Sigmar Gabriel diskutiert bei Solinger Zukunftsgesprächen

Sigmar Gabriel zu Gast in Solingen : „Wir müssen mit den Menschen reden“

Über 200 Personen waren beim Zukunftsgespräch der SPD im Zentrum für verfolgte Künste zu Gast.

„Das Nationalistische ist in Europa wieder zu Hause“ – diese Feststellung traf am Dienstag der SPD-Vorsitzende Josef Neumann bei der Begrüßung zum Auftakt der Reihe Solinger Zukunftsgespräche im Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum. Mehr als 200 Personen waren der Einladung der Sozialdemokraten gefolgt, um über die aktuelle Demokratieentwicklung in Deutschland, aber auch in Europa zu diskutieren. Und es blieb trotz einer hochkarätig besetzten Podiumsrunde auch Zeit für Fragen aus dem Publikum.

„Demokratie ist nicht selbstverständlich“, so lautete die Überschrift der Veranstaltung. Und Dr. Rolf Jessewitsch vom Zentrum für verfolgte Künste konnte sich keinen besseren Ort als das Museum selbst denken, um darüber zu diskutieren: „Die Demokratie muss an allen Stellen verteidigt werden, und jeder muss Stellung beziehen“, sagte der Museumsdirektor.

Unter der Moderation des Journalisten Ulli Tückmantel diskutierten der frühere Außenminister und langjährige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, die Superintendentin des Kirchenkreises Solingen, Dr. Ilka Werner, der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) und der Journalist und Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages, Hans Leyendecker. „Wir müssen lernen, uns in die Schuhe der Schwächsten zu stellen“, sagte Gabriel mit Blick auf Europa und die Frage, warum viele Menschen ihr Heil in nationaler Abgrenzung suchen. „Wenn wir wollen, dass sich die Menschen nicht von uns abwenden, dann müssen wir mit ihnen reden“, ergänzte Gabriel. Eine Einschätzung, die auch der Journalist Hans Leyendecker teilt. „Wir müssen die anderen ernst nehmen, die Wirklichkeit wahrnehmen und die Realität widerspiegeln – und uns mit den Problemen der Leute beschäftigen und nicht nur darüber reden.“

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Kirche und Politik haben mitunter ähnliche Probleme, sagte Ilka Werner. Wichtig sei aber, ins Gespräch zu kommen und zuzuhören mit Menschen, die sich von Politik oder Kirche abwenden. Denn, so Helge Lindh, „die größte Gefahr der Demokratie sind diejenigen, die sich davon verabschieden und nicht die Potentaten.“

Für Sigmar Gabriel ist aber auch klar, dass es Aufgabe der Politik ist, Ordnung und Werte zu vermitteln, damit das Vertrauen in die Demokratie steigt. „Aber die Leute wollen auch, dass etwas entschieden und nicht endlos diskutiert wird“, so Gabriel. Auch wenn dies mit der Gefahr verbunden ist, dass Fehler passieren.