Schlag gegen italienische Mafia in Solingen

Organisierte Kriminaltät : Polizei nimmt Mafia-Verdächtigen fest

In der Nacht zu Mittwoch haben Fahnder des LKA im Rahmen einer groß angelegten Razzia auch in Ohligs einen Mann gefasst. Der Solinger wird verdächtigt, im großen Stil Drogen eingeführt zu haben. Die Ermittlungen liefen seit 2015.

Am Ende ging alles ganz schnell. Die Beamten des Landeskriminalamtes (LKA) hatten sich mitten in der Nacht in Düsseldorf auf den Weg gemacht. Vor ihnen lagen rund 25 Kilometer bis nach Solingen. Doch das bedeutete angesichts der  zu diesem frühen Zeitpunkt noch leeren Straßen anscheinend keinerlei Problem. Denn schon kurz nach dem Start in der Landeshauptstadt standen die LKA-Fahnder vor dem Zielobjekt in der Klingenstadt, das zwischen vier und fünf Uhr in der Dunkelheit erst schemenhaft zu erkennen war – und die lange geplante Razzia konnte anlaufen.

Bei einer großangelegten Aktion gegen die italienische Mafia-Organisation „’Ndrangheta“ haben die Sicherheitsbehörden am Mittwochmorgen auch in Solingen zugeschlagen. In der Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Ohligs wurde ein 55-jähriger Mann festgenommen, der unter dem dringenden Tatverdacht steht, in den vergangenen Jahren große Mengen von Rauschgift nach Deutschland eingeführt zu haben.

Dabei erfolgte der Zugriff der Spezialisten beim Landeskriminalamt offenbar derart überraschend, dass dem mutmaßlichen Drogenhändler in der Kürze der Zeit keine andere Möglichkeit mehr blieb, als sich in sein Schicksal zu fügen. „Der Mann wurde, ohne dass er Widerstand leistete, festgenommen“, sagte später ein Sprecher des Landeskriminalamtes auf Anfrage unserer Redaktion.

Erstmals aufgefallen war der 55-jährige Solinger, der bei der Polizei wegen anderer Drogendelikte einschlägig bekannt ist, vor einigen Jahren. Damals, im Dezember 2015, hatten niederländische Behörden in Rotterdam nämlich rund 80 Kilogramm Kokain mit einem ungefähren Marktwert von 2,5 Millionen Euro beschlagnahmt. Wobei sich danach ziemlich schnell herausstellte, dass der besagte Container ursprünglich für eine Im- und Exportfirma bestimmt gewesen war, die eben jener jetzt festgenommene Solinger seinerzeit in Düsseldorf betrieb.

Was danach folgte, waren zunächst einmal langwierige polizeiliche Untersuchungen, für die auf deutscher Seite das nordrhein-westfälische LKA, das Bundeskriminalamt sowie die Staatsanwaltschaft Duisburg verantwortlich zeichneten. Und an denen sich zudem auch niederländische beziehungsweise italienische Behörden beteiligten, die ebenfalls schon frühzeitig in das Verfahren eingebunden gewesen waren.

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Am Ende jedenfalls erschienen die Beweise unter anderem gegen den 55-jährigen Solinger so dermaßen erdrückend, dass sich die Fahnder dazu entschlossen, die Verdächtigen aus dem Verkehr zu ziehen. Außer in der Klingenstadt fanden am Mittwoch zeitgleich Durchsuchungen auch in anderen deutschen Städten sowie darüber hinaus im Ausland statt.

Momentan gehen die Ermittler davon aus, dass der im Zuge der Razzia in Ohligs gefasste Mann durchaus den Köpfen der Bande zuzurechnen ist. „Der Festgenommene gilt als einer der Hauptverdächtigen“, hieß es beim LKA, dessen Beamte in den kommenden Wochen alle Hände voll zu tun haben werden, die beschlagnahmten Gegenstände auszuwerten. In der Wohnung des 55-Jährigen wurden beispielsweise Geschäftsunterlagen sowie weitere Beweismittel konfisziert.

Gleichwohl steht bereits jetzt fest, dass es sich bei der aktuellen Polizeiaktion keineswegs um den ersten Fall handelt, bei dem Solingen und speziell Ohligs eine gewisse Rolle spielen. Denn schon vor geraumer Zeit, im Frühjahr 2013, hatte eine gleichermaßen groß angelegte Polizeiaktion bundesweit ebenfalls für recht erhebliche Schlagzeilen gesorgt.

Der Verdacht der Ermittler hatte sich damals unter anderem gegen einen Geschäftsmann gerichtet, dem vorgeworfen wurde, seit den 90er Jahren über Scheinfirmen Geld aus Drogengeschäften „gewaschen“ zu haben. Indes verliefen sich die Solinger Spuren seinerzeit dann wieder im Sand. Zwar durchsuchten 2013 insgesamt 400 Beamte in ganz NRW dutzende Wohnungen und Geschäftsräume. Aber dem zunächst Verdächtigen aus der Klingenstadt ließ sich vonseiten der beteiligten Behörden nichts nachweisen.

Wie die Polizei später mitteilte, waren in Solingen lediglich Akten beschlagnahmt worden. Der besagte Mann selbst blieb hingegen unbehelligt. Er sei ausschließlich als Zeuge vernommen worden, hieß es nach der Razzia bei den Fahndern der damals zuständigen Kölner Polizei. Ohnehin gilt die Klingenstadt bei den mit Organisierter Kriminalität befassten Fahndern nicht als Mafia-Hochburg.

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