Solingen als „Fair Trade Town“ ausgezeichnet

Leben braucht Vielfalt: Buntes Treiben auf dem Neumarkt

Im Rahmen des Festes „Leben braucht Vielfalt“ wurde Solingen mit seinen Bürgern aus 140 Nationen auch als „Fair Trade Town“ ausgezeichnet. Nach dem Umzug vom Fronhof waren alle Akteure auf einem Platz vereint.

Für Oberbürgermeister Tim Kurzbach ist es einer der schönsten Anlässe zum geselligen Beisammensein: Eine Woche nach dem Zöppkesmarkt trafen sich viele Solinger am Samstag beim Kultur- und Umweltfest „Leben braucht Vielfalt“. Bühne und Stände wurden erstmals auf dem Neumarkt aufgebaut.

„Ich begrüße den Impuls umzuziehen“, kommentierte Kurzbach. Auf sowie rund um den Fronhof war es in den vergangenen Jahren eng geworden. „Mehr als 100 Vereine, Initiativen und Einrichtungen präsentieren auf diesem interkulturellen Fest ihre vielfältigen sozialen, ökologischen und entwicklungspolitischen Projekte“, erläuterte Dagmar Becker, Beigeordnete für Integration und Kultur, die das Fest eröffnete. Stadtdirektor Hartmut Hoferichter schloss sich an: „Wir sind froh, dass die Beteiligung so groß ist.“

Das Motto hieß in diesem Jahr „Vielfalt fair-bindet“. „Als reiche Industrienation stehen wir in der Pflicht, unseren konkreten Beitrag gegen die Armut zu leisten“, unterstrich Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz. Der Neusser war zum Fest gekommen, um Solingen als „Fair Trade Town“ und damit als 552. Stadt in Deutschland auszuzeichnen. „Ich war in Guatemala und habe gesehen, wie die Kaffeebauern ausgebeutet wurden“, erzählte Holz, der sich seitdem für den fairen Handel engagiert.

Abwechslung bot das Bühnenprogramm – unter
Abwechslung bot das Bühnenprogramm – unter anderem mit traditioneller persischer Musik. Foto: Fred Lothar Melchior

Anderthalb Jahre lang habe man auf die Auszeichnung hingearbeitet, erläuterte Martina Dembny vom Eine-Welt-Laden der evangelischen Kirchengemeinde in Wald, die wie Ruth Deus vom Einzelhandels- und Dienstleistungsverband für das Solinger Team aus Händlern, Gastronomen und Hoteliers spricht. Jetzt müsse man die Auszeichnung publik machen. „Der Handel ist auf einem sehr guten Weg“, freute sich Deus. Oberstes Ziel sei auch, dass die Kunden Produkte aus der Region kaufen.

  • Ratingen : Ratingen soll "Fairtrade-Town" werden

„85 Prozent der Deutschen kennen das Fairtrade-Siegel, und 96 Prozent der Käufer halten es für vertrauenswürdig und bewerten die Qualität dieser Produkte gleich gut oder besser als die der konventionellen“, erläuterte Ehrenbotschafter Holz. Allerdings hätten „faire“ Kaffeebohnen erst einen Marktanteil von fünf Prozent: „Es ist schon interessant, dass viele Kaffeetrinker teure Kaffeemaschinen besitzen, aber billigen Kaffee trinken.“ Fair gehandelte Bohnen gab es beim Fest beispielsweise am Stand der Partnerstadt Jinotega (Nicaragua).

Das Fest fand zum ersten Mal
Das Fest fand zum ersten Mal auf dem Neumarkt statt. Foto: Fred Lothar Melchior

Im Rampenlicht stand aber eine andere Partnerschaft – die mit Thiès im Senegal. Jugendliche aus Thiès, die gerade in Solingen zu Gast sind, traten nach ihrem Bürgermeister Talla Sylla auf. Sylla sang nicht nur selbst, sondern hielt auf der Bühne am Neumarkt seine erste Rede auf Deutsch: Das gemeinsame Projekt, an dem man seit drei Jahren arbeite, wirke sich bereits sehr positiv auf das Leben vieler Menschen in Thiès aus. „Gemeinsam wollen wir eine bessere Welt schaffen, indem wir unsere Umwelt schützen. Wir haben die Erde nicht von unseren Großeltern geerbt, sondern von unseren Enkeln geliehen.“ Oder, wie es OB Tim Kurzbach ausdrückte, der mit Ehefrau und den Zwillingen ­gekommen war: „Alles, was wir heute tun, hat Auswirkungen auf die Zukunft“.

Während die ersten Vereine und Gruppen ihre Stände ab 17 Uhr wieder abbauten, blieb der Bereich um die Bühne bis gegen 22 Uhr belebt. Den ganzen Tag lang hatte es dort ein abwechslungsreiches Programm gegeben, das von unterschiedlichsten Musik- und Tanzdarbietungen über einen Auftritt von „Kung-Fu-Kindern“ bis zur Modenschau mit fair produzierten Kleidern reichte. Als es langsam dunkel wurde, lehnte Ariane Bischoff, die Nachhaltigkeitsexpertin der Stadt, sichtlich entspannt an einem der Stehtische: „Das Fest wird in jedem Jahr bunter und größer“.

Der neue Standort des Festes, das vom Zuwanderer- und Integrationsrat, dem Agenda-Team (Beirat für nachhaltige Entwicklung) und der Stadt veranstaltet wird, hatte sich bewährt. Allerdings mussten die Händler schon zum zweiten Mal hintereinander an einem Samstag auf den Marktplatz verzichten. Das „Leben braucht Vielfalt“-Fest am Sonntag durchzuführen, sei für die Vereine keine Alternative gewesen, sagte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter.