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Solingen: Schotter muss raus in sechs Wochen

Solingen : Schotter muss raus in sechs Wochen

220 000 Tonnen Material bewegt die Bahn in den Ferien bei den Bauarbeiten auf der Strecke des Müngsteners.

Sie ist fast doppelt so lang wie die Züge des Streckenbetreibers Abellio, dafür bewegt sie sich aber deutlich langsamer. Gerade mal 80 Meter in der Stunde schafft die Bettungsreinigungsmaschine, die seit diesem Wochenende auf der Strecke zwischen Wuppertal-Oberbarmen und dem Remscheider Hauptbahnhof im Einsatz ist. Ihre Aufgabe: In den kommenden sechs Wochen wird sie 70 000 Tonnen Schotter aus dem Gleisbett holen und auf einen Transportzug verfrachten, der die schwere Ladung dann zur Rundum-Erneuerung nach Stollberg abtransportiert.

Sauber gewaschen und in Form gepresst kommen die Steine dann zurück und werden wieder eingebaut, erklärte Hans-Gerd Rätzel, Leiter der Baustellenüberwachung der Bahn bei einem Ortstermin. Das alles passiert auf dem zweiten Gleis auf dieser Strecke. Für den regulären Bahnverkehr bleibt da kein Platz mehr. Darum fahren jetzt sechs Wochen lang Busse statt Bahnen. Nur noch das S 7-Teilstück zwischen Solingen Hbf und Solingen-Mitte wird jetzt mit Zügen bedient.

220 000 Tonnen Material werden in den Sommerferien bewegt. Denn auch die Gleise und insgesamt zehn Weichen werden auf der acht Kilometer langen Strecke ausgetauscht. 30 Jahre alt und älter ist das Material, sagt Rätzel. Es muss raus. Dass die Bauarbeiten nun mit der Sperrung der Müngstener Brücke zusammenfallen, sei im Vorfeld nicht abzusehen gewesen. Baustellen dieser Größe hätten einen sehr langen Vorlauf mit internationaler Ausschreibung, die könne man nicht so einfach verschieben. Zwar gibt es auch Maschinen, die alle Arbeiten komplett nur auf einem Gleis erledigen. Doch die Strecke im Bergischen eigne sich dafür nicht.

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Aber die Bahn will Gas geben. In vier Wochen soll der Abschnitt zwischen Remscheid-Hauptbahnhof bis Ronsdorf wieder befahrbar sein. Darum hat die Bahn für die ganze Strecke eine Nachtarbeitserlaubnis bekommen. "Wir versuchen, die Anlieger aber möglichst wenig zu belasten", sagt Rätzel. Und verspricht: Nach den Arbeiten ist die Strecke leiser, weil es keine Schläge mehr durch Unebenheiten gibt. Und weil der runderneuerte Schotter luftiger im Bett liegt und so den Schall besser schluckt.

Dass das Material über die Schiene an- und abtransportiert wird, sei auch eine Entlastung der Nachbarn und des Straßenverkehrs im Bergischen Land, sagt Rätzel. Würde man alle dafür nötigen Lastwagen hintereinander stellen, käme ein 51 Kilometer langer Autokorso heraus, hat er ausgerechnet. "Das können wir den Menschen nicht zumuten."

Einfahren dürfen in die Baustelle nur zwei Mal in der Woche Lieferzüge, die die Remscheider Firmen Dirostahl und Mannesmann beliefern. Sie bekommen in dieser Phase einen speziellen Lotsen an Bord, der die Züge sicher durch die Baustelle steuert.

(RP)