Schockierendes Video im Solinger Kindstod-Prozess

Prozess um Kindstod in Solingen : Video zeigt schockierende Details der Misshandlung

Im Prozess um den Mord an einem zweijährigen Mädchen sagte am Dienstag der Vater des Angeklagten aus, bevor ein Video und eine Audiodatei abgespielt wurden: Zu sehen waren einige Minuten aus dem Leben des Mädchens, zu hören der Notruf nach seinem Tod.

Es waren die schlimmsten Augenblicke am mittlerweile sechsten Verhandlungstag im Prozess wegen Mordes an einem zweijährigen Mädchen. Spur 900 – ein Video, in dem das damals noch lebende Kind vom angeklagten Freund der Mutter durch das Wohnzimmer geschickt wird. Immer wieder ruft der 18-Jährige das Mädchen zu sich, um ihm Wörter beizubringen, die es der im Hintergrund sitzenden Mutter sagen soll. „Schlampe“ ist noch eines der harmlosesten auf der Klaviatur der Fäkalsprache. Der Angeklagte lacht, die Mutter des Kindes ist mit etwas anderem beschäftigt. Dazwischen die knapp Dreijährige, die hin und her läuft und alles richtig machen will - mit einem großen Hämatom an der Stirn. Aufgenommen wurde das Video nur wenige Tage vor dem Tod des Mädchens, dass damals schon nicht mehr in den Kindergarten ging, weil dort die Verletzungen aufgefallen wären.

Man hält es ohnehin kaum aus an diesem Verhandlungstag im Gerichtssaal. Zuvor war schon der Notruf abgespielt worden. Den hatte die Mutter alarmiert, nachdem sie am 10. Januar zuhause ihr lebloses Kind gefunden hatte. Ihre Tochter liege auf dem Rücken und atme nicht mehr: Das waren die ersten Worte der wegen Verletzung der Fürsorgepflicht angeklagten Mutter. Am Tag davor habe sich die Zweijährige verbrannt, sie habe sich nichts dabei gedacht. Ein Rechtsmediziner wird dazu später sagen, das Kind habe mehrere Minuten unter der heißen Dusche gestanden. Zum Tatzeitpunkt soll das kleine Mädchen mit dem Lebensgefährten allein zu Hause gewesen sein.

Beim Notruf am anderen Ende der Leitung war der Rettungssanitäter, der genaue Anweisungen zur Wiederbelebung gab. Man hörte die Mutter bei dem Versuch, ihr Kind zu beatmen. Minutenlang und wissend, dass das Mädchen da schon längere Zeit tot war. Betroffenheit im Saal, die Mutter weinte: Es waren endlose Augenblicke, von denen jeder hofft, dass sie schnell vorbeigehen mögen.

Zuvor war noch der Vater des Angeklagten gehört worden. Ein befremdlicher Auftritt, bei dem man nicht viel mehr erfuhr, als dass ihm sein Sohn vom Jugendamt weggenommen und dort schlecht behandelt worden sei. Eigentlich wisse er gar nicht, warum er hier sitze. Er habe nie die Möglichkeit gehabt, seinem Jungen ein Vater zu sein.

Der „Junge“ sitzt derweilen auf der Anklagebank und weint – das einzige Mal an diesem Verhandlungstag.

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