Solingen: Sicherheitslücke bei Amoklauf

Solingen: Sicherheitslücke bei Amoklauf

Birgit Brillowski, Klassenpflegschafts-Vorsitzende an der Gesamtschule Solingen, ist am Jahrestag von Winnenden besorgt. Bei Feueralarm greift in Schulen die Sicherheitskette bei einem Amoklauf nicht ausreichend.

Der Amoklauf von Winnenden ist genau ein Jahr her – die unerklärliche Tat eines 17-jährigen Schülers an der Albertville Realschule hat das ganze Land in einen Schockzustand versetzt. Auch Birgit Brillowski sind die schrecklichen Bilder noch gegenwärtig. Sie ist Elternvertreterin der Klassen 6f und 8b an der Gesamtschule Solingen; und sie ist besorgt, und vor allem verärgert, weil an der Schule ihrer Kinder, aber auch an anderen Solinger Schulen eine Sicherheitslücke besteht: Obwohl dies sei langem bekannt sei, sei noch immer nichts geschehen. "Man darf nicht weggucken." Birgit Brillowski will, dass sich etwas ändert – "am liebsten heute", berichtet sie mit Entschiedenheit unserer Zeitung.

"Ein Amoklauf ist unwahrscheinlich." Der Klassenpflegschafts-Vorsitzenden ist das bewusst. Doch man könne nicht ausschließen, dass so etwas passieren kann. Dann muss man nach ihren Worten auch die Möglichkeit haben, eine Durchsage im Schulgebäude zu machen und alle warnen zu können.

Per Zufall ist das Sicherheitsproblem im vergangenen Schuljahr an der Gesamtschule Solingen entdeckt worden – bei einem Feuer-Fehlalarm. Daraufhin wollte die Schulleitung mit einer Durchsage im Unterrichtsgebäude schnell Entwarnung geben. Dies war jedoch nicht möglich, weil der Alarm durchlief. Gleichzeitig kann während dieser Zeit nämlich keine Lautsprecherdurchsage geschaltet werden.

Kinder laufen Täter in die Arme

Birgit Brillowski will sich lieber nicht ausmalen, welche Gefahr damit verbunden sein könnte bei einem Amoklauf: Werde der Feueralarmknopf betätigt, würden alle aus den Klassen hinauslaufen und einem solchen Menschen doch direkt in die Arme. Auch die Lehrer der Gesamtschule Solingen sind höchst besorgt. "Wir hätten dann keine Möglichkeit, die Kinder und das Kollegium zu informieren", betonte Rektor Gerhard Müller. "Dabei sollen bei einem Amoklauf doch alle in den Klassen bleiben und sich verbarrikadieren."

Am Humboldtgymnasium seien Durchsagen bei einem Feueralarm jedoch möglich. Mit diesem Sicherheitszusatz scheint diese Schule allerdings die große Ausnahme in ganz Solingen zu sein. Technische Dinge seien eingebaut worden, berichtete Rektor Marko Voigt auf Anfrage. Details nannte er aus Sicherheitsgründen nicht.

Für ihn ist dieser technische Zusatz, der im Rahmen des Brandschutzes vor sechs Jahren bereits installiert wurde, höchst sinnvoll – zumal dies keine größere Investition gewesen sei. "Im Rahmen der Gefahrenabwehrplanung muss man auch andere Dinge im Blickfeld haben, etwa einen Amoklauf", erklärte Voigt. Sein Standpunkt: Im Interesse der Gesamtsicherheit einer Schule müssten Anbauten und separate Gebäudeteile miteinander vernetzt werden. Birgit Brillowiski, Klassenpflegschafts-Vorsitzende an der Wupperstraße, hatte Schuldezernent Hartmut Hoferichter, aber auch Oberbürgermeister Norbert Feith bereits auf die Sicherheitslücke an der Gesamtschule Solingen aufmerksam gemacht.

"Die technische Lösung steht noch nicht fest." Das müsse man zugeben, erklärte Hoferichter. "Doch wir sind dran und suchen nach Lösungen." Das Thema werde von Technikern derzeit aufgearbeitet. Mit einigen zusätzlichen Leitungen und der Installation von Schaltern in den Schulen sei es dabei jedenfalls bei weitem nicht getan. Sichergestellt werden muss nach seinen Worten, dass der Feueralarm mit dem Brandschutz nicht beeinträchtigt werde.

(RP)