2018 kamen rund 57.500 Besucher : Solinger Vogel- und Tierpark verändert sein Gesicht

In Ohligs werden mehr vom Aussterben bedrohte Haustierrassen gezeigt.

(flm) Frühlingsgefühle ? Die hatten einige Bewohner des Solinger Vogel- und Tierparks schon vor Weihnachten. „Die Tiere spielen verrückt“, sagt die leitende Tierpflegerin Janett Heinrich. „Der Goldfasan balzt wie wahnsinnig um seine Frau. Schwäne und Aras haben bereits Eier gelegt.“ Dass in der Ohligser Heide der Frühling in der Luft liegt, ist den meisten allerdings verborgen geblieben. Heinrich: „Der Dezember ist für uns der schlechteste Monat im Jahr.“

Rund 57.500 Besucher kamen 2018 zum Hermann-Löns-Weg 71 – etwa 5.500 mehr als im Jahr zuvor. „Als ich vor 15 Jahren in Ohligs angefangen habe, waren wir froh, dass wir 11.000 Besucher hatten“, erinnert sich Janett Heinrich, die auch Vorstandsmitglied ist. „Drei Jahre später ging der Park gezielt ins Insolvenzverfahren. Da standen wir vor dem Aus. Jetzt geht es Stück für Stück aufwärts, denn wir machen tapfer weiter. Früher waren die Winter megahart, so dass wir um Spenden gebettelt haben. Allerdings leben wir auch heute immer noch von der Hand in den Mund.“ Es gebe keinen festen Etat.

Gut 10.000 Euro fallen monatlich alleine für Lohnkosten an. Die knapp über 300 Tiere werden von sechs Pflegern betreut. „Jahrelang haben wir nur zu zweit gearbeitet“, berichtet die 36-Jährige. Außerdem gibt es eine Parkpflegerin und zwei Handwerker in Teilzeit. Der Kiosk, an dem auch die Eintrittskarten und Futterbeutel gekauft werden, ist verpachtet. Heinrich: „Dann haben wir noch einen festen Stamm von zehn Männern und Frauen, von denen sechs regelmäßig zum Helfen kommen.“ Der Trägerverein „Freunde und Förderer Ohligser Vogelpark“ hat 135 Mitglieder.

Vom reinen Vogelpark hat man sich längst verabschiedet. 1927 kamen die Gründer zwar aus einem Kanarienverein, der in der Heide eine „Vogelwarte“ errichtete. Seit 1990 gibt es aber auch Säugetiere. Heinrich: „Das Verhältnis ist heute halb und halb. Für Besucher zieht ein Tier mit Plüsch.“ Deshalb reicht die Palette heute von Bennet-Kängurus über südamerikanische Nasenbären und Lamas bis zu Wildkatzen und Füchsen.

„Plüsch“ begeistert nicht zuletzt die jungen Besucher. 2018 fanden im Vogel- und Tierpark 104 Führungen für Schulklassen und Kitagruppen oder anlässlich von Kindergeburtstagen statt. „Der Wuppertaler Zoo ist zu groß für Kinder“, erläutert die leitende Tierpflegerin. Heinrich: „Solingen, Hilden, Haan und Mettmann sind unser Einzugsgebiet. Und viele haben Jahreskarten sowohl für unseren Tierpark als auch für die Fauna.“

Wie beliebt der Park ist, erfuhren die Mitarbeiter im Januar, als „Friederike“ 17 Bäume beschädigte oder entwurzelte. Nach einem Hilferuf bei Facebook machten sich rund 40 Helfer auf den Weg nach Ohligs, um Stämme sowie Äste wegzuräumen und Dächer zu flicken. „Da waren viele dabei, die wir gar nicht kannten“, erzählt Janett Heinrich. Auch der Mandschuren-Kranich, der durch umgestürzte Bäume auf einmal genug Anlauf hatte, um sich in die Luft zu erheben, konnte in der Nachbarschaft wieder eingefangen werden.

Auf andere Unterstützer wie die „Ohligser Jongens“ oder Einzelhändler kann sich der Tierpark regelmäßig verlassen. „Obst und Gemüse wird von Supermärkten gespendet“, erklärt die Zoo-Tierpflegerin. „Das ist eine Riesenersparnis. Aber auch bei den Geldspenden wird es immer besser. 2018 haben wir zum ersten Mal Geld von der Giossi-Stiftung bekommen.“ Die 8000 Euro werden eingesetzt, um Volieren wetterfest renovieren zu können. Das neue Zuhause für Schild- und Kolkraben, Waldkauz und Geier soll auch für Frühlingsgefühle sorgen. Heinrich: „Bei den Kolkraben hoffen wir, dass sie 2019 für Nachwuchs sorgen.“

Auch im Stallbereich soll sich einiges ändern. „Wir strukturieren um“, kündigt das Vorstandsmitglied an. „Viele Menschen kennen die alten Haustier-Rassen nicht mehr.“ Deshalb zogen im Herbst bereits Thüringer Waldziegen und Gröllwitzer Puten ein. Anfang Dezember folgten die Bergischen Schlotterkämme. Heinrich: „Über viele Jahre haben wir den Tierbestand verkleinert, um die Kosten zu senken. Bei den vom Aussterben bedrohten Rassen werden wir aber noch weitere Tiere aufnehmen.“

www.solinger-vogelpark.de

Mehr von RP ONLINE