Solingen: Schloss bleibt Schloss

Solingen : Schloss bleibt Schloss

Die Kammer für Handelssachen hat gestern vor dem Wuppertaler Landgericht deutlich gemacht, dass sich Schloss Grünewald auch weiter Schloss nennen kann. Dagegen geklagt hatte ein Münchener Verein.

Birger Zimmermann, Hausherr im Gräfrather Schloss Grünewald, hatte sich auf einen "Riesenkampf" vor dem Wuppertaler Landgericht eingestellt, wo nach einer Klage des Münchener Vereins zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs gestern darüber verhandelt wurde, ob er sein Anwesen weiter Schloss nennen dürfe (wir berichteten) – und konnte kaum glauben, dass die Sache in einer knappen halben Stunde vom Richtertisch gefegt wurde.

Urteil am 19. Juli

Der Antrag des Klägers habe keine Aussicht auf Erfolg, machte die Vorsitzende Richterin der Kammer für Handelssachen deutlich. Das Urteil wird, dem gerichtlichen Procedere folgend, zwar erst beim Verkündungstermin am 19. Juli bekannt gegeben, die Position der Kammer jedoch ist schon jetzt mehr als klar: "Wir sind nicht der Auffassung, dass potenzielle Kunden durch die Bezeichnung Schloss in die Irre geführt werden", hieß es.

Schloss Grünewald sei im Umkreis durch die dortigen Veranstaltungen ein "feststehender und allgemeiner Begriff. Auch im Internet und in Reiseführern ist von Schloss Grünewald die Rede." Und sogar die Stadt verweise auf ihrer Internetseite auf die Möglichkeit, auf Schloss Grünewald zu heiraten. Der Großteil der Kunden komme außerdem aus Nordrhein-Westfalen, so dass grundsätzlich keine Konkurrenz zu den durch den klagenden Verein vertretenen Unternehmen, die vorwiegend in Bayern sitzen, zu befürchten sei.

"Für die Kunden ist auch nicht entscheidend, ob das Gebäude von einem Adeligen erbaut wurde", erklärte die Richterin zudem in Richtung des Klägers. Der ist der Auffassung, dass ein Schloss nur ein Schloss ist, wenn es einem Herrscher gedient hat und seit seiner Bebauung als Schloss bezeichnet wurde. Dass man sich unter einem Schloss, gerade "wenn man aus Bayern kommt, etwas anderes vorstellt", sei möglich – aber maßgeblich sei hier die regionale Sichtweise. "Das ist das gleiche, wenn man in Köln einen Halven Hahn bestellt und sich beschwert, weil man, statt einem halben Hähnchen, ein Roggenbrötchen mit Käse bekommt."

Für ihn und Schloss Grünewald, triumphierte dann auch Hausherr Zimmermann, sei das ein schöner Tag gewesen: "Ich freue mich über die patriotische Auffassung des Gerichts." Zugleich ist der Unternehmer verwundert über das Ansinnen des Vereins, ihm sein "bajuwarisches Verständnis" aufzudrücken. "Es geht hier um eine ganz andere Auffassung von Schlosskultur."

Indes gibt es bei der Stadt Überlegungen, die wohl bald gerichtlich anerkannte Bezeichnung auch in den Namen der zum Schloss führenden Straße aufzunehmen: "Es gab Gespräche, die Straße von ,Haus Grünewald' in ,Schloss Grünewald' umzubenennen", erklärt Stadtsprecherin Sabine Rische. Entschieden sei in den politischen Gremien jedoch noch nichts.

(RP)
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