Solingen: Schmieden unter einem neuen Dach

Solingen: Schmieden unter einem neuen Dach

Die Schmiedekurse des Klingenmuseums finden ab dem kommenden Frühjahr in einem neuen Gebäude statt. Am Dienstag feierten die Bauherren das Richtfest. Die Schmiede soll unabhängig vom Museum betrieben werden.

Noch sind die roten Backsteine blank, die Schindeln auf dem Dach fehlen und die Erde vor dem Häuschen ist matschig. Doch im kommenden Jahr sollen hier die ersten Messer entstehen: in der neuen Schmiede am Klingenmuseum. An dem Rohbau feierten am Dienstag die Verantwortlichen des Museums, die Bauherren, Handwerker, Freunde und Nachbarn das Richtfest.

Vor etwa zwei Jahren sei die Idee für die Schmiede entstanden. Damals zeichnete Heinz-Peter Albert, Hausmeister des Klingenmuseums und gelernter Schreinermeister, einen ersten Entwurf für einen kleinen Unterstand. Museumsleiterin Isabell Immel stellte die Idee dem Verein "Freunde des Deutschen Klingenmuseums" vor. "Im ersten Moment dachte ich: Das ist eine Nummer zu groß für uns", sagt der Vorsitzende Franz Haug heute.

Dem früheren Oberbürgermeister gefiel die Idee einer eigenen Schmiede. Ihm war aber auch klar, dass die Finanzierung nur über Sponsoren gelingen würde. "Doch normalerweise bezahlen Sponsoren den Kauf von besonderen Schwertern und Messern als Ausstellungsstücke - und nicht den Bau von Häusern."

Franz Haug konnte den Architekten Meinrad Ladleif gewinnen. Er entwarf das heutige Aussehen des Schmiedehauses, dessen Bau mehr als 100.000 Euro kostet. Ein weiterer Bekannter des früheren Politikers löste dann auch das finanzielle Problem. Klaus Krebs, der ehemalige Geschäftsführer des Unternehmens Stahl Krebs, zahlt die volle Summe für den Bau der Schmiede. Beim Richtfest richtete Haug darum einen besonderen Dank an seinen guten Freund.

Im September hatten die Arbeiten mit der Baugenehmigung begonnen. Drei Monate später steht nun der Rohbau. Im kommenden Frühjahr, spätestens vor den Sommerferien, soll die Solinger Baufirma Carl Lorenz die Schmiede fertigstellen.

"Wir sind sehr glücklich, dass die museumspädagogische Arbeit bald einen eigenen Platz hat", sagt Isabell Immel, Leiterin des Klingenmuseums. Und damit sei nicht nur die Arbeit mit Kindern gemeint. An drei Schmiedestellen, einer Werkbank und mit professionellem Werkzeug sollen auch Erwachsene lernen, wie man ein Messer schmiedet. "Unser pädagogischer Schwerpunkt liegt im Erleben", sagt die Museumsleiterin. "Wer einmal ein Messer im Schweiße seines Angesichts geschmiedet hat, geht auch mit ganz anderen Augen durch unsere Ausstellung."

Die Schmiede soll unabhängig vom Museum betrieben werden. "So können wir jetzt die Sachen machen, die vorher nicht möglich waren", sagt Sixt Wetzler, stellvertretender Museumsleiter. Bisher mussten die Schmiedekurse draußen im Hof stattfinden. Das geht bald unter einem eigenen Dach. Auch eine positive Veränderung für die Nachbarn - denn für die wird es leiser, wenn Kinder und Erwachsene auf das Metall schlagen. "Ich wusste, es wird eine perfekte Baustelle. Und ich wusste, es wird ein perfektes Haus", sagt Bauherr Franz Haug beim Richtfest berührt. Darauf trinkt der Zimmermann ein Glas Schnaps für den Bauherrn, eins für die Handwerker und eins für das Schmiedehaus. Und beim zweiten Versuch zerspringt das Glas auch an der neuen Mauer.

(veke)