Technisches Berufskolleg in Solingen „Werkstattcarré“ am Weyersberg feiert Eröffnung

Solingen · Der Neubau des Technischen Berufskollegs Solingen in der Innenstadt beherbergt unter anderem eine Schweißerei und zusätzliche Unterrichtsräume – auch für die von der Schließung bedrohte Berufsschulklasse der Graveure und Metallbildner.

Der Neubau beherbergt unter anderem eine Schweißerei und zusätzliche Unterrichtsräume.

Der Neubau beherbergt unter anderem eine Schweißerei und zusätzliche Unterrichtsräume.

Foto: Rouven Böttner

An Schauwerten mangelte es nicht auf dem Rundgang, zu dem Schulleiter Michael Becker Gäste von Verwaltung und Handwerk eingeladen hatte: In der Schweißerei etwa kam der Tross an einem Oldtimer auf einer Hebebühne vorbei, den Werkstattlehrer Jens van den Bruck als Arbeitsobjekt mitgebracht hatte. Der Raum gehört zum Herzstück des „Werkstattcarrés am Weyersberg“, dessen Eröffnung das Technische Berufskolleg (TBK) am Freitag feierte. Es verbindet bestehende Teile des Schulkomplexes um einen Innenhof herum mit einem Neubau, der anstelle baufälliger Gebäude an der Weyersberger Straße gerückt ist. Alt und neu gehen dabei teilweise nahtlos ineinander über und sind zur Straße hin durch eine Brücke verknüpft.

2019 hatte die Planung begonnen. „Der Bau war nicht unkompliziert“, berichtete Michael Becker. Und günstig war er naturgemäß auch nicht: 4,6 Millionen Euro kostete das Projekt. Zu 80 Prozent kamen die Mittel von Land und Bund im Rahmen der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), den übrigen Teil übernahm die Stadt. „Heute ist ein guter Tag für die Schullandschaft“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach.

Gearbeitet wurde dabei gewissermaßen an allen Fronten: Im Altbestand etwa wurden Fassaden energetisch saniert und Unterrichts- und Werkstatträume modernisiert. Die Schweißerei im Erdgeschoss bekam eine neue Lüftungsanlage und wurde durch den Neubau vergrößert. Und in letzterem entstanden neben einem Mehrzweckraum vier weitere Unterrichtsräume.

Ebenfalls zum Carré gehört ein Raum zur Berufsberatung. „Wir wollen Theorie und Praxis noch besser miteinander verknüpfen“, erklärte Michael Becker. Die Jugendlichen, die weiterführende Schulabschlüsse zusammen mit praktischen Kompetenzen für ihre Wunschausbildung erwerben wollten, hätten in der Vergangenheit quer über das weitläufige Gelände laufen müssen, weil ihre Räume zu weit verstreut gewesen seien. Im Carré habe man das nun besser gebündelt.

Ein Beispiel dafür bildet der Trakt, der eigentlich der Berufsschulklasse der Graveure und Metallbildner im Rahmen ihrer Ausbildung dienen soll. Werkstatt- und Unterrichtsraum liegen direkt nebeneinander. Dort begegnete den Teilnehmern der Führung Historisches und Neues. Bunte Karnevalsorden, die die Schüler über Jahre hinweg gefertigt hatten, als Schauobjekt auf dem Tisch, und ein großes Schwarz-Weiß-Foto, das das traditionelle Handwerk zeigt, an der Wand bildeten einen Kontrast zum modernen Whiteboard und den LED-Leuchten.

Sehr lange werden angehende Graveure, die zum Teil aus Norddeutschland nach Solingen kommen, hier aber womöglich nicht mehr lernen und arbeiten. Denn die Klasse hat nur wenige Schüler – und ihr Verbleib in Solingen ist, wie Michael Becker zugab, „nicht gesichert.“ Er selbst habe sich dafür eingesetzt, den Zweig durch die Bewerbung als Bundesfachklasse in Solingen zu halten. Wie es weitergehe, werde aber auf Ministeriumsebene geklärt.

 Schulleiter Michael Becker bei der Eröffnungsfeier am Freitag.

Schulleiter Michael Becker bei der Eröffnungsfeier am Freitag.

Foto: Rouven Böttner

Sollte die Klasse auslaufen, wie Stefan Krüth von der Solinger Graveur-Innung in einem Gespräch am Rande der Eröffnung andeutete, müssten künftige Auszubildende eine Fachschule in Pforzheim besuchen.

Im neu gestalteten Innenhof des Carrés endete der Rundweg für die Gäste, die sich dort weitere handwerkliche Schöpfungen des Berufskollegs bewundern konnten – zum Beispiel eine „Upcycling“-Bank aus alten Tischen. „Wir arbeiten sehr produktorientiert“, betonte Michael Becker.

An der Schule richtet man bereits den Blick auf die nächste Einweihung. Denn schließlich realisiert man derzeit noch ein weiteres Großprojekt: die neue Galvanik, die etwa doppelt so viel Geld verschlingen wird wie das Werkstattcarré. Die Eröffnung ist für den 6. September geplant. Und ebenfalls noch in diesem Jahr will die Schule die Sanierung ihres historischen Altbaus aus dem Jahr 1908 an der Blumenstraße in Angriff nehmen.

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