Sauberes Trinkwasser in Malawi mit Solinger Hilfe

Verein arbeitet in Malawi : Sauberes Wasser mit Solinger Hilfe

Der Solinger Fotograf reiste mit einem Team des Hilfsvereins Kumanga nach Südostafrika.

Das tut doch gut: morgens ein kühles Glas aus dem Wasserhahn. Dann geht es unter die erfrischende Dusche. Und während man mit dem Zahnputzglas nebst Bürste dem Belag zu Leibe rückt, pfeift in der Küche schon verheißungsvoll der Kessel mit Kaffeewasser. Da beginnt der Tag doch hervorragend. Nur eines beachtet man kaum noch: das Wasser. Es ist so selbstverständlich und stets verfügbar, dass wir dieses Gut kaum noch zu schätzen wissen. Dabei ist es lebenswichtig, ja überlebenswichtig.

Davon können die Menschen aus Malawi, einem der ärmsten Staaten Afrikas, berichten. Aus einem schmutzigen Loch, Brunnen genannt, versorgen sich ganze Dörfer. Krankheiten sind alltägliche Folgen. Davon kann auch Lars Langemeier berichten. Im Februar begleitete der Solinger Fotograf den Hilfsverein Kumanga. „Seit der Gründung des gemeinnützigen Vereins konnten elf Trinkwasserprojekte in Malawi und Tansania realisiert werden“, berichtet er. „Über 7500 Menschen haben damit Zugang zu sauberem und sicherem Trinkwasser.“

Malawi ist eines der ärmsten Länder in Afrika. Selbst Fahrräder sind Luxus. Foto: Langemeier

Vor Ort fotografierte er alte und neue Brunnen – und immer wieder Menschen. Denn Portraitaufnahmen sind seine Leidenschaft. „Bei einem Portrait kommt es auf den Inhalt an, nicht auf die Fassade.“ Auch hier wurde der aus dem Sauerland stammende Langemeier in Malawi fündig. „Trotz der unbeschreiblichen Armut strahlen die Menschen eine unglaubliche Würde aus.“ Beeindruckend auch: die Fröhlichkeit der Dorfkinder, die den exotischen Gast fast dauernd umlagerten. Auch da fotografierte er. „Nicht das schöne Bild zählt, sondern die Geschichte, die es erzählen kann.“

Ein Foto zeigt einen Mann und eine Frau von hinten auf einem Fahrrad, die auf einer schlammigen, unbefestigten Straße durch eine grüne Landschaft fahren. Die Matschpiste und das Rad – Autos sind unerschwinglicher Luxus – erzählen von Armut. Die Kleidung und Haltung der Radler von Würde, die Landschaft von fruchtbarem Potenzial. Zufällig fuhren sie an Langemeier vorbei – der im richtigen Moment auf den Auslöser drückte. „Als Fotograf muss man einen Moment intuitiv voraus ahnen können. Denn, wenn der Moment erst in seinem Augenblick wahrgenommen wird, ist es zu spät“, erläutert er den besonderen, vorausschauenden Blick des Fotoprofis.

Der studierte Fotodesigner, der mit seiner Frau seit 2009 ein Studio in Wald hat, arbeitet für Werbeagenturen, Wirtschaftsmagazine und Kunden aus der Industrie. Als Mitglied des Bundesverbandes für Foto- und Filmgestalter sieht er sich in der Bundesliga seines Berufs angekommen.

Über den Kumanga-Verein stolperte er zufällig. „Meine Repräsentantin in Berlin machte mich auf ein Projekt aufmerksam, das ich fotografieren solle. So begleitete ich den Verein auf einer Reise nach Malawi, auf der für mich alles offen war.“

Die eigentliche Kumanga-Geschichte beginnt einige Jahre früher, aber auch in der Region. „Der Düsseldorfer Martin Schäfer ist Betreiber von Cafés und ebenfalls einer Kaffeerösterei.“ Schäfer reiste nach Afrika, um dort die Möglichkeiten für fair gehandelten Kaffee auszuloten. „Dabei erkannte er, dass das eigentliche Problem erstmal das Trinkwasser war.“ So wurden zunächst Spenden gesammelt. Langemeier: „Bei einer ersten Aktion für Nepal, verlief das Geld in der dortigen Bürokratie.“ So wurde Schäfer kurzerhand 2013 Mitgründer des Vereins.

Das Geld kommt nun an. Für westliche Verhältnisse bescheidene 5000 Euro kostet ein von Spezialisten gebauter, geschlossener Brunnen mit Pumpe und Ablauf – damit keine malariafreundlichen Pfützen entstehen. Lars Langemeier: „Mit dem Bauen ist es aber lange nicht getan.“ Einige Beauftrage aus dem Dorf („Sie sind stolz auf ihre Aufgaben“) werden geschult, wie der Brunnen zu pflegen und sauber zu halten ist. Denn niemand vom Verein kann dauerhaft vor Ort sein. Zudem geht es um Hilfe zur Selbsthilfe.

Aber das Wasser ist erst der erste Schritt. Es wird beispielsweise beigebracht, wie man Heilpflanzen anbaut. „Die Leute haben zunächst gestaunt, dass man für wenige Heilpflanzen mehr Geld bekommt, als für ein Feld voller Mais.“ Langemeier hat viel Bildmaterial mitgebracht und plant Ausstellungen damit. „Der Erlös ist dann für den Verein Kumanga bestimmt.“

www.larslangemeier.de
www.kumanga.de

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