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Schlechte Noten für die Sportstadt Solingen

Sportstadt Solingen : Was hat Aue, was Solingen nicht hat ?

ANSICHTSSACHE Die Sportstadt Solingen hängt am Tropf – wenigstens, wenn es um beliebten Profisport geht. Was fehlt, sind nicht die Sportler, sondern Infrastruktur und Hilfe der Wirtschaft. Wie lange der BHC noch bleibt, ist offen. In der Partnerstadt Aue läuft’s besser.

Es ist ein etwas unfairer Ost-West-Vergleich. Aber trotzdem: Heute reisen die Fußballer aus Solingens Partnerstadt Aue zu einem besonderen Spiel: In der sächsischen Hauptstadt Dresden steht das Zweitliga-Derby Dynamo gegen Erzgebirge an. Und man kann sicher sein, dass Tausende aus Aue mit auf die 110 Kilometer lange Reise gehen. Ortswechsel: Tief im Westen, in Vohwinkel steigt am Sonntag ebenfalls ein Nachbarschaftsduell. Zu Gast wird Fußball-Landesligist VfB Solingen sein. Doch obwohl der Weg nach Vohwinkel kurz ist, dürfte sich der Fan-Andrang aus der Klingenstadt in Grenzen halten.

Wie gesagt, der Vergleich hinkt, da durch ihn die guten Leistungen des VfB in ein schiefes Licht rücken. Gleichzeitig aber illustriert die Gegenüberstellung das ganze Elend der Sportstadt Solingen. Während die Klingenstadt im Fußball und auch in anderen Sportarten wie Eishockey seit Jahrzehnten tiefste Provinz ist, kann das zehnmal kleinere Aue (16.000 Einwohner) durch einen Fußball-Zweitligisten und mit dem EHV durch einen Handball-Zweitligisten glänzen.

Doch damit nicht genug: Solingen läuft Gefahr, sein verbliebenes Aushängeschild in einer populären Sportart, Handball-Erstligist Bergischer HC, auch noch teilweise zu verlieren. Wenn der Fusionsverein nämlich nicht in der Klingenstadt, sondern zum Beispiel in Wuppertal seine neue Halle bauen wird, dürften die Bande des BHC zu Solingen über kurz oder lang ebenfalls brüchiger werden.

Nun ist es dem BHC unbenommen, sich für Wuppertal zu entscheiden. Und der Stadt Solingen sind überdies keine Vorwürfe zu machen. Bei dem gescheiterten Versuch, eine Arena Bergisch Land am Piepersberg zu schaffen, kam aus dem Rathaus jede erdenkliche Unterstützung. Der Rest war auch die Sache des BHC und eines Grundstückeigentümers, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht über den Preis zu einigen vermochten. Allerdings wird in diesen Wochen einmal mehr deutlich, dass Profisport in Solingen einen schweren Stand hat. Denn von der Infrastruktur her ist die Stadt längst ins Amateurlager abgestiegen. Die Klingenhalle ist jedenfalls nur mit Mühe als dauerhafte BHC-Heimat vorstellbar.

Und im Fußball steht es noch schlimmer. Sollten der VfB oder ein anderes Team irgendwann höherklassig spielen, wäre das in Solingen nicht drin. Dabei dreht es sich gar nicht um das alte Union-Stadion, das seit dieser Woche weg ist. Es geht ums Grundsätzliche: Fehler der Fußball-Vereine, fehlende Hilfe der Wirtschaft und finanzielle Misere der Stadt gehen seit Jahrzehnten Hand in Hand. Mit der Folge, dass in Solingen ein Stadion abgerissen wird, derweil in Aue eine neue Arena gebaut wurde.

Für die Klingenstadt bleibt der Imageverlust. Klaus-Dieter Dieckmann, Ex-Profi der Union, berichtete jetzt, bis heute auf Club und Stadion angesprochen zu werden. Ihm bleibt dann stets nur, eine traurige Geschichte zu erzählen. Hoffentlich bleibt  den heutigen BHC-Spielern dieses Schicksal später erspart.