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Shopping in Solingen: Händler und Kunden nehmen 2G-Regel an

Corona-Regeln in Solingen : Händler und Kunden nehmen 2G-Regel an

Die Kontrolle der Impfausweise an Geschäften in Solingen hat am Samstag funktioniert. Die Kunden zogen mit und mussten teilweise anstehen. Doch es gibt auch Zweifel am Nutzen der Maßnahme.

Während eine junge Frau vor dem Ladeneingang schnell ihr Handy zückte, um ihren aktuellen Impfstatus zu belegen, erkundigte sich ein älterer Herr: „Kommt man mit Test nicht mehr rein?“ – „Nein, nur geimpft oder genesen“, antwortete Barbara Vermöhlen vom Fachgeschäft SpielPlus an der Grünstraße in Ohligs.

Dabei gehört SpielPlus allerdings zur im Grunde zur eher überschaubaren Gruppe von Geschäften, in denen für die Kunden ab sofort die 2G-Regel gilt. Denn wer vor dem samstäglichen Einkauf einen kurzen Blick in die neue Corona-Schutzverordnung des Landes NRW warf, der entdeckte beinahe mehr Ausnahmen als von 2G betroffene Läden. Im Lebensmittelhandel, in Drogerien, Sanitätshäusern und Apotheken, bei Optikern und Hörakustikern, in Buchhandlungen, Blumen-geschäften und Gartenmärkten – diese Liste ist noch nicht einmal vollständig – bleibt schließlich alles beim alten.

Belebt war die Düsseldorfer Straße allemal, in größeren Geschäften bildeten sich lange Schlangen. Einen entsprechend kritischen Blick warf Regine Biernath vom gleichnamigen Fahrrad-Fachgeschäft auf die beschlossenen Regeln: „Ganz verstehen kann ich die ehrlich gesagt nicht, wenn sich anderswo nach wie vor die Menschen tummeln“, sagte die Inhaberin. Laufkundschaft, die sich mal eben im Laden umschauen wolle, bleibe nun wohl tendenziell aus.

 Bei Zweirad Biernath wurde nevben dem Impfpass auch den Personalausweis überprüft.
Bei Zweirad Biernath wurde nevben dem Impfpass auch den Personalausweis überprüft. Foto: Peter Meuter
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Nichtsdestotrotz setzt man die Vorschriften bei Zweiräder Biernath offensichtlich sehr gewissenhaft um: Wer das Geschäft betreten will, steht erst einmal vor einem Absperrband und muss einem Mitarbeiter Impfnachweis und Personalausweis zeigen. Um Begegnungsverkehr zu verhindern, verlassen die Kunden die Verkaufsräume durch einen Seitenausgang.

Besser 2G als eine erneute Schließung wie noch im Vorjahr, als kurz vor Weihnachten die Geschäfte ihre Türen dicht machen mussten – auch das war der Tenor bei einigen der Einzelhändler: „Es ist eine Erleichterung, dass es nicht noch einen Lockdown geben wird“, sagte zum Beispiel Ewa Find von der Boutique „Sichtbar“. 

Von Konflikten mit widerspenstigen Kundinnen und Kunden berichtete man am Samstag weder in Ohligs noch in der Stadtmitte. Die absolute Mehrheit habe Verständnis für die Kontrollen an den Geschäften gezeigt, betonte etwa Rainer Gallus, Geschäftsführer beim Handelsverband NRW – Rheinland. Für viele der Kunden sei das Einkaufen am zweiten Adventssamstag entspannt gewesen. Die Händler wiederum hätten sich aber buchstäblich von heute auf morgen auf die Vorgaben einstellen und dafür auch zusätzliche Personalkräfte finden müssen.

Dennoch habe die Umsetzung der 2G Kontrollen gut geklappt, fasst der Handelsverband seine Trendumfrage für Samstag zusammen. „Wir hoffen darauf, dass nun schnell lokale Bändchenlösungen aufgelegt werden. Einmal kontrolliert erhalten Besucher dann beispielsweise ein Armbändchen und können damit schnell Einlass in Geschäfte und Weihnachtsmärkte erhalten“, sagte Gallus.

Sogar da, wo eigentlich kein Nachweis nötig war, nestelten viele Kunden an ihrer Jackentasche, um eben solche vorzeigen zu können – wie zum Beispiel in der Buchhandlung Kiekenap in Ohligs. „Für viele Kunden ist das selbstverständlich“, schilderte Inhaberin Brigitte Kiekenap, zugleich Vorsitzende der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG). Ein abschreckender Effekt von 2G sei bislang nicht erkennbar. Und wer doch einmal als Ungeimpfer Waren einiger von der Beschränkung betroffener Läden ergattern will, kann das vielfach immer noch nach dem Prinzip „Click and collect“ tun, wie Barbara Vermöhlen berichtet: „Dann können Sie bestellte Waren draußen vor der Türe abholen.“