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Solingen: Schulden sind kein Grund zum Schämen

Solingen : Schulden sind kein Grund zum Schämen

Die Zahlen sprechen für sich. Nahmen im Jahr 2005 gut 1000 Senioren die Schuldnerberatung der Verbraucherzentralen in Nordrhein-Westfalen in Anspruch, sind es 2010 schon weit über 3600. Auch Britta Masuch von der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung der Verbraucherzentrale am Werwolf bestätigt einen Wandel. "Es kommen die letzten Jahre unglaublich viele junge Menschen und alte Menschen in die Beratung", sagt sie.

Und die Dunkelziffer, gerade bei der älteren Generation, wird sehr hoch geschätzt. Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: "Die Leute schämen sich", weiß Seniorenbeauftragter Peter Reisener. Das sei das Hauptproblem. "Geld ist für die älteren Menschen ein Tabuthema, worüber man nicht spricht", sagt Masuch. Außerdem herrsche ein großes Schuldbewusstsein. "So versuchen sie, sich irgendwie alleine durch zu strampeln und es muss schon etwas Erhebliches passieren, wie eine Kontopfändung, dass sie zu uns in die Beratung kommen."

Kirsten Liske, Schuldnerberaterin der Verbraucherzentrale, kann von einem Fall erzählen. "Eine 70-jährige Dame kam zu mir und hatte panische Angst, weil sie nicht wusste, was passiert", berichtet sie. Vor fünf Jahren hatte sie mit ihrem Mann einen Kredit aufgenommen. Doch dann starb ihr Ehemann und damit fiel auch seine Rente weg. Die Bank buchte weiter die Kreditraten vom Konto der Frau ab, bis der Dispo zusammenbrach. "Glücklicherweise hat sie sich dann hierher getraut", freut sich Liske. Schnell konnte sie der Dame helfen.

Jetzt hat sie genug Geld, um über den Monat zu kommen und die Aussicht, in sechs Jahren schuldenfrei zu sein. "Bei jeder Beratung weinte sie", sagt Liske, "doch danach ging sie mit gestärktem Rücken hinaus." Liske betont: "Wenn man Schulden hat, hat man nicht nur Pflichten. Man hat auch Rechte." Wer seine Rechte kenne, habe es wesentlich leichter. Hierzu berät die Verbraucherzentrale gerne. "Schulden sind kein Grund, sich zu schämen", betont Masuch. "Wir wollen Mut machen, rechtzeitig zu uns zu kommen."

Spartipps und Infos hält die Geschäftsstelle am Werwolf 2 kostenlos bereit, auch abzurufen im Internet unter www.vz-nrw.de/altersarmut. Um das Tabu der Altersarmut zu brechen, findet nun bundesweit die Aktionswoche "Bis gestern ging's noch: Alter — Armut — Schulden!" der Schuldnerberatung statt. Die Verbraucherberatung am Werwolf lädt hier alle Stellen, die mit Senioren zu tun haben, zu einer Infoveranstaltung am Mittwoch, 27. Juni, um 10 Uhr in die Räume der Verbraucherzentrale ein. Es sind noch Plätze frei. Anmeldung unter Telefon 1 70 00.

(sue)