Solingen: Arbeitsagentur verstärkt die Beratung

Arbeitsmarkt im Bergischen Städtedreieck : Arbeitsagentur verstärkt die Beratung

Die Berufsberatung wird personell aufgestockt, mindestens ein Mal in der Woche werden Berufsberater in Gymnasien, Gesamt- und Realschulen und der Sekundarschule vor Ort sein. Qualifizierung der Arbeitnehmer wird verstärkt.

Die Arbeitsprozesse und -strukturen haben sich in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert, die Digitalisierung hat in die Unternehmen längst Einzug gehalten. „Die Arbeitnehmer müssen sich anpassen an die veränderten Arbeitsbedingungen“, sagt der Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, Martin Klebe.

Aber nicht nur die, überdies auch die Arbeitgeber. Darüber hinaus müssen die Beschäftigten der Arbeitsagentur umdenken und sich entsprechend qualifizieren: „Weg von der Vermittlungsagentur, hin zur Beratungsagentur“ – so umreißt Klebe die Neuausrichtung der Bundesbehörde. Einfluss nimmt hier insbesondere das Qualifizierungschancengesetz. Damit reagiert der Gesetzgeber auf den strukturellen Wandel, ausgelöst durch die digitale Transformation in allen Branchen.

Die Arbeitslosenzahlen sind in den vergangenen zehn Jahren gesunken. Fachkräfte werden händeringend gesucht. „Es ist aufwendiger geworden für die Arbeitsvermittler, die freien Stellen mit adäquaten Bewerbern zu besetzen“, sagt Martin Klebe.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, nicht nur Arbeitslose, sondern vorhandene Mitarbeiter im Betrieb für höhere Aufgaben zu qualifizieren beziehungsweise fortzubilden. Die Arbeitsagentur hat jedenfalls ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung, um Qualifizierung, Fortbildung oder Umschulung zu fördern. „Geld ist hier kein limitierender Faktor“, betont Martin Klebe.

Zunächst müsse man aber wissen, welche Umschulungen oder Qualifizierungen überhaupt zukunftsweisend sind. Von daher ist auch das Personal der Behörde zunächst auf Qualifizierung angewiesen. Weiterbildungsprogramme werden angeboten. Aber es besteht nicht nur erhöhter Beratungsbedarf für erwachsene Arbeitslose, sondern auch für Jugendliche im Alter bis zu 25 Jahren.

Hier ist die „lebensbegleitende Berufsberatung vor dem Erwerbsleben“ nun das Maß aller Dinge. Mit Beginn des neuen Schuljahres Ende August soll nach Angaben von Martin Klebe ein Berufsberater „mindestens ein Mal in der Woche“ in Gymnasien, Gesamt- und Realschulen sowie der Sekundarschule vor Ort sein. „Wir wollen in den Schulen präsent sein, um so auch Schwellenangst bei den Jugendlichen abzubauen“, sagt Martin Klebe. Der Übergang von der Schule in den Beruf soll so intensiviert werden, aufbauend auf das Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“.

Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal wird deshalb um vier Personen verstärkt – auch vor dem Hintergrund, dass heute mehr Jugendliche bis 25 Jahren gegenüber 2007 keine Ausbildung haben. Waren 2007 beispielsweise 281 Jugendliche an- oder ungelernt, sind es heute im Städtedreieck 332. „Es gibt zu viele junge Menschen, die keine Ausbildung haben und arbeitslos gemeldet sind“, erklärt Martin Klebe.

Soziale Probleme, Studien- oder Ausbildungsabbruch sieht er unter anderem als Gründe dafür an, obwohl der Übergang von der Schule in den Beruf gerade in Solingen und in der Region insgesamt durch vielfältige Aktivitäten und Angebote wie Schülerpraktika oder Tagen der Ausbildung geprägt sei. „Viele Jugendliche bauen auf Sicherheit, Beständigkeit oder Anerkennung und schließen lieber einen weiteren Schulbesuch an, als eine Ausbildung in einem Unternehmen aufzunehmen. Von daher müssen wir auch in die Berufskollegs gehen und die Jugendlichen dort abholen“, betont der Chef der Arrbeitsagentur.

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