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Solingen: Schiefer Turm geradegerückt

Solingen : Schiefer Turm geradegerückt

Um einen Meter hatte sich die Spitze des Turmes der Merscheider Kirche zur Seite geneigt. "Jetzt steht der Helm wieder 1 A", freut sich die Gemeinde über das Ergebnis eines wichtigen Arbeitsschrittes bei der Sanierung.

Es war ein spannendes Manöver. "Die Nacht zuvor habe ich nicht geschlafen", erzählt Architekt Andreas Wiedmann. Pfarrer Hildebrand Proell und Klaus Diederich, Vorsitzender des Bauausschusses der Merscheider Kirchengemeinde, sprechen ebenfalls von einem außergewöhnlichen Arbeitsschritt, bei dem das Wahrzeichen des Stadtteils wieder ins Lot gebracht wurde: Der, wenn man so will, schiefe Turm von Merscheid wurde im Rahmen der Sanierung wieder geradegerückt.

Konkret hat es sich um den 17 Meter hohen Helm des Kirchturms mit seiner Holzkonstruktion gehandelt, der sich an der Spitze einen Meter zur Seite geneigt hatte. Auslöser waren die Gratbalken, die an den äußeren Auflagen weggefault waren. In diesem Bereich befinden sich außen die Wasserspeier aus Sandstein. Schon seit Jahren war Regen nicht mehr richtig abgelaufen. Wasser drang ein, durchfeuchtete die Balken, das darauf lastende Gebälk mit der Kirchturmspitze neigte sich um den besagten Meter zur Seite.

"Jetzt steht der Helm wieder 1 A", haben Pfarrer Proell, Bauausschuss-Vorsitzender Diederich, Architekt Wiedmann sowie Zimmermeister Hans Möhn gestern ein Fazit der erfolgreich verlaufenden Arbeiten gezogen. Bereits Anfang des Monats ist dies erfolgt. Millimeter um Millimeter wurde der Helm dabei an einer Seite mit drei Hydraulikpressen angehoben. Bis zu 14 Zentimeter waren es am Ende.

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Die schadhaften Balken sind bereits erneuert. Per Hochkran soll Anfang der Woche zusätzlich noch der lange Kaiserstiehlbalken, der die eigentliche Spitze bildet, ausgetauscht werden.

Pfarrer Proell erlebt während der Sanierung eine hohe emotionale Verbundenheit der Merscheider mit ihrer 110 Jahre alten Kirche. 32 000 Euro an Spendengeldern sind mittlerweile zusammengekommen. Die Anteilnahme der Bürger ist groß. 2200 Mitglieder hat die evangelische Gemeinde in Merscheid. "Wir sind auf weitere Spenden angewiesen", betont Diederich. Denn die kalkulierten Sanierungskosten von ursprünglich 200 000 Euro haben sich inzwischen auf 540 000 Euro gesteigert. "Wir hoffen, dass dies jetzt endlich das Ende der Fahnenstange ist", sagt der Vorsitzende des Bauausschusses der Gemeinde.

Im Zuge der Arbeiten ist ein immer größerer Sanierungsbedarf deutlich geworden. Um die Finanzierung zu stemmen, bemüht sich die Merscheider Gemeinde um ein zinsloses Darlehen des Solinger Kirchenkreises. Ein Zuschuss von 53 000 Euro erhält die Gemeinde zudem aus dem Denkmalschutzprogramm des Landes. Auch im nächsten Jahr wollen die Merscheider eine Förderung beantragen.

Übrigens: Nicht nur die evangelische Kirche selbst mit ihrem insgesamt 42 Meter hohen Turm ist ein Wahrzeichen des Stadtteils, auch der Glockenschlag, nach dem Merscheider ihre Uhren stellen. Doch der ist derzeit verstummt. Architekt Wiedmann ist sich allerdings sicher, dass die Kirchturms-Glocken Ostern wieder läuten werden. Dies wäre dann das Signal, dass die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind.

(RP/rl)