte. Ferner setzten ebenfalls verständigte Mitarbeiter der Stadtwerke Solingen aber auch noch „Blasen“ in der Kanalisation ein, um einer Ausbreitung der Flusssäure in das Abwassersystem zuvorzukommen und dementsprechend endgültig auf Nummer sicher gehen zu können. Später sowie nach Messungen der Luft wurde schließlich ein auf derlei Unglücksfälle spezialisiertes Privatunternehmen eingeschaltet, mit dessen Hilfe eine fachgerechte Entsorgung der Säure ermöglicht wurde.

Die Martinstraße blieb während der „heißen Phase“ des Einsatzes, der sich insgesamt bis zum späten Nachmittag zog, teilweise gesperrt. Rund um das Industriegebiet Scheuren und in den angrenzenden Wohngebieten kam es zu zwischenzeitlich erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Die Ermittlungen zur genauen Unfallursache dauern an. Ersten Erkenntnissen zufolge dürfte die Flusssäure im Zuge von Transportarbeiten ausgelaufen sein. Wie die Feuerwehr am Freitagnachmittag mitteilte, war ein sogenannter IBC-Container umgestürzt. Dabei war der mit Stahlgitter umgebene Behälter anscheinend leck geschlagen, weswegen 800 der in der Summe 1000 Liter des ätzenden Stoffes entweichen konnten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Flusssäure ausgelaufen – Feuerwehr-Großeinsatz in Solingen