Solingen: Seit 60 Jahren ein Mitarbeiter Gottes

Solingen: Seit 60 Jahren ein Mitarbeiter Gottes

Am 24. Februar wurde Reiner Stein in Köln zum Priester geweiht. Mit einem Dankgottesdienst in der Kirche St. Clemens feiert er sein 60-jähriges Priesterjubiläum. Seit 30 Jahren lebt und wirkt der 87-Jährige in Solingen.

Geboren wurde Reiner Stein in der Nähe von Aachen. "Seit 1940 war ich Bürger von Bad Honnef", erzählt der 87-Jährige. Dort wurde er vor allem von einem Jugendkaplan geprägt, aber auch die Einflüsse seiner Mutter und die zweier Onkel, die beide Priester waren, wirkten auf den jungen Reiner Stein ein. "Nach dem Krieg bekam ich ziemlich schnell eine Jugendgruppe und habe erfahren, wie schön es ist, wenn Menschen Vertrauen fassen", erinnert er sich zurück. Er entschloss sich, Priester zu werden. "Ich war mir zwar noch nicht sicher, ob das der richtige Weg ist", gibt er zu und fügt dann mit einem Schmunzeln hinzu: "Aber heute, nach 60 Jahren, kann ich sagen, ich würde den Weg wieder gehen."

Am 24. Februar 1958 wurde Reiner Stein in Köln zum Priester geweiht. Nun darf er sein 60-jähriges Priesterjubiläum feiern - ein ganz besonderer Moment in seinem Leben, der auch zum Rückblick einlädt. Verschiedene Stationen durchlief Reiner Stein in diesen 60 Jahren. "Die erste war Leichlingen, dann die Kölner Altstadt." Danach wurde er Direktor eines Internats in Bad Münstereifel. "Ich war dann in Leverkusen für 15 Jahre und kam darauf nach Solingen, wo ich nun seit 30 Jahren lebe."

  • Erkelenz/Kempen : Michael Druyen zum Priester geweiht

Früh schon hat Reiner Stein die Fokular-Bewegung kennengelernt. "Ich bin Fokular-Priester", betont er. Ein Bibelwort aus dem Korintherbrief hat ihn all die Jahre begleitet: Wir sind tatsächlich Mitarbeiter Gottes. "Das war mir in guten wie in nicht so guten Zeiten eine Hilfe", erzählt der Priester. "Denn es heißt 'wir' und bedeutet, ich bin nicht allein. Außerdem komme ich nicht in meinem Namen, sondern im Auftrag Gottes. Ich bin sein Mitarbeiter." Wenn er an seine Zeit in Solingen zurückdenkt, fallen ihm viele Begebenheiten ein, die ihm in Erinnerung geblieben sind - schöne und schmerzvolle gleichermaßen. "Als die sechs Bergsteiger im Wallis verunglückt sind, durfte ich mit zwei evangelischen Pfarrern die Bestattung vornehmen." Eine der Witwen habe mit dem Tod ihres Mannes sehr gehadert, doch eine andere habe erzählt, dass sie ihren Konfirmationsspruch neu entdeckt habe, der ihr Trost gegeben hätte. "Das war schön", erinnert sich Stein. Auch die Arbeit mit den Kindern hat ihm immer viel Freude gemacht. "Ich habe immer versucht, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen, sie beim Namen zu nennen." Ihre Kommunion sollte nicht einfach nur ein Familienfest sein. "Ich habe mich bemüht, dass sie eine lebendige Beziehung zu Jesus haben", so Stein. Dabei ist ihm eins immer klar gewesen: "Mein Tun ist das Geheimnis der leeren Hände."

Seit eineinhalb Jahren ist Reiner Stein Dialysepatient. Das hat sein Leben verändert. "Ich musste eine Lebensentscheidung treffen", sagt er. So ist er in die Senioreneinrichtung St. Josef umgezogen. "Was soll ich sagen", meint er lächelnd, "ich erlebe eine Art Frühling." Da er von seinem Temperament her gerne auf Menschen zugehe, habe er schnell Kontakte geknüpft. So hat er sich bereits nach einem Monat gut eingelebt. Und auch sonst ist er noch sehr aktiv. "Wir treffen uns einmal in der Woche, so zwölf bis 15 Personen, und lesen das Evangelium des kommenden Sonntags", erzählt Stein. Und dann wird über das Bibelwort gesprochen. Und eins erstaunt den Priester auch heute noch immer wieder: "Dass Gott mich braucht, trotz meiner Krankheit."

(sue)