Solingen: 200 Bäume gefällt an der Burgholzstraße

200 Bäume entfernt : Baumfällaktion macht Straße sicherer

Die Arbeiten an der Burgtalstraße gingen am Samstag zügig über die Bühne. Rund 200 Bäume wurden gefällt. Am Sonntag war die Strecke von Unterburg hoch nach Schloss Burg bereits wieder befahrbar.

Wie ein übermächtiger Riese pflückt der Fällkran die hohe Fichte vom Hang, als wäre sie ein zartes Pflänzchen. Mit einem schleifenden Geräusch kappt er die Krone und zieht den Stamm herunter. Wer aus sicherer Entfernung beobachtet, mit welcher Wucht die Bäume in Richtung Straße absacken, ist froh, nicht direkt darunter zu stehen. Erleichtert dürfte wohl auch ein Autofahrer in Richtung Wermelskirchen gewesen sein, als kürzlich ein Baum sein Auto traf, ihn selbst aber verfehlte. „So etwas hätte hier genauso passieren können“, sagt Dirk Langenberg von der Straßenmeisterei Solingen mit Blick auf die Burgtalstraße.

Die schlängelt sich den Berg hinauf in Richtung Schloss Burg, gesäumt von Bäumen. Für 200 davon ist am vergangenen Wochenende die Zeit abgelaufen. Sie gelten nach Kontrollen im Spätsommer als verkehrsgefährdend. „Wir haben jeden Baum einzeln begutachtet und eine Woche vorher markiert“, erklärt Leonore Gärtner vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft, während ein LKW auf der gesperrten Straße rangiert, um die Überreste der gefällten Bäume aufzulesen. Die Gehölze, die einst hoch aufragten, kommen zeitgleich wenige Meter weiter als kleine Holzschnitzel aus dem mobilen Häcksler – und enden schließlich im Heizkraftwerk.

Alle zehn Jahre müsse man das Waldstück durcharbeiten, sagt Dirk Langenberg. Die letzte vergleichbare Maßnahme an der Burgtalstraße liege aber schon bedeutend länger zurück. In den vergangenen Jahrzehnten hätten Personalmangel und Widerstände aus Politik und Bevölkerung viele notwendige Pflegearbeiten an Straßen verhindert. Deren Bedarf werde allerdings in Zukunft allein schon wegen der klimatischen Veränderungen steigen.
Einen Beliebtheitspreis – das zeigten die Reaktionen vieler Bürger – gewinnt man mit einer solchen Maßnahme wohl nicht. Eine Alternative zu den Fällarbeiten gab es aber wohl ebenso wenig: Die Dürre aus dem Jahr 2018 habe den Baumbestand in Mitleidenschaft gezogen, heißt es.

Trockenheit wiederum mache Bäume anfälliger für Schädlinge und Sturmschäden. Viele seien abgestorben. „Wir schauen uns an, ob es Faulstellen, Pilzfruchtkörper gibt, ob die Bäume schon hängen oder Schäden haben“, erklärt Leonore Gärtner. Hinter ihr liegt eine weitere Fichte, die der Fällkran gerade durchgeschnitten hat. „Da sieht man die Kernfäule“, kommentiert Henning Pless. Der Vorsitzende des Naturschutzbeirates der Stadt Solingen ist nach Burg gekommen, um sich ein Bild von den Arbeiten, die bereits am Samstag abgeschlossen werden konnten, zu machen. Das Gremium hatte zuletzt Kritik am Landesbetrieb Straßenbau wegen der Baumfällungen an der Burger Landstraße geübt, das Regionalforstamt für seine Informationspolitik jedoch gelobt.

Ab heute ist die Ortsdurchfahrt in Unterburg voraussichtlich bis Ende Februar wieder komplett gesperrt. Foto: Meuter, Peter (pm)

Mit Wohlwollen reagierte der Beirat auch auf die Zusage des Amtes, neue Bäume zu pflanzen, falls die Lücken sich nicht mehr auf natürlichem Wege schließen sollten. Dirk Langenberg betont allerdings: „Das, was hier nachwächst, hat mehr Luft, wird gesünder und kräftiger.“