Schüler in Solingen als Insekten-Aktivisten

Schulen stellen Ergebnisse ihrer Arbeit vor : Schüler als Insekten-Förderer

Mit der Entwicklung artenreicher Lebensräume befassten sich AGs und Klassen an mehreren Solinger Schulen.

Eines vorweg: Wer hinter der Aktion „Fridays for Bees – Be(e) smart“ einen Vorwand zum Schulschwänzen im Namen der Umwelt wittert, liegt daneben. Denn die Jugendlichen, die am Freitagvormittag auf dem verregneten Neumarkt den Elementen trotzten, traten nicht etwa in einen Streik. Im Gegenteil: Sie hatten sich während des vergangenen Schuljahres teils im Unterricht, teils in der Freizeit im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften mit dem Schutz von Grünflächen und Insektenvielfalt auseinandergesetzt, Handlungsschritte erarbeitet – und präsentierten gestern in Pavillons auf dem großen Platz ihre Resultate.

„In einer Schülerkonferenz vor den Sommerferien entstand die Idee für den gemeinsamen Aktionstag“, erzählte Florian (16) von der Alexander-Coppel-Gesamtschule. Die 17-Jährige Carolin wiederum engagiert sich an der August-Dicke-Schule (ADS) in der AG „Green Team“, die sich jeden Montag dem Thema Umwelterziehung widmet. „Das beginnt mit Dingen wie dem richtigen Lüften und Heizen“, erklärte sie – und ihre gleichaltrige Mitstreiterin Miriam ergänzte: „Wir gehen mit dem Thema auch in die unteren Klassen.“

Gestern wiederum sprachen sie – gemeinsam mit Kollegen und Lehrern der eigenen Schule sowie von Alexander-Coppel-Gesamtschule und Gymnasium Vogelsang – Passanten an und gaben Tipps an die Verbraucher. Im Mittelpunkt stand – wie der Titel der Veranstaltung verriet – die Schaffung von Lebensräumen für die arg gebeutelten Insekten. Ein solcher ist bekanntlich eine Blumenwiese, nicht aber der vermeintlich pflegeleichte Steingarten – wie auch selbst gebastelte Schaubilder der Schüler verdeutlichten. „Die Bepflanzung muss sich ändern“, bekräftigte Lehrer Dr. Philipp Neeff von der ADS. Die will mit gutem Beispiel vorangehen: „Wir haben an der Schule zum Beispiel Baumscheiben, in die man Wildblumen aussähen kann.“

Die Gäste des Aktionstages erfuhren an den Ständen, wie man mit geringem Aufwand sein eigenes Insektenhotel bauen kann, und fanden auch eigene Erzeugnisse der Schüler vor: Zum Beispiel Miniblumenbeete, sogenannte Paper Potts, mit entsprechender Samenmischung.

Den Rahmen für sämtliche Schulaktivitäten bildete das zweijährige Projekt „Zirkel des Lernens – Bildung für nachhaltige Entwicklung im Bergischen Städtedreieck“. Hatten sich daran in Solingen, Wuppertal und Remscheid im Schuljahr 2017/18 jeweils drei Schulen beteiligt, waren es im vergangenen Schuljahr schon sechs pro Kommune. Projektträger ist der Förderverein der Station Natur und Umwelt in Wuppertal.

Mit im Boot sitzt aber unter anderem auch der Strategiebereich Nachhaltige Entwicklung der Stadt Solingen. „Die Menschen müssen erkennen, welche Einflussmöglichkeiten sie haben“, betonte Solingens Nachhaltigkeits-Beauftragte Ariane Bischoff. Dafür setzt sie sich auch auf politischer Ebene ein: Auf Anregung des Agenda-Teams fasste der Stadtentwicklungsausschuss kürzlich einen Entschluss, der die Verwaltung mit einem „Konzept für den Erhalt und die Aufwertung von ökologischen, klimafreundlichen Vorgärten“ beauftragt. Einfluss nehmen – das wollen Claudia, Yasmina (beide 19) und Madeleine (18) auch: „Bei uns Zuhause“, erklären die drei Schülerinnen der Alexander-Coppel-Gesamtschule fast unisono, „werden schon lange Wildblumen und frisches Gemüse gesät.“