Solingen : Schicksalswege

Fünf Solinger berichten, wie sie das Jahr 2007 empfunden haben. Für die einen war es ein schönes, für die anderen ein trauriges und für wieder andere zumindest ein interessantes Jahr.

Für Wolfgang Handt und seine 63 Globus-Kollegen war es ein Schicksalsjahr 2007. "Wir haben alle unseren Arbeitsplatz verloren." Im Februar hat die Geschäftsleitung des zur Rewe-Gruppe gehörenden SB-Warenhauses in Wald die Mitarbeiter mit der Schließung zum Juli konfrontiert. Seit dem Eröffnungsjahr 1982 arbeitete der Vize-Filialleiter hier.

47 Jahre ist er jetzt und hat wie die allermeisten der einstigen Belegschaft zahlreiche Bewerbungen geschrieben. Doch der ersehnte neue Job blieb aus. Nur drei der 64 Mitarbeiter wurden übernommen, zwei weitere haben eine neue Stelle bekommen. Ein Glück, darunter ist auch seine Frau, die elf Jahre bei Globus gearbeitet hatte. Handts haben zwei Kinder. Es sei schlimm, sagt er, an dem bis heute leer stehenden Warenhaus mit der geschlossen Parkhauszufahrt vorbeizukommen. "Man macht sich so seine Gedanken. Das ist traurig."

Fährmann, hol' über — diese Bitte von Besuchern im Müngstener Brückenpark hat Arno Haarer immer wieder gehört. "Es ist gut gelaufen. Wir sind sehr zufrieden", sagt er über den Zuspruch zur Schwebefähre. "Wir werden zum Jahresende 2007 bei insgesamt zirka 150 000 Fahrgästen landen." Das ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Dabei liegen erst 15 Monate Betriebszeit hinter der weltweit einzigen Draisinen-Seilbahn. Bei den Planungen der außergewöhnlichen Verbindung zwischen Solingen und Remscheid unter Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke ist man anfangs nur von gut 30 000 Fahrgästen ausgegangen. "Die haben wir nach drei Monaten bereits erreicht", berichtet Haarer und blickt aufs prall gefüllte Gästebuch mit Einträgen aus aller Welt. "Jeder sagt uns, dass er wiederkommen will, weil es so viel Spaß gemacht hat."

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Viel organisatorische und auch handwerkliche Arbeit hatte die Solingerin Ulle Huth 2007 zu leisten — und diese einmal nicht als Künstlerin. Hatte Huth doch als Vorsitzende des Vereins der Solinger Künstler den Umzug der Galerie SK und der Artothek zu bewältigen. "Der Umzug aus dem Museum Baden in die neuen Räume in den Güterhallen war natürlich das große Ereignis des Jahres", blickt Huth zufrieden zurück. 2008 wird die Solingerin dann wieder als Künstlerin aktiver sein: "2007 bin ich auf Grund des Umzugs zu wenig gekommen, für das kommende Jahr gibt es aber wieder große Pläne."

Mathias Bund hingegen blickt düster zurück. "Es war das schlimmste Jahr meines Lebens", sagt 43-Jährige, der seit neun Jahren als Schwimmmeister im Schellbergtal gearbeitet hat. Tausende unentgeltliche Arbeitsstunden habe er in die Einrichtung gesteckt und so die Umkleidekabinen renoviert, Betonplatten abgerissen und Leitungen neu gelegt. Umsonst. "Jetzt ist es das modernste Bad Solingens und könnte locker zehn Jahre ohne Probleme halten, und nun wird es geschlossen", ärgert sich der Vater von zwei kleinen Kindern. Er selbst werde wohl arbeitslos werden. Und das, wo seine Frau jetzt schwer erkrankt sei.

Von der Stadt ist Mathias Bund enttäuscht. "Tausende Kinder werden jetzt hier im Sommer auf der Straße herumhängen", ist er überzeugt. Dass ein neues modernes Spaßbad gebaut werden soll, findet er vom Prinzip her nicht schlecht. "Das ist bestimmt toll für die Kinder und Jugendlichen", sagt Bund. "Aber Solingen hat viele kinderreiche Familien. Die werden sich den Eintritt dort nicht leisten können." Denn anders als im Schellbergtal, wo der Verein Solingen-Süd auf erschwingliche Preise geachtet habe, müsse das neue Kombibad ja eher auf Profit achten. "Man hätte das Schellbergtal zumindest so lange auflassen sollen, bis das neue Bad gebaut ist."

Für Jörg Dresen war 2007 ein ganz besonderes Jahr. "Ich war in vier Funktionen für Union Solingen tätig. Ich war Zeugwart, Trainer und Spieler in der Fußball-Oberliga, und bin jetzt, nach dem Abstieg, Team-Manager der Verbandsliga-Mannschaft." 2007 sei für ihn also sehr turbulent gewesen — "gleichzeitig aber auch ein schönes Jahr".

(RP)