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Schützen aus Solingen-Burg haben Mitglied in Venezuela

Serie Mein Solingen : Schützen haben Mitglied in Venezuela

Seit bald drei Jahrhunderten gehört der Schützenverein Burg fest zum Leben des Stadtteils.

Es gab Zeiten, in denen das bürgerschaftliche Engagement vor Ort noch ein echtes Einstellungskriterium war: „Wenn Du in die Lehre gehen willst, musst Du in den Schützenverein“, habe sein einstiger Lehrmeister zu ihm gesagt, erinnert sich Franz Breckerfeld. Und so trat er 1957 dem Bürger Schützenverein 1734 bei.

Der erwies sich in all den Jahren als eine Konstante im Leben des heute 74-Jährigen: Während sich der gelernte Brezelbäcker beruflich immer wieder neu erfand, unter anderem als Koch, Schleifer und Supermarkt-Filialleiter, blieb er den Schützen stets treu. Seit Jahrzehnten ist er ihr Vorsitzender – eine Tätigkeit, der er viel Zeit widmet. „Meine Ehefrau und ich sind jeden Tag einmal hier und sehen nach dem Entfeuchter“, erzählt Breckerfeld, als er den Schießstand an der Talsperrenstraße betritt.

Die Anlage im Keller der ehemaligen Umkleideräume am alten Sportplatz Oberburg ist derzeit die modernste der Umgebung: 2015 eröffnete der Verein den 10-Meter-Druckluftstand anstelle der in die Jahre gekommenen Kleinkaliberanlage. 30.000 Euro kostete die Errungenschaft inklusive Heizung. Spenden und auch ein Zuschuss der Bezirksvertretung Burg/Höhscheid machten das möglich. Kleinkaliberschützen weichen seitdem in die Räume der Lenneper Schützen aus.

Die Geschichte des Burger Vereins reicht mindestens bis ins Jahr 1732 zurück: Damals ordnete Kurfürst Karl Philipp die Gründung von Schützenvereinen an, um die Bevölkerung im Herzogtum Berg an der Waffe zu ertüchtigen. Am 24. Juni 1734 entstand der Schützenverein – im Gegensatz zur Vielzahl an katholischen Schützenbruderschaften – aus einem Junggesellenverein der evangelischen Kirchengemeinde Burg. Königswürde erlangten viele bekannte Persönlichkeiten, darunter auch König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1851) oder Reichspräsident Paul von Hindenburg (1934). Er hatte dem Verein zuvor auch eine Fahne verliehen. Zu den Schirmherren der Schützenfeste gehörte unter anderem der NRW-Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Johannes Rau.

85 Mitglieder hat der Burger Schützenverein heute. „In den 70er Jahren waren es einmal rund doppelt so viele“, berichtet Breckerfeld. Aktiv sind hingegen nur 15 Mitglieder, darunter allerdings auch mehrere Jugendliche. „Die besten Schützen sind die Frauen“, bekräftigt Breckerfeld. Offiziell als Mitglieder zugelassen sind sie seit 1984. Auch wenn die generelle Bindung an Vereine nachgelassen hat – es gibt sie noch, die Familien, deren Mitglieder über Generationen hinweg zum Verein gehören. Auch ungeachtet großer räumlicher Distanzen. „Meine Söhne sind auch mit drin, obwohl einer in Südfrankreich lebt“, erzählt Breckerfeld. Einen ehemaliger Schießleiter habe es sogar nach Venezuela gezogen. Auch er sei noch immer Mitglied bei den Burger Schützen. Für Breckerfeld ist es ein Gesamtpaket, das ihn am Vereinsleben reizt: Ob Schießwettbewerbe oder das Feiern mit den Bekannten – „mir macht alles Spaß.“