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Sandra Schlipkötter betreibt in Berlin einen Projektraum

Sandra Schlipköter : Kunstmachen in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Krise erfordert auch von der in Berlin lebenden Solinger Künstlerin viel Organisationstalent.

Als Sandra Schlipköter vor zwei Wochen ihre Eltern in Solingen besuchte, war die Welt für die Künstlerin fast noch in Ordnung. Noch liefen alle Projektplanungen Schlipköters auf Hochtouren. So traf die Künstlerin als Stipendiatin des Förderprogramms Gargonza Art in Köln die Autorin Maren Kames und den Komponisten Genoel von Lilienstern. 2021 sollen in Köln drei Kurzopern zur Uraufführung kommen. Für das Musikstück von Lilienstern und Kames soll Schlipköter das Bühnenbild entwerfen. „Gargonza Arts ist ein Förderprogramm von Michael Faust. Er lädt nicht nur Künstler für einen dreimonatigen Aufenthalt auf seine Burg in der Toscana ein, sondern fördert ganz besonders auch interdisziplinäre Kunst. Also Projekte, wo sich die verschiedenen Künste überschneiden und zusammenarbeiten“, erzählt die seit 2012 in Berlin lebende Solingerin. Der Einladung zum Opernprojekt ist Schlipköter sehr gerne gefolgt: „Das holt mich einmal aus meiner eigenen Arbeit heraus und gibt mir in dem Zusammengehen mit Musik und Text eine neue Möglichkeit des spielerischen Experimentierens.“

2019 war Schlipköter zuletzt in Italien, wo sie beim Gargonza Arts Festival ihre aktuelle Werkreihe der Cut-Outs zeigte. Diese sind eine Weiterentwicklung der gemalten Interferenzen, die sie 2017 in der Kölner Galerie Martina Kaiser ausstellte. Ausgangspunkt für die Interferenzen waren vom Bildschirm abfotografierte  Fotovorlagen von Bildstörungen, die Schlipköter mittels einer fotorealistischen Malerei in mehreren sich überlagernde Ebenen auf die Leinwand übertrug.

Vor drei Jahren begann die Solingerin dann, für ihre Interferenzen einen Raum zu schaffen, „in dem sich die Wellen ausbreiten können“. Dafür nutzt Schlipköter den klassischen Scherenschnitt. „Für mich war der Schritt von der Malerei zum Scherenschnitt eine logische Konsequenz. Die Cut-Outs eröffnen mir einen Spielplatz mit unendlichen Möglichkeiten“, weist die Solingerin lachend darauf hin, dass sie keine Not hat, an entsprechende Messer für ihre Cut-Outs zu kommen. „Da nutze ich die Klingen von Mozart, der Firma meines Vaters. Ich sitze also an der Quelle.“

Nach ihrer Rückkehr in Berlin häuften sich dann für Schlipköter auf Grund der Corona-Krise die schlechten Nachrichten. Eine war die Zwangsschließung des  Projektraums „Hilbertraums“, den Schlipkoeter 2015 zusammen mit anderen Künstlern in Neuköln gegründet hatte. „Und das zu einem Zeitpunkt, wo wir gerade eine Basisförderung für die kommenden zwei Jahre bekommen haben.“ Damit waren auch ihre Vorbereitungen für die Gruppenausstellung „Forma“ beendet, die am 27. März eröffnet werden sollte. 16 Berliner Künstler betreiben den „Hilbertraum“ gemeinsam, alle 14 Tage gibt es einen Ausstellungswechsel in dem unabhängigen, nicht kommerziellen Projektraum an der Reuterstraße, unweit der Sonnenallee.  „Im Hilbertraum zeigen wir ein breites Spektrum an Malerei, Fotografie, Skulptur, Video, Installation und Performance“, beschreibt Schlipkoeter das Programm.

Und wie bewertet die Künstlerin und Mutter einer kleinen Tochter die aktuelle Situation? „Ich bin in der glücklichen Situation, dass mein Partner im Homeoffice arbeiten kann und wir uns somit das ,Kinderentertainment’ aufteilen können. Es gibt natürlich gewisse Einschränkungen in allen Bereichen und es ist traurig, dass alle Ausstellungen bis auf weiteres abgesagt werden müssen. Auch nimmt mir die Krise gerade die Fähigkeit zu denken und lähmt meine Kreativität. Zwischen Nachrichten, Quarantäne, Spielplatzverbot und Kind bleibt leider momentan nicht viel Raum zum Arbeiten.“ Trotzdem erhält die Kunst weiter ihren Platz: „Ich werde die Tage erstmal mit anderer Arbeit verbringen, die auch wichtig ist: Instagram pflegen, Homepage Überarbeitung, und gute Fotos von meinen neuen Arbeiten machen.“