Solingen: Angeklagter entschuldigt sich nach Hotel-Überfall bei Rezeptionistin

Prozess vor dem Landgericht Wuppertal : Angeklagter entschuldigt sich nach Hotel-Überfall bei Rezeptionistin

Ein 41-Jähriger gestand zu Prozessbeginn den Überfall auf den Gräfrather Hof in Solingen. Die Beute damals: 1200 Euro.

Es ist der Alptraum eines jeden Nachtportiers: Der plötzliche Überfall eines zu allem entschlossenen Messerträgers, der die Kasse rauben will. Genau das passierte im Hotel Gräfrather Hof in Solingen am 24. April, als um 4 Uhr ein Maskierter das Entrée stürmte. Mit einem Küchenmesser bewaffnet, bedrohte er die Nachtvertretung und forderte den Schlüssel für die Kassenschublade, die er wahllos leerräumte.

Zwar war die Beute mit 1200 Euro vergleichsweise wenig – dass jedoch die Generalschlüssel dabei waren, verursachte erhebliche Folgekosten von rund 25.000 Euro. Besonders kritisch: Die Rezeptionistin hatte den Täter als ehemaligen Angestellten erkannt und ihn auch angesprochen. Weil dieser aber blitzartig das Hotel verließ, eskalierte die Situation nicht weiter. Die Polizei hatte danach keine Probleme, den Mann festzunehmen.

Vor dem Landgericht Wuppertal spielte der 41-jährige Angeklagte, der kurz vor dem Überfall nach nur einem Monat wegen Alkohol im Dienst und finanzieller Unregelmäßigkeiten gefeuert worden war, mit offenen Karten, beschönigte nichts und gab den Überfall rückhaltlos zu. Er sei in einer schwierigen Lage gewesen, sein jahrelanger Rauschgiftkonsum sei der Grund allen Übels.

Über die Ostertage habe er sich ununterbrochen mit Alkohol und Kokain vollgepumpt, sein letztes Bargeld hätte sein Dealer in Solingen genommen, aber nicht geliefert. Um an Stoff zu kommen, sei der Überfall des Hotels, in dem er sich auskannte, eine spontane Idee gewesen. Die Videoüberwachung habe er bewusst ignoriert, die Maskierung habe er als ausreichend angesehen. Dass man ihn auch an Stimme und Statur erkennen könne, sei ihm nicht bewusst gewesen. Das geraubte Geld wurde in Drogen eingetauscht.

Dabei war sein Auftritt deutlich anders als bei anderen Süchtigen: Elegant gekleidet, sehr eloquent, und „überdurchschnittlich nett“, wie das Opfer zugestand. Nur das Alkoholproblem war ihr aufgefallen. Die 31-jährige hatte erheblich unter den Folgen der Tat gelitten – wochenlang habe sie sich eingeschlossen, allein habe sie sich nicht mehr ins Dunkle getraut. Die Angst vor einem Racheakt des Angeklagten verfolgte sie bis ins Gericht.

Die Betreuung durch eine geschulte Polizistin in Hilden lobte sie ausdrücklich. Die sehr emotionale Bitte um Entschuldigung, die der Angeklagte an sie richtete, schien ihr weiterzuhelfen. Dass sie keine Angst vor ihm zu haben brauche, kam durchaus glaubhaft rüber, so dass sie der Entschuldigung zustimmte. Da noch einige Zeugen gehört werden müssen, wird das Urteil am Freitag erwartet.

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