Solingen: Schüler-Sternmarsch gegen Rassismus

Solingen: Schüler-Sternmarsch gegen Rassismus

Als der Solinger Brandanschlag vor genau einem Vierteljahrhundert für weltweites Entsetzen sorgte, waren jene Jugendlichen, die sich am Dienstag auf dem Neumarkt trafen, noch lange nicht geboren. Dennoch sind die Morde an fünf Frauen und Mädchen der türkischen Familie Genç auch bei der jungen Generation von heute nach wie vor sehr präsent - wie die mehreren hundert Teilnehmer eines Sternmarsches durch die Innenstadt bewiesen, der gestern Mittag den Auftakt bildete zu den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des 25. Jahrestag des Verbrechens.

Rund 300 junge Menschen aus verschiedenen Solinger Schulen waren dem Aufruf des Jugendstadtrats sowie der Bezirksschülervertretung gefolgt und hatten sich gegen 12 Uhr vom Rathaus beziehungsweise Südpark auf den Weg in Richtung Innenstadt gemacht. Dort hatten die Verantwortlichen zuvor bereits eine große Bühne errichtet, von der aus später verschiedene Redner an das Grauen des Brandanschlages vor 25 Jahren erinnerten und zeitgleich anmahnten, im Kampf gegen jede Form von Ausgrenzung sowie Rassismus nicht nachzulassen.

Eine Botschaft, die offenkundig ankam. So berichtete beispielsweise eine Jugendliche, an ihrer Schule gebe es zwar auch immer mal wieder Konflikte zwischen Schülern unterschiedlicher Herkunft. Und zudem seien gerade die Jugendlichen mit türkischen Wurzeln angesichts der aktuellen Lage im Heimatland ihrer Familien teilweise sehr politisiert. "Trotzdem gelingt es in unserer Schule meistens, ruhig zu diskutieren", sagte die junge Solingerin.

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Am Rande der Schlusskundgebung auf dem Neumarkt kam es derweil zu einem Zwischenfall mit einigen Mitgliedern der MLPD beziehungsweise mit deren Jugendorganisation. Entgegen der im Vorfeld getroffenen Absprache hielten Demonstranten aus dem Kreis der MLPD Banner und Fahnen der Partei sowie des Jugendverbandes in die Höhe. Aus diesem Grund schritt schließlich die Polizei ein und sorgte für ein Entfernen der betreffenden Plakate.

Im Laufe des Polizeieinsatzes wurde ein Mann zwischenzeitlich in Gewahrsam genommen. Allerdings kam der Demonstrant noch während der Kundgebung wieder auf freien Fuß.

(or)
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