Schulterklopfen für den Ausrichter

Bogensport : Schulterklopfen für den Ausrichter

Der Solinger SC 95/98 war ein guter Gastgeber der Deutschen Meisterschaft im Bogenschießen, bei der es einige Überraschungen zu verzeichnen gab. Dazu gehörte das Halbfinal-Aus von Weltmeisterin Michelle Kroppen.

Fast volle drei Tage vom frühen Freitagmorgen bis zum Sonntag gegen 14 Uhr stand die Klingenhalle ganz im Zeichen der Deutschen Meisterschaft der Bogenschützen. Den absoluten Höhepunkt der vom Solinger SC 95/98 ausgerichteten Titelkämpfe markierte allerdings der Samstagnachmittag, als sich die Top-Schützen in der olympischen Recurve-Klasse spannende Final-Duelle lieferten. Dabei erwies sich Solingen als gutes Pflaster für Außenseiter, und die Klingenhalle erlebte ein echtes Event.

Beim Schützenbund hat man sich erfolgreich bemüht, die auf den ersten Blick recht trocken erscheinenden Finalduelle bis zum Wettkampf um Gold auch für Zuschauer attraktiv zu machen. Ab den Achtelfinals wurde die Klingenhalle abgedunkelt, nur die Zielscheiben angeleuchtet. Freddy Siebert, ein ziemlich junger Pressesprecher beim Deutschen Schützenbund, stellte dann mit viel Insider- und Fachwissen am Mikrofon die Sportler vor, deren Schüsse über einen Beamer auf eine große Leinwand vor der Tribüne übertragen wurden. Treffer mitten in die bei den "Recurvern" nur 40 Millimeter kleine Zehn wurden denn auch auf den - zumindest bei den Medaillen-Duellen - bis auf den letzten Platz gefüllten Zuschauerrängen mit sonst fürs Bogenschießen eher unüblichem Beifall bedacht - eine tolle Atmosphäre.

Die erste faustdicke Überraschung hatten die Meisterschaften bereits am Freitag bei den Compound-Herren erlebt, wo der Solinger Titelverteidiger Ralf Lafleur Grippe-geschwächt im Achtelfinale die Segel streichen musste. Der 43-jährige Thorsten Knapp (Kamen) setzte sich im Duell um Gold nach 15 Schüssen mit 147:142 Ringen gegen Henrik Hornung durch. "Ein unbeschriebenes Blatt. Das ist seine erste Saison, bei der er auf allen Meisterschaften auftaucht", staunte Compound-Bundestrainer Holger Hertkorn, der schon bei den Frauen eine - wenn auch kleinere - Überraschung miterlebt hatte.

In der olympischen Recurve-Klasse halten die deutschen Spitzenschützen auch international gegen die Profis aus den USA oder Südkorea gut mit. So war die 22-jährige Michelle Kroppen aus Jena vor gut zwei Wochen mit dem deutschen Team Weltmeisterin geworden und nun in der Klingenhalle Favoritin im Einzel. Bis zum Halbfinale ging diese Rechnung auch auf, aber dann unterlag sie der 34-jährigen Krefelderin Maike Räder, die sich anschließend auch Gold holte. "In der Halle liegt halt alles enger beisammen, man schießt auf kürzere Distanz und die Wetter-Einflüsse fallen weg", erläutert der Bundestrainer, warum es in der Halle häufiger Überraschungen gibt.

Immerhin setzte sich bei den Recurve-Männern der große Favorit durch. Florian Kahllund aus Niedersachsen ist zwar auch erst 24 Jahre alt, aber bereits die klare Nummer Eins in Deutschland. Im Finale um Gold zeigte er seine ganze Klasse, als nur zwei Pfeile nicht in der Zehn landeten.

Quasi "Gold" gab es übrigens auch für den SSC 95/98. "Man merkt schon, dass die das schon mal gemacht haben. Alles läuft praktisch perfekt", lobte Bundestrainer Hertkorn den Ausrichter, der solches Schulterklopfen von allen Seiten erhielt. "Das tut schon gut und motiviert - besonders wenn es mal an die Schmerzgrenze geht", sagte SSC-Abteilungsleiter Günter Klever. Das war am Samstagnachmittag der Fall, als die Halle brechend voll war und praktisch alle Helfer deutlich länger blieben, als sie eingeteilt waren. Das positive Fazit ergab sich da fast von selbst. Klever: "Das ist eine einmalige Sache, die unser Wir-Gefühl weiter stärkt."

(RP)
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