Solingen: Schüler werden Eltern auf Zeit

Solingen: Schüler werden Eltern auf Zeit

Eine Woche lang haben sich Schüler der Walder Comeniusschule wie richtige Eltern gefühlt: Sie hatten ein Computer-Baby von Pro Familie an ihrer Seite – und zwar Tag und Nacht. „Babybedenkzeit“ hieß das Projekt.

Sie sind junge Eltern – junge Eltern auf Zeit. „Das ist ganz schön stressig“, berichten die Zehntklässler der Walder Comeniusschule über ihre Erfahrungen, die ganz anders als erwartet ausgefallen sind. Xenia, Lilia, Valerina, Tatjana, Tommy und Andreas haben eine Woche Verantwortung für eine der drei täuschend echt aussehenden Baby-Puppen übernommen, und zwar rund um die Uhr. Mehr noch: Die Babys mit einem Computerinnenleben meldeten sich plötzlich mitten in der Nacht schreiend. Sie hatten Hunger und mussten gestillt werden; oder sie hatten die Windel voll; vielleicht drückte ihnen aber auch der Bauch, so dass sie durch die Wohnung getragen werden mussten, um ein sprichwörtliches Bäuerchen zu machen?

Keinen Job – früher Kinderwunsch

Nach einer Nacht ohne Schlaf haben die Schüler anschließend tagsüber erlebt, wie schwierig es mitunter ist, mit einem Kinderwagen in den Bus einzusteigen.

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Babybedenkzeit – so hieß das von Pro Familia begleitete Projekt in der Walder Förderschule. Erstmals hat es in diesem Rahmen in Solingen stattgefunden. Jetzt ist es zu Ende gegangen. Die 16- bis 18-jährigen Schüler sind jedenfalls erleichtert, dass sie nun wieder unbeschwerte Tage vor sich haben. Sie können sich mit Freunden treffen und sich ihre Zeit frei einteilen – so, wie das bei Jugendlichen üblich ist. Klassenlehrerin Kläri Miebach und Floris Bottinga von Pro Familia haben das Projekt begleitet. Ziel: Den Schülern soll bewusst werden, was es tatsächlich bedeutet, ein Kind zu haben. Und wie hilfreich es sein kann, dabei einen verlässlichen Partner und die eigene Familie an seiner Seite zu haben. Verhütung ist natürlich ebenso Thema im Unterricht geworden.

Keine Lehrstelle und fehlende Berufsperspektive – früher Kinderwunsch und minderjährige Schwangerschaft: Dies sei das gesellschaftliche Problem, schildern Lehrerin Miebach und Pro-Familia-Berater Bottinga den Zusammenhang. „Viele Mädchen sehen in einem Baby eine Perspektive, ihrem Leben für die Zukunft einen Sinn zu geben.“ Hier will das Babybedenkzeit-Projekt bewusst machen. Nach den Worten von Rektor Robert Jung soll es in Zukunft Bestandteil des Schulprogramms werden.

Lions-Club sowie Oberbürgermeister Franz Haug haben das Ausleihen der computergesteuerten Baby-Puppen finanziell unterstützt.

(RP)
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