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Solingen: Seit 65 Jahren bei Credo

Solingen : Seit 65 Jahren bei Credo

Der 81-jährige Erhard Klaußner gehört zum "lebenden Inventar" der Credo Stahlwarenfabrik. Im Oktober 1948 begann er dort als Produktionshelfer.

Der 81-jährige Erhard Klaußner gehört zum "lebenden Inventar" der Credo Stahlwarenfabrik. Im Oktober 1948 begann er dort als Produktionshelfer.

Früher ist Erhard Klaußner jeden Tag zu Fuß von Witzhelden nach Solingen gelaufen, um hier Arbeit zu suchen. Bei der Credo Stahlwarenfabrik Gustav Kracht wurde er fündig und fing am 11. Oktober 1948 – im Alter von 16 Jahren – als Produktionshelfer in dem Unternehmen an, das damals noch seinen Standort dort hatte, wo heute das Theater und Konzerthaus steht. Anfang der 1950er Jahre zog Credo zum jetzigen Standort an der Schlagbaumer Straße 35 um, und natürlich war Klaußner mit dabei.

Und auch heute noch, im Alter von 81 Jahren, ist der rüstige Rentner jeden Tag im Betrieb: "Morgens ab 4.30 Uhr schließe ich auf, lüfte die Büros und drehe meine Runde durch den Betrieb. Ich merke sofort, wenn etwas nicht stimmt beziehungsweise nicht an seinem Platz ist", sagt Klaußner, der jetzt auf eine 65-jährige Tätigkeit bei der Credo Stahlwarenfabrik zurückblicken kann.

Mit dem Eintritt ins Rentenalter die Arbeit aufgeben, das kam für Erhard Klaußner nicht infrage. "Zuhause fällt mir die Decke auf den Kopf", sagt der 81-Jährige. Anfangs arbeitete er noch bis mittags im Unternehmen, als er die 70 überschritten hatte, reduzierte er die Stundenzahl und hört heute gegen 8 oder 8.30 Uhr wieder auf, nachdem er seine Rundgänge erledigt und seine Butterbrote gegessen und die Zeitung gelesen hat. Immerhin also noch rund vier Stunden, auf seine morgendlichen Rundgänge durchs Unternehmen will Erhard Klaußner weiter nicht verzichten. Brände und Einbrüche hat Klaußner bei seinen Kontrollgängen entdeckt, eingeschritten ist er auch, als ein Ofen noch glühte. "Er kannte sogar noch meinen Urgroßvater Gustav Kracht, der das Unternehmen 1924 gründete. Erhard Klaußner hat so ziemlich alles im Betrieb gemacht, was anfiel", meint Firmenchefin Gabriele Kracht, die das Unternehmen in der vierten Generation seit Oktober 1990 leitet.

Für sie ist klar: "Klaußner ist lebendes Inventar des Unternehmens, für ihn ist diese Arbeit ein Stück Lebenselixier", sagt Gabriele Kracht. Und sie gibt ihm eine unbegrenzte Jobgarantie: "Er kann so lange bleiben, wie er will."

Rund 50 Mitarbeiter beschäftigt die Credo Stahlwarenfabrik. "Es läuft alles gut", sagt Gabriele Kracht mit Blick auf die Produktpalette. Credo gehört zu den Pionieren auf dem Gebiet der Pedikure-Artikel und ist weltweit eines der führenden Unternehmen von mechanischen Fußpflegeinstrumenten. Das gilt auch für den Manicure-Bereich. Der Hornhauthobel, den Gustav Kracht einst entwickelt hatte, gehört ebenso zum umfangreichen Sortiment wie Klingen, Nagelhautmesser, Pinzetten oder Fußpflegezangen, die ins In- und Ausland verkauft werden. Der Exportanteil beträgt rund 65 Prozent.

(RP)