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Schuldneratlas Solingen: Klingenstadt weiter negativer "Spitzenreiter"

Klingenstadt hat viele Schuldner : Solingen weiter negativer „Spitzenreiter“

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat den Schuldneratlas 2021 vorgelegt. Danach leben insbesondere in der Innenstadt viele überschuldete Personen. Die Corona-Pandemie hat die Überschuldungslage aber nicht verschlechtert.

Die Wege in die Überschuldung sind vielfältig. Arbeitslosigkeit ist dabei der häufigste Auslöser für die Überschuldung von Privatpersonen. Aber auch Trennung, Scheidung sowie Tod des Partners, Erkrankung oder Sucht sind Gründe, in die Schuldenfalle zu geraten. Überdies auch ein der eigenen „Kassenlage“ nicht angepasstes Konsumverhalten.

Im vergangenen Jahr kam dann auch noch die Corona-Pandemie hinzu. Viele Unternehmen in der Region meldeten Kurzarbeit an oder trennten sich gar von Mitarbeitern. Trotz staatlicher Hilfsmaßnahmen mussten Geringverdiener, Kleinstunternehmen, Freiberufler oder Soloselbstständige zum Teil hohe Einnahme- beziehungsweise Umsatzausfälle hinnehmen.

Andererseits war der Konsum von Waren wegen geschlossener Geschäfte problematisch. „Viele Verbraucher legten ihr Geld lieber auf die hohe Kante, um für noch schlechtere Zeiten vorzusorgen – oder sie zahlten Schulden zurück und verließen das Überschuldungskarussell“, sagt Ole Kirschner, Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, mit Blick auf den jetzt vorgelegten „Schuldneratlas“ 2021.

 Creditreform-Geschäftsführer Ole Kirschner sieht Solingen weiter als „Negativspitzenreiter“ in der Region.
Creditreform-Geschäftsführer Ole Kirschner sieht Solingen weiter als „Negativspitzenreiter“ in der Region. Foto: Meuter, Peter (pm)
  • Creditreform-Geschäftsführer Ole Kirschner.
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Paradox: Unter dem Strich hat sich der Untersuchung zufolge die Überschuldungslage vieler Verbraucher trotz Corona-Pandemie verbessert, und zwar in allen 401 Kreisen, Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland – wie zuletzt 2008/2009 in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Zahl überschuldeter Verbraucher sei seit Oktober vergangenen Jahres sogar „drastisch gesunken“. „Insgesamt sind wir gut durch die Krise gekommen“, sagt Ole Kirschner. Gleichwohl weiß der Creditreform-Geschäftsführer unter anderem aber auch, dass durch die Restschuldbefreiung (schuldenfrei nach drei Jahren) die Zahlen sanken.

Der Schuldneratlas wird von den Creditreform Tochtergesellschaften Boniversum GmbH und microm GmbH jährlich vorgelegt und listet überschuldete Privatpersonen über das Ampelmotiv auf – von grün über verschiedene Tönungen zu rot – und stellt die Negativquote von gering bis hoch dar.

Viele überschuldete Haushalte wohnen insbesondere in den Innenstädten. Das trifft auf Solingen und auf Remscheid gleichermaßen zu. In der Solinger City ist nahezu jeder fünfte Haushalt überschuldet. Im Postleitzahlbezirk 42651 kommen laut Schuldneratlas der Creditreform auf 1000 Einwohner 198 verschuldete Erwachsene. Das entspricht einer Schuldnerquote von 19,77. Im Jahr zuvor lag die aber noch höher, und zwar bei 20,95. Nur wenig besser ist das Ergebnis in der Remscheider City (42853), wo auf 1000 erwachsene Einwohner 172 schlecht oder nicht zahlende Personen entfallen.

Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen in der Klingenstadt der Postleitzahlbezirk 42699 (Aufderhöhe, Höhscheid, Merscheid, Ohligs) mit 9,73 sowie 42653 (Gräfrath, Teile von Wald und Mitte) mit 10,41 auf. Gegenüber dem Vorjahr ist im Bezirk 42699 eine deutliche Reduzierung zu beobachten. Vor Jahresfrist war hier noch eine Schuldnerquote von 11,03 ermittelt worden.

Gut da steht auch der Bezirk 42659 (Höhscheid, Burg, Teile von Mitte) mit einer Schuldnerquote von 11,70. Für den Postleitzahlbezirke 42655 (Höhscheid, Merscheid, Solingen-Mitte, Wald) wurde eine Quote 16,51 ermittelt. Aber auch hier war gegenüber dem Vorjahr (17,04) ein Rückgang zu verzeichnen.

Die kleine Nachbarstadt Leichlingen ist von zweistelligen Schuldnerquoten weit entfernt. Hier ermittelte Creditreform eine Quote von 6,33 nach 6,74 im vergangenen Jahr. Haan kommt in diesem Jahr auf 7,94 (Vorjahr 8,74). Auch Langenfeld ist bei der Schuldnerquote im einstelligen Bereich. 7,55 stehen hier zu Buche (Vorjahr 7,93). Hückeswagen kommt auf 6,91 (8,42), Radevormwald auf eine Schuldnerquote von 9,27 (10,25). Wermelskirchen verbesserte sich von 8,33 auf 7,43.

„Spitzenreiter“, also die Stadt mit dem höchsten Schuldneranteil (14,42), ist in der Region weiterhin Solingen vor Remscheid mit einer Quote von 12,94. In absoluten Zahlen kommt Solingen auf 11.166 überschuldete Männer und 7493 überschuldete Frauen. In Remscheid sind es 7122 Männer und 4553 Frauen.

Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen aber, dass nach Überwindung einer Krise die Schuldenquoten wieder in die Höhe steigen könnten. „Das war auch nach der Wirtschafts- und Finanzkrise so“, sagt Ole Kirschner. Deshalb geht der Creditreform-Geschäftsführer davon aus, dass nach Überwindung der Corona-Panemie die Verbraucher insgesamt wieder konsumfreudiger werden.

Von „Normalität“, so Ole Kirschner, sei man derzeit angesichts rapide steigender Corona-Inzidenzzahlen und Lieferengpässen vor allem in der Autoindustrie allerdings noch weit entfernt.