Abellio: S 7 soll Ende Mai wieder stabil fahren

Abellio: S 7 soll Ende Mai wieder stabil fahren

Unerwartet viele technische Probleme beeinträchtigen weiterhin den Betrieb auf dem "Müngstener". Es fehlt an Reserven, um flexibel reagieren zu können. In den kommenden Wochen sollen alle Züge sukzessive fit gemacht werden.

Das Ziel ist klar definiert: Bis Ende Mai will die Abellio, Betreiber der S-Bahn S 7 (Solingen - Remscheid - Wuppertal) wieder jenen Standard bei Pünktlichkeit und Verlässlichkeit erreichen, den die Kunden aus der Startphase von ihr kannten. Dann sollen die Antriebe an allen Zügen gewartet, repariert oder ausgetauscht sein, berichtete Dirk Aschöwer, Geschäftsführer Betrieb, gestern beim Besuch in unserer Redaktion. Aktuell hat Abellio alle acht noch einsatzfähigen Züge auf der Strecke. Damit kann der Fahrplan bedient werden. Zwei Fahrzeuge sind aus unterschiedlichen Gründen außer Betrieb.

Abellio hatte das Gespräch gesucht, weil sich zuletzt schlechte Nachrichten über Zugausfälle, mangelnde Pünktlichkeit und schlechte Informationspolitik gehäuft hatten. Bei einem Besuch im Rat der Stadt Remscheid hatte VRR-Vorstandssprecher Martin Husmann vor zwei Wochen Gründe für die Probleme genannt, die ab September 2017 verschärft auftraten. Ein ganz wesentlicher Punkt auch dabei: überraschende Probleme mit dem noch gar nicht so alten Zugmaterial.

Aschöwer ging gestern ins Detail. Probleme mit der Leittechnik und den Laufwerken machen Abellio auf der bergischen Strecke zu schaffen. "Das sind Effekte, die wir bisher so nicht kannten." Sie schnell abzustellen, sei aus mehreren Gründen schwierig. Zum einen beträgt die Lieferzeit für einige Ersatzteile sechs bis acht Monate, bei Rädern sogar ein Jahr. Einfach ein Rad eines anderen Modells zu bestellen, gehe nicht. "Das funktioniert nicht wie bei einem Auto, wo sie einfach die Räder wechseln." Zudem können Züge aktuell für längere Wartungsarbeiten aufgrund fehlender Reserve nicht aus dem Betrieb genommen werden. Stöver sprach von einem "Ritt auf der Rasierklinge".

Dirk Aschöwer, Sascha Zuk und Julia Limia y Campos (v.l.) berichten über die Hintergründe der Probleme bei der von Abellio betriebenen S-Bahn 7. Foto: Meuter Peter

Dieser soll sich bereits Ende Februar entspannen, wenn das erste der beiden defekten Fahrzeuge aus der Werkstatt kommt. Zwar bemüht sich Abellio, zur Entlastung Ersatzzüge von anderen Unternehmen auszuleihen, doch das sei schwierig, sagte Prokurist Sascha Zuk. Für die Fahrt über die Müngstener Brücke seien nur sehr wenige Zugmodelle von der Deutschen Bahn zugelassen.

Die zum Teil harsche Kundenkritik sei gerechtfertigt, räumte Aschöwer ein. "Ich fahre selber mit der Bahn zur Arbeit und würde mich auch ärgern." In der im Herbst beginnenden Problemphase sei "ein ganzer Blumenstrauß von Problemen" zusammengekommen. Üblichweise seien auf der Strecke des "Müngsteners" nur 20 Prozent aller Zugausfälle technisch bedingt gewesen, der Rest durch andere Faktoren. Aktuell jedoch habe jeder zweite Zugausfall technische Gründe. Ziel sei es, die Anzahl dieser technikbedingten Ausfälle insgesamt deutlich abzusenken und wieder auf das alte Niveau zurückzuführen.

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Regelmäßig von Ausfällen betroffen sind insbesondere die zwei Direktverbindungen von Remscheid-Lennep nach Düsseldorf am Vormittag sowie die beiden in Gegenrichtung am Nachmittag. Sascha Zuk gibt zu, dass dies in der Abellio-Zentrale so gesteuert und in Kauf genommen werde, wenn an einem der acht Fahrzeuge technische Probleme auftauchen. "Oberste Priorität hat die Sicherung des kompletten Umlaufs auf den regulären Strecken zwischen Solingen und Wuppertal", sagt der Projektmanagement-Leiter. Mit der S-Bahn 1 bestehe schließlich eine alternative Verbindung, die (laut Fahrplan) einen Anschluss mit 13 Minuten Zeitverlust sicherstelle.

Das Problem: Die Ausfälle oder Verspätungen werden an den Haltepunkten oder in den diversen Infokanälen von Deutscher Bahn oder VRR häufig nicht angezeigt. Gearbeitet werde daher auch an der Verbesserung der Fahrgastinformation, berichtet die neue Leiterin der Unternehmenskommunikation Julia Limia y Campos. Wie berichtet, beschweren sich Kunden darüber, dass sie oft unwissend an den Haltepunkten stehen und erst zu spät von Ausfällen oder Verspätungen der Züge erfahren. "Vor allem über den mobilen Nachrichtendienst Twitter sollen die Kunden schneller erreicht werden", sagte Limia y Campos.

Orkan "Friederike" hatte in diesem Zusammenhang sogar eine gute Seite für Abellio. Weil die Deutsche Bahn den Zugbetrieb am Sturmtag einstellte, suchten viele Kunden, die sich informieren wollten, auch den Twitter-Account von Abellio auf. "Seitdem haben wir viele neu Follower."

Abellio arbeitet daran, dass auch die App des VRR und der DB Navigator rechtzeitig mit Informationen über die S-Bahn versorgt werden. Die Daten gingen zuerst an eine Zentrale, von wo sie zeitgleich in alle Infokanäle verschoben werden könnten, sagt Sascha Zuk. Warum das nicht optimal funktioniere, werde geklärt. Über diesen Kanal sollen auch die Durchsagen am Bahnsteig beschleunigt werden.

(RP)