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Solingen: Aktion gegen Lebensmittelverschwendung

Verbraucherberatung und Bergische Volkshochschule : Mit Lebensmitteln sorgsam umgehen

Jährlich werden von Industrie und Handel, Großverbrauchern und privaten Haushalten etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Verbraucherberatung und Bergische Volkshochschule zeigen Alternativen auf.

Vor der Tür der Verbraucherberatung am Werwolf lag am Dienstag ein großes Plakat auf dem Boden: „GlücksTaten“ stand in den Ecken zu lesen, und Umweltberaterin Julia Ogiermann von der Verbraucherzentrale sowie Marie Gesell, für die Fachbereiche Gesundheit und Ernährung bei der Bergischen Volkshochschule (VHS) zuständig, warteten auf Passanten. Denn die sollten blaue Punkte vergeben für die in einem Kreis auf dem Plakat angelegten Bereiche wie beispielsweise Lebensmittel richtig lagern, Reste verwerten, Gutes von gestern wählen oder gemeinsam aktiv werden. „Die Verbraucher sind bewusster geworden, sie interessieren sich für Nachhaltigkeit und Umweltthemen wie Klimaschutz oder Plastik vermeiden“, freut sich Umweltberaterin Julia Ogiermann.

Möglichst wenig Essen wegwerfen und dadurch Umwelt, Klima und den eigenen Geldbeutel schonen – das war am Dienstag beim Aktionstag „GlücksTaten“ das Motto von Verbraucherzentrale und Bergischer VHS. „Es geht um die Wertschätzung von Lebensmitteln“, sagen Ogiermann und Gesell.

Denn viel zu viele Lebensmittel werden von Verbrauchern, der Industrie oder aber auch von Landwirten noch weggeworfen. Letztere bringen beispielsweise zu kleines oder zu welliges Obst und Gemüse erst gar nicht auf den Markt, weil es beim Verbraucher vermeintlich nicht ankommt. „Elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden so jährlich auf den Müll geworfen, obwohl sie noch einwandfrei genießbar wären“, sagt Julia Ogiermann.

Derlei Verschwendung „schlägt den Verbrauchern auf den Magen“, so die Einschätzung von Julia Ogiermann und Marie Gesell. „Die Verbraucher werden sensibler. Immer mehr setzen sie sich für die Wertschätzung von Lebensmitteln ein. Denn Wertschätzung sei die Grundvoraussetzung für einen nachhaltigen Konsum. „Wenn beim Quark das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, ist der noch genießbar“, sagt Ogiermann. Mit allen Sinnen überprüfen sei hier eine gute Methode vor dem Verzehr. Die Verfallsdaten beim Hackfleisch oder Fisch sollten dagegen beachtet werden. „Sind die überschritten, sollte Fisch oder Hackfleisch nicht mehr konsumiert werden.“ Es geht aber auch darum, wie man Obst und Gemüse richtig lagert, damit es länger haltbar bleibt. Äpfel etwa lagert man am besten an einem kühlen, dunklen und gut durchlüfteten Ort – zum Beispiel im Keller.

Alltags- und Hobbyköche können Übriggebliebenes vom Vortag zu neuen Gerichten verarbeiten oder einfrieren. Wer Lebensmittel übrig hat und in Familie, Nachbarschaft oder Freundeskreis keine Abnehmer findet, kann sie über die online-Plattform www.foodsharing auch mit Dritten teilen. Oder, auch das geht in Solingen, an die Tafel abgeben. Gemeinschaftsgärten seien eine weitere Alternative, den Wert von Lebensmitteln stärker ins Bewusstsein zu rücken. Denn solche Gärten würden die Nahrungsmittelproduktion erlebbar machen. Einen Gemeinschaftsgarten gibt es beispielsweise mit der „Ohligs Oase Ost“ am Planetenweg zwischen dem neuen Planetarium und dem Software-Entwickler Codecentric.

Lebensmittelverschwendung fängt aber schon beim Einkauf und beim Kochen an, findet Marie Gesell. Um das Thema Nachhaltigkeit in der Küche umzusetzen, lädt sie im Herbst dieses Jahres zu einem speziellen Kochkurs in die VHS-Räume am Birkenweiher 66 ein. Kochen ohne Plastikmüll, beim Einkauf Einwegplastik vermeiden, zudem eine Ernährungsberatung ist unter anderem Inhalt dieses Kurses in Kooperation der Verbraucherberatung und der VHS. „Wir wollen diesen Kurs im Frühjahr 2020 fortsetzen“, kündigt Marie Gesell an.