1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: 78-Jährige dankt ihren Rettern

Solingerin dankt ihren Rettern : Die Narben verheilen, der Schock sitzt tief

Vor fünf Wochen stürzte Annegret Eisel im Pilghauser Bachtal schwer. Aufmerksame Anwohner fanden sie. Die 78-Jährige ist ihren Rettern, zu denen auch Sanitäter, Polizei und Klinikmitarbeiter gehören, dankbar.

Eine blaue Stelle unter dem linken Auge und eine Narbe auf der Stirn zeugen von Annegret Eisels Unfall. Auf ihrem Handy hat die Solingerin Bilder aus dem Krankenhaus. Darauf sind ihr Hals und das Gesicht übersät mit Hämatomen. Beim Anblick der Fotos ist schwer vorstellbar, dass der verheerende Sturz der 78-Jährigen erst knapp fünf Wochen zurückliegt.

Bei einem Spaziergang durch das Pilghauser Bachtal war sie am 8. Oktober gestolpert und kopfüber einen Abhang hinuntergerutscht. Zwei Frauen fanden die Seniorin und alarmierten die Feuerwehr. „Sie haben mir das Leben gerettet“, sagt Eisel voller Dankbarkeit über alle Menschen, die an ihrer Rettung beteiligt waren.

Die frühere kaufmännische Angestellte erinnert sich noch gut an den besagten Montagnachmittag. Schön sei das Wetter gewesen, nicht zu warm. Sie kennt die Strecke gut. Seit zwei Jahren geht sie dort regelmäßig spazieren. Dabei stets an ihrer Seite: Mätty. Der achtjährige Dackel-Chihuahua-Mischling lebt seit zwei Jahren bei Annegret Eisel und ihrem Mann Dieter. Eine Tierschutzorganisation hatte den Rüden aus Spanien nach Deutschland gebracht und ihm damit das Leben gerettet. In Solingen hat er eine neue Heimat gefunden.

Wie genau es zu ihrem Unfall kam, weiß Annegret Eisel nicht. Sie vermutet, einen kurzen Moment unaufmerksam gewesen zu sein. Sie stolperte, versuchte vergebens, den Sturz aufzufangen. „Ich habe zum Glück nicht das Bewusstsein verloren, als ich den Abhang hinuntergerutscht bin“, sagt die 78-Jährige. Sie schrie um Hilfe und auch Mätty, der die ganze Zeit an ihrer Seite geblieben war, schlug aufgeregt lautstark Alarm. „Dort gibt es nicht viele Spaziergänger. Ich hatte Angst, nicht gefunden zu werden“, sagt Eisel.

Es kam zum Glück anders. Eine in der Nähe der Unfallstelle wohnende Frau hörte die Schreie und rief eine Nachbarin. Gemeinsam begaben sie sich auf die Suche, fanden Annegret Eisel und alarmierten die Einsatzkräfte. Alles sei recht schnell abgelaufen, sagt sie.

Davon bekam Dieter Eisel zunächst nichts mit. Der 78-Jährige, der seit fast 42 Jahren der Mann an Annegret Eisels Seite ist, wurde per Telefon kontaktiert. Ein herbeigeeilter, ehemaliger Nachbar des Ehepaares, hatte seine Nummer im Handy der Gestürzten gefunden. Sofort machte sich Dieter Eisel auf den Weg zur Unfallstelle, um seiner Frau zur Seite zu stehen. Auf den letzten Metern begleiteten ihn Polizisten.

Die Rettung gestaltete sich in dem unwägbaren Terrain schwierig. „Die Sanitäter waren wahnsinnig beruhigend“, richtet Eisel ein dickes Lob an die Einsatzkräfte. Im Krankenhaus wurde sie umgehend operiert, die Wunden gereinigt. Die Solingerin hatte Glück im Unglück: Knochen waren nicht gebrochen, dafür war ihr Körper von zahlreichen Prellungen, Zerrungen und Hämatomen gezeichnet. „Auf der Intensivstation habe ich sie kaum erkannt“, erzählt Dieter Eisel. Nach elf Tagen konnte seine Ehefrau das Krankenhaus wieder verlassen. Heute geht es ihr deutlich besser. Die Narben verheilen langsam, der Schock sitzt aber noch tief.

Bei den Frauen, die ihre Schreie und Mättys Bellen gehört haben, hat sich die 78-Jährige mit einem Blumenstrauß bedankt. Das reicht ihr aber nicht. „Ich habe so viele nette Menschen getroffen.“ Voller Dankbarkeit berichtet sie von den Sanitätern, die sich bei der Rettungsaktion in Gefahr gebracht haben, der Polizei, ihrem Mann, den Mitarbeitern des Städtischen Klinikums. „Ich wurde wahnsinnig gut behandelt, das Personal war auf seine Arbeit konzentriert, hatte aber immer ein offenes Ohr für meine Fragen und Wünsche.“ Viel werde über mangelnde Zivilcourage und Engagement in der Gesellschaft gesprochen. Sie habe „nur positive Erfahrungen“ gemacht. Und dann ist da noch Mätty, dem die Eisels nach großem Leid ein schönes Zuhause geschenkt haben. Zwei Jahre später konnte er sich revanchieren.