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Scherenhersteller hilft Solinger Friseurbetrieben

„United Salon Technologies“ bot kostenlosen Wartungsservice an : Scherenhersteller hilft Solinger Friseurbetrieben

Auch wenn Friseure ab Montag wieder ihrem Handwerk nachgehen und dabei unter anderem die Folgen improvisierter Haarschnitte der letzten Wochen ausbügeln können – von Normalität ist man im Gewerbe noch weit weg.

So werden die Bedingungen in den sonst so aufs Wohlfühlen ausgerichteten Salons wohl eher an einen Operationssaal erinnern: Schließlich sehen die Hygieneregeln die Arbeit mit Einmal-Handschuhen, Mundschutz und Desinfektionsmitteln vor. Die Kunden müssen sich zunächst die Hände reinigen und dürfen nicht bewirtet werden. Dafür wäscht das Personal jedem obligatorisch die Haare.

Doch auch die wirtschaftlichen Folgen der letzten Wochen werden die Salonbesitzer noch lange beschäftigen: Schließlich lassen sich die Umsatzverluste bei gleichzeitig laufenden Kosten wohl in keiner Branche ohne weiteres aufholen. Vieles werde sich erst Ende des Jahres zeigen, erklärt Innungs-Obermeisterin Pia Schneider. Sorge bereite manchen Betrieben im Moment zum Beispiel, dass die bewilligte Soforthilfe des Landes noch nicht geflossen sei.

Vielfältige Unterstützung gab es für die Friseurbetriebe der Umgebung im April von einem Bündnis aus Interessenvertretung und Wirtschaft: Der Solinger Scherenhersteller „United Salon Technologies“ (UST), der Anbieter für Friseurbedarf die Traditions-Marken „Tondeo“ und „Jaguar“ unter seinem Dach vereint, bietet in Kooperation mit der Friseurinnung Wuppertal/Solingen offiziell noch bis Ende der Woche einen kostenlosen Schleif- und Wartungsservice an. Normalerweise seien solche Arbeiten an den stark beanspruchten Werkzeugen mit zusätzlichen Kosten von durchschnittlich 35 Euro verbunden, heißt es dazu vom Unternehmen. Genaue Zahlen, wie viele der 300 Innungs-Betriebe das Angebot genutzt haben, gibt es zwar noch nicht. „Aber es wird angenommen“, betont UST-Geschäftsführer Christian Nowak, und fügt hinzu: „Einige Kunden haben ihre Jaguar- und Tondeo-Scheren sogar persönlich zu uns gebracht.“ Innerhalb von 14 Tagen bekommen die Kunden ihre Werkzeuge zurück.

Auch den Beratungsbedarf vieler Betriebe wollen die Unterstützer abdecken: Auf seinem Facebook- und Instagram-Profil geben UST-Mitarbeiter und diverse Top-Akteure, wie beispielsweise der Aachener Barbier Pascal Jahn seit Wochen Tipps. Darin geht es sowohl um die Pflege von Scheren als auch um Möglichkeiten, via Internet Kunden zu binden. Woran man als erstes denken muss – vom Gespräch mit dem Steuerberater bis zum Antrag auf Soforthilfe, hätten die Berater des unternehmenseigenen Kundenservices den Anrufern ebenso erklärt – und die Fragesteller auch an entsprechende Stellen weiterverwiesen, berichtet Nowak. „Es ist uns wichtig, dabei zu helfen, dass die Branche unbeschadet durch die Krise kommt“, bekräftigt der UST-Geschäftsführer.

Hinsichtlich der Lage im eigenen Haus nimmt er kein Blatt vor den Mund: „Seit Beginn der Krise haben wir, wie andere auch, einen Umsatzrückgang erlebt.“ Die Corona-Pandemie mache sich bei dem Hersteller von Friseurscheren nach einem erfolgreichen Start ins Jahr kalt erwischt. Wie viele andere Unternehmen hat auch UST inzwischen Kurzarbeit eingeführt. „Das Geschäftsjahr kann man nicht mehr vollständig aufholen“, stellt Nowak trotz der Lockerung für Friseurbetriebe und die Hoffnung auf eine langsame Rückkehr der Nachfrage klar – betont aber auch: „Wir sind froh, die Friseurbetriebe in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen und auch unsere Mitarbeiter möglichst unbeschadet durch diese Krise zu führen.“