Seniorenzentrum in Solingen: Verreisen mit VR-Brille

Seniorenzentrum in Solingen : Die ganze Welt kommt virtuell ins Haus

Die Bewohner des Aufderhöher Seniorenzentrums reisen jetzt virtuell zu Ausflugszielen in Solingen – aber auch an die Spree und den Canale Grande. Dank einer Spende über 14.000 Euro wurde das möglich.

Auf die Reeperbahn nachts um halb eins geht es noch nicht, auch wenn es sich einer der Bethanien-Bewohner hätte vorstellen können. Dafür kommt man in Haus Buche jetzt ins Gebirge, auf ein Ausflugsboot in Berlin oder nach Neapel – ohne das Gebäude zu verlassen. Der Solinger Spezialist für Virtual und Augmented Reality, Excit3D, setzt die Senioren mit Hilfe von VR-Brillen auch für vier Minuten auf den Sessellift in Burg oder lässt sie durch den Brückenpark in Müngsten laufen.

„Fantastisch“ findet nicht nur Bewohnerin Ingrid Eberhard das neue Angebot. „Ich wollte schon fragen, ob man eine Brille käuflich erwerben kann“, berichtet sie nach ihren „Ausflügen“. Hans Jordan, der seit einem halben Jahrhundert in der Klingenstadt lebt, aber längst nicht jede Ecke kennt, kam durch die VR-Brille zum ersten Mal zur Wipperaue.

„Über dieses Projekt freuen wir uns ganz besonders“, sagt die Schauspielerin Mariella Ahrens. „Man kann Wünsche erfüllen, ohne reisen zu müssen.“ Ahrens ist Schirmherrin des Vereins Lebensherbst, der die virtuellen Touren dank einer 14.000-Euro-Spende der Deutschen Postcode Lotterie ermöglichen konnte. Die Idee kam von der in Widdert wohnenden „Lebensherbst“-Geschäftsführerin Petra Krötzsch.

„Wichtig war uns der stufenweise Aufbau der App“, erläutern Excit3D-Geschäftsführerin Katrin Burkatzki und Entwickler Ben Koch. Die Palette reicht von 360-Grad-Fotos, etwa vom Rittersaal in Burg, über einfache Videos bis zu Umgebungen, in denen sich nicht nur die Umwelt bewegt, der Bach plätschert und der Wind rauscht, sondern auch der Benutzer das Gefühl hat, sich mitzubewegen. In einer vierten Stufe soll zwar noch eine Pflegekraft das Video starten, der „Reisende“ kann sich aber mittels eines einfachen Controllers selbst die Ziele aussuchen.

„Ich freue mich, dass Sie Spaß haben“, kommentierte Petra Rottmann von der Deutschen Postcode Lotterie. „Es ist schön zu sehen, wie sich die Senioren über das Gesehene austauschen, zusammen lachen und Lebensfreude zurückkehrt.“ Denn das computergesteuerte Angebot lässt sich im wirklichen Leben auch noch herrlich ergänzen: Wenn zum Ausflug nach Schloss Burg ­beispielsweise Waffeln angeboten werden. An den virtuellen Landpartien sollen künftig auch die Bewohner der anderen Bethanien-Häuser teilnehmen. 275 Frauen und Männer leben in dem Seniorenzentrum des Diakonischen Werks in Aufderhöhe.

Nicht nur dort soll die virtuelle Realität Einzug halten. Petra Krötzsch und Katrin Burkatzki sind sich einig: „Schön wäre es, wenn alle Pflegeeinrichtungen deutschlandweit auf eine Datenbank zugreifen könnten, in der virtuelle Schauplätze zu finden sind.“ Dafür ist der Verein Lebensherbst aber auf weitere Spenden angewiesen.

Schirmherrin Mariella Ahrens, die immer wieder gerne nach Solingen kommt, stand bis Sonntag noch in Essen auf der Bühne. Mit Martin Semmelrogge und Marko Pustisek trat sie in der Drei-Personen-Komödie „Das Abschiedsdinner“ auf. Ab Mai steht es auf dem Spielplan des Theaters an der Kö.