Kiloweise Kokain im Auto Vier Jahre Wartezeit bis zur Gerichtsverhandlung

Solingen · Ein Solinger (46) hatte kiloweise Kokain mit seinem Auto transportiert. Im Gerichtssaal ging es nun vor allem darum, dass der Angeklagte vier Jahre auf seinen Prozess warten musste

Das Wuppertaler Landgericht hat jetzt eine Gesamtstrafe verhängt: Vier Jahre und vier Monate wegen Beihilfe zum Drogenhandel.

Das Wuppertaler Landgericht hat jetzt eine Gesamtstrafe verhängt: Vier Jahre und vier Monate wegen Beihilfe zum Drogenhandel.

Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Als es um seine Kinder ging und um seine Frau, brach der Solinger auf der Anklagebank in Tränen aus. Seit drei Jahren sitzt er nun schon im Gefängnis, seine Familie sieht er nur selten. Weil er als Kurier ein Kilo Kokain transportiert hatte, war er vom Landgericht in Krefeld zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Ein hartes Urteil angesichts dessen, was üblicherweise für die Beihilfe zum Drogenhandel so verhängt wird.

Hinzu kam, dass die Gerichte überlastet sind und ein weiteres, am Wuppertaler Landgericht gegen ihn geführtes Verfahren vier Jahre „in der Warteschleife“ hing. Auch dabei geht es um eine Kurierfahrt, erst nach Solingen und weiter nach Minden. Zwei Kilo Kokain hatte der Albaner in Eindhoven in Empfang genommen und jeweils die Hälfte in beiden Städten abgeliefert. In Solingen hatte man ihm einen Zettel in die Hand gedrückt mit der Adresse in Minden, dort hatte er auch noch ein Kryptohandy übergeben.

Bestritten hatte der Angeklagte die Tatvorwürfe nicht. Im Gegenteil, er hatte sogar noch Hinweise auf die Hintermänner gegeben, die unter anderem dadurch von den Ermittlern identifiziert werden konnten. Er habe, so erzählt er es nun im Gerichtssaal, in der Corona-Pandemie seinen Job als Koch in einem Solinger Restaurant verloren und mit dem Glücksspiel angefangen. Das Geld aus den Kurierfahrten habe er gebraucht, um für seine Familie sorgen zu können.

Er habe schon geahnt, dass die Kurierdienste illegal gewesen seien. Dass das, was er in Eindhoven in sein Auto gepackt habe, Kokain gewesen sei, das habe er nicht gewusst. Dass die 2500 Euro, die er für die Tour bekommen habe, nicht viel gewesen seien angesichts dessen, was sonst in der „Szene“ gezahlt werde: Unter anderem das hielt der Vorsitzende Richter dem Angeklagten zu Gute.

Vielmehr aber ging es um die vier Jahre, die das Verfahren am hiesigen Landgericht „auf Eis“ gelegen war. Denn das hatte gravierende Folgen für den 46-Jährigen: Nach der Verurteilung in Krefeld war er in den offenen Vollzug gekommen, wegen der durch die Wuppertaler Staatsanwaltschaft erhobenen Tatvorwürfe wurde er in den geschlossenen Vollzug verlegt.

Vermutlich wäre er längst auf Bewährung frei, wenn man in Krefeld nicht immer wieder auf den hier noch ausstehenden Prozess verwiesen hätte und darauf, dass aus beiden Urteilen eine Gesamtstrafe zu bilden sei. Die hat der Versitzende Richter nun auch verhängt: Vier Jahre und vier Monate wegen der Beihilfe zum Drogenhandel. Wenn es gut läuft für den Angeklagten, kommt er nach dem Absitzen der Zweidrittelstrafe bald auf Bewährung frei.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort