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Solingen: Auf Bildungsreise mit dem Obus 683

Stangentaxi & Co. : Auf Bildungsreise mit dem Obus 683

Die Linie 683 von Wuppertal-Vohwinkel bis Burger Bahnhof verbindet gleich mehrere Museen und Kultur-Schauplätze.

Seit den Anfängen der Solinger Kulturnacht gehört sie zu den Protagonisten der Veranstaltung: Alle Jahre wieder werden vor allem die Obusse der Linie 683 zu rollenden Konzertsälen für die kulturaffinen Pendler. Und der Grund dafür liegt auf der Hand: Schließlich liegen gleich mehrere Schauplätze des etablierten Ereignisses auf ihrer mehr als 15 Kilometer langen Strecke.

Wer den Bus am Bahnhof in Vohwinkel betritt, gelangt bald hinter der Stadtgrenze zu Solingen – nach einem kurzen Fußweg ab der gleichnamigen Haltestelle – zum Deutschen Klingenmuseum mit seiner international bedeutenden Sammlung an Blankwaffen und Bestecken von der Bronzezeit bis in die Gegenwart. Und schon an der nächsten Haltestelle Gräfrath fällt der Blick auf ein weiteres markantes Gebäude: das historische Gräfrather Rathaus, das heute das Kunstmuseum Solingen und Zentrum für verfolgte Künste mit ihren Malereien, Plastiken und Literatursammlungen beherbergt.

Von dort geht es weiter in Richtung Solinger Innenstadt – und zu weiteren Kulturstätten, wie dem Theater und Konzerthaus, der Volkshochschule sowie dem Südpark mit Güterhallen und dem Museum Plagiarius.

 Am Fuß von Schloss Burg liegt die Haltestelle „Burg Seilbahn“ –  nur wenige Meter entfernt ist die ehemalige Obus-Drehscheibe zu finden.
Am Fuß von Schloss Burg liegt die Haltestelle „Burg Seilbahn“ –  nur wenige Meter entfernt ist die ehemalige Obus-Drehscheibe zu finden. Foto: Meuter, Peter (pm)

Den Grundstein für die Bus-Linie legte der Stadtrat am 15. Januar 1958 mit seinem Beschluss, die Straßenbahnlinie 3 auf Obus-Betrieb umzustellen. Ab Oktober desselben Jahres fuhren Busse von der Haltestelle Kaiserplatz in Vohwinkel bis Central. Gut ein Jahr später begann der Obus-Betrieb auf der gesamten Strecke bis Solingen-Unterburg. Dort mussten zuvor Teile aus dem Fels gesprengt werden, um Platz für eine Drehscheibe zu schaffen. Ein Burger Brezel zierte den ersten Wagen auf seiner Jungfernfahrt.

Bis moderne Gelenkobusse die stark frequentierte Strecke befahren konnten, sollte es noch lange dauern: Die Drehscheibe war dafür schlicht zu klein. Ein wichtiger Fortschritt war daher die Lieferung von 15 Obussen des Schweizer Herstellers HESS ab Ende 2008. Sie verfügen über einen Industriemotor und fahren – von der Oberleitung abgedrahtet – 1,1 Kilometer weiter bis zum Burger Bahnhof. Auch das andere Ende der Linie ließ sich inzwischen – auf dem letzten Stück ohne Oberleitung – unter einer niedrigen Eisenbahnunterführung hindurch zum Bahnhof Vohwinkel verlängern.

Einschränkungen bringt allerdings bekanntlich seit Jahren die Großbaustelle in Unterburg mit sich. Die hat dazu geführt, dass Fahrgäste an der Schleife Krahenhöhe in Pendel-Dieselbusse umsteigen. Und sie müssen sich, wenn in diesem Sommer die Ortsdurchfahrt umgebaut wird, noch einmal auf Änderungen einstellen: Ab Juli wird es für vier Monate eine komplette Vollsperrung der Strecke durch den Stadtteil geben. Die Pendelbusse der Linie 683 werden in dieser Zeit nur noch bis zur Burger Drehscheibe fahren und dann wenden.

 Ein Batterie-Obus (BOB) an der Endstation Vohwinkel Bahnhof.
Ein Batterie-Obus (BOB) an der Endstation Vohwinkel Bahnhof. Foto: Meuter, Peter (pm)

Keinen Einfluss hat das auf Besucher einer weiteren bei Touristen überaus beliebten Kulturstätte an der Route: Hoch oben auf dem Berg thront majestätisch Schloss Burg als steinerne Remininzenz an das Mittelalter.