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Humboldtgymnasium Solingen : Sieben-Tage-Woche für Lehrer

Auch ohne gefüllte Klassenräume gibt es an Schulen in diesen Tagen eine Menge zu tun, wie Humboldt-Schulleiter Alexander Lübeck berichtet – zumal der Unterricht ohnehin weiterläuft.

Als NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Mitte des Monats flächendeckende Schulschließungen bis zu den Osterferien verkündete, stellte er mit fester Stimme klar: „Die Lehrer bleiben im Dienst.“ Unerwähnt ließ er dabei, mit welchem Pensum die Ausnahmesituation für das unterrichtende Personal tatsächlich verbunden sein würde.

„Wir als Schulleitungen und -verwaltungen haben im Grunde fast eine Sieben-Tage-Woche“, erklärt Alexander Lübeck, Leiter des Humboldtgymnasiums. Von 8 bis 13 Uhr ist er unter der Woche im Gebäude, erreichbar sein muss er aber praktisch durchgängig – auch an den Wochenenden. Auf diverse E-Mails, etwa vom Schulträger, in denen es zum Beispiel um Neuregelungen in der Corona-Krise geht, gilt es zügig zu reagieren.

In der Schule selbst gestaltet eine Gruppe von Lehrern die Notbetreuung für Fünft- und Sechstklässler, deren Eltern während der Schulzeit eingespannt sind – auch wenn am Humboldtgymnasium nur drei Kinder davon betroffen sind. Sogar die sind noch in zwei Gruppen aufgeteilt, um die Klassen nicht zu mischen. Und auch dabei achtet man natürlich penibel darauf, Infektionsketten gar nicht erst entstehen zu lassen – oder sie rasch zu unterbinden. „Der Schulträger will jeden morgen genau wissen, wer wo ist“, erklärt Lübeck. Die Schüler kommen wie an einem ganz gewöhnlichen Schultag morgens um acht in die regelmäßig speziell gereinigten Klassenzimmer und arbeiten an ihren Aufgaben.

Das Programm, das letztlich kein Unterricht im eigentlichen Sinne ist, soll ein möglichst breites Spektrum abdecken: „Das wird fachlich gemischt“, erklärt Lübeck. Da gehe es auch mal für kleine Experimente in die Naturwissenschaftsräume oder nach draußen, um ein bisschen Bewegung zu bekommen. Wie lange die Lehrer sich im Tagesverlauf um die Kinder kümmern müssen, hängt letztlich von den Arbeitsplänen der Eltern ab. Das gilt auch für die Betreuung über die eigentliche Schulzeit hinaus. Denn für die müssen Lehrkräfte an den Schulen des Landes prinzipiell auch an den Wochenenden die Lehreinrichtung aufsuchen. „Das war bei uns bislang noch nicht nötig“, betont der Humboldt-Schulleiter. Aber auch während der in der kommenden Woche startenden Osterferien werden die Schulen bekanntlich für die Betreuten geöffnet sein.

Und auch wenn Flure und Aula derzeit verwaist sind – den einen oder anderen Kollegen trifft man als Lehrer dennoch an: Schließlich gibt es immer eine Menge zu organisieren, was sonst nebenbei läuft. So räume man etwa die schulische Sammlung auf oder bereite die Umstellung von acht auf neun gymnasialen Schuljahren vor, erklärt Lübeck. Und der normale Unterricht laufe über die modernen Kommunikationswege weiter: „Wir stellen Materialien über eine Schul-Cloud bereit“. Insbesondere die Informatik-Lehrer waren gefragt, stabile technische Lösungen zu finden. Und so überwachen die Lehrer den Lernerfolg ihrer Schützlinge von Zuhause aus – und unterstützen aus dem Home Office auch die Abiturvorbereitungen der künftigen Prüflinge.

„Manche Kollegen sind permanent online“, berichtet der Schulleiter. Die Kommunikation innerhalb des Kollegiums und mit den Schülern läuft per E-Mail, im Chat oder in Videokonferenzen. So erweist sich die Corona-Krise ähnlich wie in vielen Unternehmen und Verwaltungen offenbar auch an Schulen als Katalysator für die Digitalisierung, wie Lübeck betont: „Der Entwicklungsprozess hat sich massiv beschleunigt.“