Sechs Brücken sollen Weltkulturerbe werden - darunter die Müngstener Brücke

Müngstener Brücke: „Der Zug nimmt sehr viel Fahrt auf“

Sechs Brücken sollen Weltkulturerbe werden: Solingen und Remscheid richteten auf Schloss Burg ein internationales Arbeitstreffen aus.

Der Weg ist lang, die Ankunft am Ziel nicht garantiert. Trotzdem war Projektleiter Carsten Zimmermann am Samstag überzeugt: „Es könnte nicht besser laufen.“ Da ging auf Schloss Burg gerade das erste internationale Arbeitstreffen zu Ende, bei dem Vertreter aus vier Ländern Strukturen geschaffen hatten. Mit Eckpunkten, die helfen sollen, um die Müngstener Brücke – und fünf weitere Großbogenbrücken – doch noch auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco zu platzieren. Solingen hat bei dem Prozess die Federführung übernommen. Portugal, wo die Bewerbungsliste noch nicht ausgereizt ist, soll die Lokomotive bei der Bewerbung werden.

Bei den ersten beiden Treffen, unter anderem 2017 in Müngsten, habe man die anderen Städte und die Eisenbahngesellschaften überzeugen wollen, sich gemeinsam zu bewerben – nachdem die Müngstener Brücke es alleine nicht auf die Liste geschafft hatte. „Dieses Ziel haben wir erreicht“, freute sich Zimmermann, der die Abteilung Strategische Planung im Büro von Oberbürgermeister Tim Kurzbach leitet. Seit letztem Dezember sind es mit dem Viaduc du Viaur sogar sechs Brücken, die alle um das Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Man habe nicht viel Bedenkzeit gebraucht, um sich anzuschließen, erzählten die französischen Teilnehmer. Frankreich ist damit wie Portugal zweimal vertreten, Italien und Deutschland je einmal.

„Der Zug nimmt sehr viel Fahrt auf“, kommentierte Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, der den „hohen Symbolcharakter“ der Brücken als verbindendes Element unterstrich. Man habe bei dem Treffen, das am Donnerstagabend begann, vor allem über die europäische Idee gesprochen. Aus Kollegen und Kolleginnen seien Freunde geworden, sekundierte Tim Kurzbach. Die Müngstener Brücke werde noch größer, „weil wir sie europäisch vernetzen“.

Kurzbach lobte ausdrücklich die Unterstützung durch die Deutsche Bahn. „Wir sind schon sehr lange eingebunden“, bestätigte Dirk Helfert von der DB Netz AG. „Wir geben zwar etwas von unserer Souveränität ab, für uns bedeutet es aber auch eine große Wertschätzung.“ Man stehe in Kontakt mit der portugiesischen und der französischen Bahngesellschaft, die, anders als die Italiener, noch nicht mit im Zug sitzen. Helfert: „Es gibt gute Signale.“

Carsten Zimmermann, Tim Kurzbach, Burkhard Mast-Weisz (v.l.) sowie Welterbe-Experten und Vertreter der beteiligten Städte bei der Projekt-Vorstellung. Foto: Fred Lothar Melchior

Diese erhoffen sich die beteiligten Städte auch von ihren Politikern und Regierungen. Außerdem brauche man Geld von der europäischen Union sowie lokale Sponsoren, betonte Remscheids OB Burkhard Mast-Weisz: „Die beiden großen Fragen sind: Wie lange ? Und wie teuer ?“ Die beiden bergischen Nachbarstädte engagieren sich bisher, so Carsten Zimmermann, mit Etats im „niedrigen fünfstelligen Bereich“. Zum „Wie lange?“ wurde Welterbe-Experte Rolf Höhmann etwas konkreter: Der Antrag, der den außergewöhnlichen Wert der Brücken aufzeigen soll, müsse „bald“ formuliert werden.

Das nächste große Treffen soll im Herbst in Frankreich stattfinden. Eigentlich hatten die Italiener bereits für dieses Frühjahr eingeladen. Die Brücke San Michele zwischen Paderno und Calusco wurde aber am 14. September für dringend nötige Reparaturarbeiten geschlossen – einen Monat nach dem Unglück in Genua. Da ist die Sanierung der Müngstener Brücke bereits viel weiter gediehen. „Seit Dezember hat sie wieder ihre vollständige Zulassung“, erläutert Dirk Helfert, Leiter Produktionsdurchführung bei der DB Netz AG. „Jetzt geht es um den normalen Erhalt.“ Die Korrosionsschutzarbeiten sollen spätestens Anfang 2020 abgeschlossen sein. Helfert: „Und vielleicht wird ja auch noch der eine oder andere Niet ausgetauscht.“

Allerdings nicht gegen die Metallbolzen, die OB Tim Kurzbach als Abschiedsgeschenk an die rund 40 Workshop-Teilnehmer verteilte: Er hatte sie in Erinnerung an den goldenen Niet der Müngstener Brücke (der nie gefunden wurde) von Künstler Sascha Reichert mit Goldbronze überziehen lassen.

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