Solingen: Abenteuer in Nimmerland

Theater in Solingen : Abenteuer in Nimmerland

Das Stadtensemble brachte zwei Stunden Spaß und Abenteuer auf die Bühne des Pina-Bausch-Saals im Theater und Konzerthaus. Für die Besucher ging es nach „Nimmerland“, Peter Pans Fantasie-Insel.

Kaum war das mit Feenstaub verzauberte Piratenschiff „Jolly Roger“ am Ende gen London in den Himmel gestartet, um Wendy, ihre Geschwister und die verlorenen Jungs wieder zurück nach Hause zu bringen, brach tosender Beifall los. Die kleinen Zuschauer – und ihre großen Begleiter – klatschten, was das Zeug hielt, um sich für die zwei Stunden Spaß und Abenteuer zu bedanken, die das Stadtensemble auf die Bühne des Pina-Bausch-Saals gebracht hatte.

Zuvor schon hatten sie sich mehr und mehr in die Geschichte um Peter Pan, Wendy und den finsteren Käpt’n Hook hineinziehen lassen: Lautstark warnten sie etwa den schlafenden Peter vor der Heimtücke des gemeinen Piraten oder kurierten die vergiftete Sternenfee Tinkerbell mit ihrem lauthals beteuerten Glauben an die Existenz von Feen.

Diesmal hatte die Schauspiel-Crew des Stadtensembles unter der künstlerischen Leitung von Michael Tesch und der technischen Regie von Thomas Franz mit in Peter Pans „Nimmerland“ genommen, der Fantasie-Insel, auf der Kinder nie erwachsen werden, tun und lassen können, was sie wollen, und stattdessen Spaß und Spannung mit Indianern, Meerjungfrauen und Piraten erleben. Besonders der Anführer dieser Seeräuber-Truppe, der verschlagene Käpt’n Hook, taugt so recht zum Gegenspieler aller in ihrer Kindheit behüteten Jungen, die sich in ihrem Kopf und Herzen zum Helden und Abenteurer machen.

Das Stück nach dem Klassiker vom James Matthew Barrie, bearbeitet von Uwe Dahlhaus, der mit großer Spiellust und tief-heiserer Stimme als Hook Peter Pan (Amira Kemperdick) Paroli bot, vereinte in sich alles, was ein gutes Theaterstück für Kinder haben muss, um sie durchgehend zu fesseln und zu begeistern: Ambitionierte Darsteller, die mit Elan und Motivation ihre Rollen „lebten“, detailverliebte Kostüme, liebevoll und üppig ausgestaltete und zugleich zweckmäßig durchdachte Bühnenbilder, die für „Wow-Momente“ sorgten, und ein begleitendes Musik-Ensemble, geleitet von Mutz, das die jeweiligen Stimmungen und Emotionen vorantrieb, aber auch die Gesangssoli einzelner Darsteller zu positiven Höhepunkten machte. Die
19 Akteure zelebrierten mit Temperament und Lust am Spielen ihre Version der Geschichte und setzten voller Humor immer wieder eigene Akzente. Allen voran Amira Kemperdick als Peter Pan, die zusammen mit ihrer Oma Renate als zickige Sternenfee ein wunderbares Duo bildete. Wendy (Lena Hogekamp) bildete als mütterliche Wendy einen überzeugenden Gegenpol zu dieser Quirligkeit. Uwe Dahlhaus – als Hook mit Allongeperücke, Kniebundhose, Dreispitz und Zwirbelbart – hatte in Karl-Josef Überall als Bootsmann Smee einen pfiffigen Helfershelfer und „Steigbügelhalter“, der immer voller Beifall für die „gemeinen“ Ideen seines Anführers war.

Vom Kinderzimmer aus ging es für die Geschwister nach Nimmerland. Foto: Meuter, Peter (pm)
Überzeugte mit viel Temperament: Amira Kemperdick als Peter Pan. Foto: Meuter, Peter (pm)

Mit Spaß an der Sache schienen die Spieler selbst noch einmal Kind zu sein, so hingebungsvoll traten sie in dieser zum bewegten Bild gewordenen Fantasie auf. Spaß hatten auch die jüngsten Mitspieler, die sich als „nächste Generation“ empfahlen und spürbar gerne mit ihren Eltern auf der Bühne standen. Wilma Riedel, Leander und Ruben Kemperdick, Luzie Berkenkopf und Louis Gottfried agierten souverän mit Vater Alexander, Mutter Mira, Mutter Dajana und Großmutter Renate. In weiteren Rollen: Sylvie Wester-Stamm, Karl-Heinz Stamm, Jürgen Nippel, Ernst Seilheimer, Leonie Cronauge und Marian Hackländer.