Solingen: 2019 ist großes Jubiläumsjahr rund um die Walder Kirche

Gotteshäuser in Solingen: Ein Turm blickt auf 1000 Jahre Geschichte

2019 ist großes Jubiläumsjahr rund um die Walder Kirche: Der wehrhafte Kirchturm ist das älteste Gebäude Solingens

Große Ereignisse werfen ihre Schatten lange voraus. Manchmal 1000 Jahre. Im Jahr 1019 war in Europa nicht viel los. Das herausragendste Ereignis war, dass Knut der Große – kennt heute keiner mehr – König von England wurde. Aber hier tat sich etwas. Am 3. Mai 1019 schenkte der Erzbischof von Köln der von ihm gegründeten Abtei Deutz eine Kirche in Wald. In der Urkunde werden ein Turm und eine Langschiffkirche erwähnt.

Bei dem Turm handelt es sich um denselben der Walder Kirche, die so im kommenden Jahr 1000-jähriges Jubiläum feiern kann. Damit ist der Turm das älteste Bauwerk Solingens. Die burgturmartige Anlage mit den über zwei Meter dicken Wänden verrät, dass sie nicht nur zum Aufhängen von Glocken diente. Es war der Turm einer Wehrkirche, direkt auf der ersten bergischen Anhöhe vom Rheintal her. Man konnte also einen anrückenden Feind zeitig ausmachen und Bewohner nebst Vorräten in den Turm bringen. Mit hochgezogenen Leitern wurde der Kirchturm zur Festung.

Eine Episode aus einer langen Geschichte. „Von der Kirche wie von der Stadt wird das Jubiläum vorbereitet“, sagt Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver, Vorsitzender der Denkmalstiftung Walder Kirche. „Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich damit, ein ganzes Festjahr vorzubereiten.“ Und die Ergebnisse seien bisher sehr gut. Fast schon im Schatten der 1000-Jahr-Feier steht das 20-jährige Jubiläum der Denkmalstiftung, die am Ende einer wechselvollen und zuletzt doch so erfolgreichen Geschichte steht.

Vor erwähntem Turm gab es um 900 eine hölzerne Kirche in Wald. Eine romanische Basilika folgte später. 1780 sollte die baufällig gewordene Kirche durch einen Neubau ersetzt werden. Durch die Wirren der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege kam es nicht mehr dazu. Kurzum: 1804 brach das Gewölbe ein. 1819 war Baubeginn der heutigen Kirche. 1854 war die erste Renovierung fällig, ab 1965 fanden grundlegende Umgestaltungen statt. 1999 stand der Bau dann auf Messers Schneide.

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Und bei alledem hat der alte Turm im Wauler Dorp immer zugesehen. „Durch den Schwerlastverkehr, der über Jahrzehnte unmittelbar um die Kirche brauste, wurde Ende der 1990er Jahre eine Sanierung der Außenfassade notwendig, um das Gotteshaus als Ganzes zu erhalten“, so Guido Rohn von der Denkmalstiftung. Die Kosten beliefen sich auf eine Million Mark. Dafür musste die Gemeinde einen Kredit beim Kirchenkreis aufnehmen. Das war die Geburtsstunde der Denkmalstiftung Walder Kirche, zu der sich engagierte Bürger zusammentaten. „Ziel war es, innerhalb von 20 Jahren das Darlehen zurückzuzahlen“, berichtet Müller-Stöver. Dafür galt es jährlich, umgerechnet bis zu 25.000 Euro zusammenzubekommen.

„Es ist ein Zeichen unserer ökonomischen Arbeit, dass wir das 20 Jahre durchgehalten haben.“ Mehr noch: 2017 wurde die letzte Rate bezahlt. „Wir mussten uns positiv in die Öffentlichkeit bringen“, so der 76-jährige Vorsitzende. „Die Leute sollten ja spenden für eine Kirche, die schon renoviert dastand.“ Auf vier Säulen sieht er die Finanzierung stehen: die Mitgliedsbeiträge, Veranstaltungen – wie Konzerte, Sektverkauf bei den Walder Theatertagen oder die beliebten Weihnachtskugeln auf dem Weihnachtsmarkt – die jährliche Mailing-Aktion an 3000 Bürger und die Spenden der Fördermitglieder. „Letztere brachten jährlich bis zu 7000 Euro ein.“

Nach der Rückzahlung des Kredites wäre ja die Aufgabe der Denkmalstiftung erfüllt gewesen. „Aber so eine Kirche ist eine Dauerbaustelle. Nun sind wir frei, unsere Mittel einzusetzen.“ Rund 15.000 Euro kommen im Jahr zusammen, damit die Gemeinde entlastet wird. So steht als Projekt der fällige Innenraum-Anstrich an, eine Bodensanierung auf den Emporen ist nötig, und eine Renovierung der Bestuhlung ist angedacht. Der alte Turm wird also weiterhin viel mitbekommen und wohlwollend von oben zusehen. Möglicherweise aus dem ebenfalls aus Mitteln der Denkmalstiftung renovierten Turmzimmer mit seiner Ausstellung – somit zugleich das älteste Zimmer Solingens.

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