Im Schatten von Schloss Burg : Café weckt nostalgische Gefühle

Seit mehr als 60 Jahren serviert die Familie von Johanna Bunzel im Café Zum Rittersturz bergische Waffeln und Kuchen – und pflegt das traditionelle Ambiente.

Blickfänge gibt es einige im Umfeld des Cafés Zum Rittersturz: Da ist zum Beispiel die benachbarte Burger Seilbahn, deren Gondeln je nach Perspektive wie aus dem Nichts aufzutauchen scheinen. Ihren Weg zur Talstation und zurück können die Gäste von der Panoramaterrasse des Cafés aus verfolgen – und ihren Blick zugleich über die Dächer und Straßen von Unterburg und die bewaldeten Hügel der Umgebung schweifen lassen.

Aber auch das Gebäude selbst eignet sich – wie viele Immobilien im Schatten von Schloss Burg – als typisch bergisches Fotomotiv: Das verschieferte Fachwerkhaus mit Sprossenfenstern lädt förmlich ein zum Genuss von Waffeln und anderen bergischen Gaumenfreuden. Und die gibt es hier seit mehr als 60 Jahren.

Genau so alt ist auch die Theke im Gastraum: Mit ihrer hellen Holzverkleidung und den abgerundeten Glasvitrinen versprüht sie den Charme der 50er Jahre. „Wir haben sie immer gepflegt und auch etwas modernisiert, aber niemals ausgetauscht“, erklärt Inhaberin Johanna Bunzel, die seit Kindertagen in dem malerischen Haus lebt. Ihre Eltern hatten das Café im Jahr 1957 eröffnet – und das alte Wohnhaus, dessen Geschichte bis ins Jahr 1650 zurückreicht, nach und nach erweitert. 1959 kam die Terrasse hinzu – und machte sich offenbar rasch bezahlt. „In dem Jahr hatten wir ja einen Wahnsinns-Sommer“, erinnert sich Johanna Bunzel. Ein weiterer Anbau folgte in den frühen 60er Jahren. Heute ist im Innenraum Platz für rund 100 Gäste, 35 Stühle gibt es im Freien. Den Blick ins Tal genießen können die Gäste aber auch drinnen – das ermöglichen breite Fenster auf der Hangseite.

Ein Austausch der aus den 50er Jahren stammenden Theke stand nie zur Debatte. Foto: Zelger, Thomas

Für den Namen „Zum Rittersturz“ stand übrigens das „Gottesurteil zu Burg an der Wupper“ Pate: Der Sage nach wurde der Ritter Gerhard von Steinbach auf Schloss Burg, angeblich zu Unrecht, des Mordes und Verrates für schuldig erklärt. „Bleibt mir denn kein Mittel, Ihr Herren, meine Unschuld vor Euch zu erweisen, so ruf ich Gottes Zeugnis selber an!“ rief er aus, stürzte sich mitsamt seinem Pferd in den Abgrund – und überlebte. „Meine Eltern kamen auf die Idee, das Café nach der Sage zu benennen“, berichtet Bunzel. Noch heute ist die Geschichte auf dem Flyer des Hauses zu lesen.

„Wir haben uns über Jahrzehnte hinweg viele Stammgäste erarbeitet“, sagt Johanna Bunzel. Die 66-Jährige übernahm das Café vor 42 Jahren von ihren Eltern und leitet es seither gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Ehemann Axel, der wie sie gelernter Koch ist. Ein in Stoßzeiten bis zu zehnköpfiges Team kümmert sich um den Betrieb. Der Nachwuchs hilft auch mit, wird das Geschäft aber nicht übernehmen. „Wir suchen einen Nachfolger“, bekräftigt Johanna Bunzel. In den nächsten beiden Jahren will sich das Ehepaar zurückziehen.

In der Gastronomie Fuß zu fassen sei für jüngere Leute schwierig, betont Axel Bunzel, der seine Ehefrau einst auf der Berufsschule kennenlernte. „Wir sind beständig geblieben, aber auch mit der Zeit gegangen“, bekräftigt er. Großer Beliebtheit erfreut sich nach wie vor die Bergische Kaffeetafel mit Waffeln, Milchreis, verschiedenen Brotsorten, Kirschen, Quark und Aufschnitt. Ab zwei Personen gibt es den Kaffee nach Wunsch in der „Dröppelmina“. Zum kulinarischen Angebot gehört zudem eine Auswahl selbst gebackener Kuchen. „Wir haben aber auch einen lieben Konditormeister, der uns mit tollen Torten beliefert“, erzählt Johanna Bunzel. Auch Waffelspezialitäten stehen auf der Speisekarte.

Schloss Burg ist auch im Gastraum präsent – als Glasmalerei. Foto: Zelger, Thomas

Und auch wenn das Innere des Cafés nostalgische Gefühle weckt – „alt“ oder gar „verbraucht“ wirkt es keineswegs. „Natürlich ­modernisieren wir auch viel“, stellt ­Johanna Bunzel klar. Neue Terrassenstühle erhielt das Café ebenso wie ­Lampen, Tischdecken oder Gardinen. Ein Austausch der Theke aus den 50er Jahren aber kam niemals in Frage, wie Johanna Bunzel betont: „Sie gehört einfach zu diesem Café“.

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