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Solingen: Anwalt im Kindsmordprozess zeigt sich an

Prozess um fünffachen Kindsmord in Solingen : Anwalt im Kindsmordprozess zeigt sich an

Im Prozess um eine fünffache Kindstötung schwelt der Konflikt zwischen Verteidigung und Nebenklage. Thomas Seifert erstattete gegen sich Selbstanzeige wegen „angeblichen Anfangsverdachts der Verleumdung und falschen Verdächtigung“.

Erst hatte er dem Gericht mehrere Beweisanträge zukommen lassen. Nun hat sich der Verteidiger der wegen des Mordes von fünf ihrer sechs Kinder beschuldigten Mutter aus Solingen bei der Wuppertaler Staatsanwaltschaft selbst angezeigt. Damit reagiert Rechtsanwalt Thomas Seifert auf die Angriffe von Nebenklageanwalt Jochen Ohliger, der dem Verteidiger vorgeworfen hatte, mittels Beweisanträgen den Vater der vier jüngsten Kinder in den Fokus der Ermittlungen gerückt zu haben.

Seifert hatte zuvor davon gesprochen, dass auch der Kindsvater in Anbetracht hoher Unterhaltsverpflichtungen ein Motiv für den Mord gehabt haben könnte. Zumal es in der Akte ein DNA-Gutachten gebe, in dem festgestellt worden sei, dass männliche DNA an den Leichen der Kinder und unter deren Fingernägeln gefunden worden sei. Das Gutachten sei eindeutig – ohne abgleichsgeeignete DNA hätte man zudem auch den Kindsvater nicht als möglichen Täter ausschließen können. Seifert hatte auch die Möglichkeit eines Auftragsmordes in Erwägung gezogen, das wolle er nun mittels seiner Beweisanträge vom Gericht prüfen lassen.

  • Am Montag wird der Prozess fortgesetzt,
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Nebenklageanwalt Ohliger hatte sich daraufhin in den Medien zitieren lassen mit den Worten: „Hier steht durchaus der Anfangsverdacht der Verleumdung und der falschen Verdächtigung im Raum.“ Er ziehe es in Erwägung, den Vorgang auf strafrechtliche Relevanz prüfen zu lassen.

Dem kommt Anwalt Thomas Seifert mit seiner Selbstanzeige zuvor, mittels derer er die Staatsanwaltschaft dazu auffordert, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu prüfen. Dem Nebenklageanwalt wirft er vor, Denkverbote in die Strafprozessordnung einführen zu wollen. Von Seifert war auch zu hören, dass die Staatsanwaltschaft seinen Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls gegen seine Mandantin offensichtlich abgelehnt habe – mit der Begründung, dass keine männliche DNA am Tatort gefunden worden sei.

Es könnte am Montag ein spannender 16. Verhandlungstag inmitten von Beweisanträgen, Erklärungen und Gegenerklärungen werden. Geplant ist auch, den von der Verteidigung beauftragten, psychiatrischen Gutachter zu hören.