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Verein Solinger Künstler: Sicher ist sicher – das gilt heute nicht mehr

Verein Solinger Künstler : Sicher ist sicher – das gilt heute nicht mehr

Heute wird im Solinger Kunstmuseum in Gräfrath um 18 Uhr die Jahresschau des Vereins der Solinger Künstler eröffnet.

Sie habe mit der Ausstellung „relativ wenig Arbeit gehabt“, erklärt Gisela Elbracht-Iglhaut. Denn, so die Leiterin des Kunstmuseums, „die Solinger Künstler haben die Ausstellung in Eigenregie organisiert, kuratiert und aufgebaut.“ Im Hinblick auf das Thema der traditionellen Jahresschau – es lautet in diesem Jahr „sicher nicht sicher“ erinnerte Elbracht-Iglhaut an die Anfänge der 1919 als Künstlerbund gegründete, im November 1945 neu ins Leben gerufene Künstler-Gemeinschaft: „Die SK entstand als Reaktion auf die Zeit des Nationalsozialismus.“ Und damit wäre das Kunstmuseum, das ja auch das Zentrum der verfolgten Künste beheimatet, genau der richtige Ort für die Jahresschau des Vereins. „Sie gehört zum Standardrepertoire des Museums und sie zeigt mit historischer Anbindung die Kunst der Gegenwart.“

„Wir haben versucht, zum Thema unsere künstlerischen Standpunkte zu finden“, erklärte Manuela Stein für die Gemeinschaft. „Sicherheit ist ein hohes Gut mit vielen Facetten.“ So wäre auch die Sicherung der Freiheit der Kunst Thema der Ausstellung. „Sowie der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Künstlerinnen und Künstler.“ Eine der Solinger Künstlerinnen, die sich schon lange in ihren Werken gesellschaftskritischen Fragen widmet, ist Sabine Smith. Ihre Arbeit „146“ kann als eine Art Kern der gesamten Ausstellung gesehen werden. Smith hat kleine, auf einem Haufen liegende Seidenkokons geschaffen, in denen sich handgeschriebene eingerollte Papierfahnen befinden, auf denen die Texte des Grundgesetzes stehen: „Ich habe lange nach passenden Möglichkeiten gesucht, die Fragilität, die Sicherheit wie auch die Kostbarkeit des Grundgesetzes herauszustellen.“

In Nachbarschaft von Smith findet sich eine Installation von Ulle Huth. Die ehemalige langjährige Vorsitzende der SK hat einen kleinen Raum geschaffen, in der Silhouetten Rundbogenfenster zitieren. „Ich möchte die Wahrheiten hinterfragen, die von Ideologien, Religionen, Ismen beansprucht und behauptet werden“, so Huth. Dass Intoleranz und Fundalismus zu ungezählten Toten geführt haben, zeigt ein mit roter Farbe gesprenkelter weißes Bodentuch im Zentrum der Installation.

Ulle Huth zeigt in der Jahresschau die Installation „sicher ist“. Foto: Meuter, Peter (pm)

Manuela Stein betonte in ihrer Vorstellung der Jahresschau, dass die typische „German Angst“ und die Absicherungsmentalität „Sicher ist sicher“ in heutiger Zeit nicht mehr richtig greifen würden. „Wir müssen umdenken, umlernen, anders handeln. In einer so veränderten Welt braucht es Risikobereitschaft, Flexibilität, Schnelligkeit, Agilität, Improvisationsfreude, Kreativität und Mut.“ Dieser Forderung sind die meisten der an der Jahresschau 2020 beteiligten Künstler mit ihren Werken dann auch gerne gefolgt. Und einigen war dabei das Motto der Ausstellung eine so große Inspiration, dass sie für ihre Werke auch überraschend neue Ausdrucksformen gefunden haben.