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RTL drehte "Der Rebell" über Boris Becker auch in Solingen

„Der Rebell - von Leimen nach Wimbledon“ auf RTL : „Tennis ist perfekt, um zu machen eine Star“

RTL zeigt am Donnerstag den teilweise in Solingen gedrehten Film über den „Rebellen“ Boris Becker. In Höhscheid wurden auch Szenen für „Faking Hitler“ verfilmt.

War es so ? Egal. Wenn RTL am Donnerstag zur besten Fernsehzeit mit „Der Rebell – Von Leimen nach Wimbledon“ aufschlägt, ist für beste Unterhaltung garantiert – auch, oder vielleicht gerade weil der Film „weitgehend fiktional“ ist. An der Platzhofstraße in Solingen werden Rahman und Emel Müjde aber ihre sehr reale Bar und ihr Wohnzimmer wiedererkennen. Dort arrangierte das Aufnahmeteam im April Stationen aus dem Leben des jungen Boris Becker und seines Trainers Günther „Günzi“ Bosch.

In der Bar spielt eine der Schlüsselszenen: Boris Becker (Bruno Alexander) hat sich durch seine Siege, unter anderem gegen Ivan Lendl, auf Platz 5 der Weltrangliste vorgearbeitet und feiert in Chicago mit drei jungen Bewunderinnen seinen Höhenflug – bis Günther Bosch (Samuel Finzi) ihn auf den Boden der Tatsachen holt. „Diese Situation habe ich live miterlebt“, sagt Rahman Müjde, der seinen „Retro-Bungalow“ für die Dreharbeiten vermietet hatte.

„Es war schon gegen Morgen“, berichtet der Solinger Bauunternehmer, der durch die lauten Dialoge aus dem Schlaf gerissen wurde. Bosch wäscht Becker („Er hält sich für James Dean“) in der rund dreiminütigen Szene den Kopf. Im Hintergrund ist dank der Greenscreen-Technik die Skyline von Chicago zu sehen. Gegen Ende des Films kommt der Bungalow dann noch einmal ins Bild: kurz von außen und danach das Wohnzimmer. Bosch hat gekündigt und kehrt zu seiner Familie zurück.

 Hier haben schon „Boris Becker“ und „Stern-Reporter Gerd Heidemann“ gesessen: Emel und Rahman Müjde in ihrer Bar mit dem Charme der 80er Jahre.
Hier haben schon „Boris Becker“ und „Stern-Reporter Gerd Heidemann“ gesessen: Emel und Rahman Müjde in ihrer Bar mit dem Charme der 80er Jahre. Foto: Fred Lothar Melchior
  • Schauspieler Bruno Alexander (links) schlüpft in
    RTL dreht in Solingen : „Boris Becker“ im Retro-Bungalow
  • Faking Hitler: Rahman und Emel Müjde
    Dreharbeiten in Solingen : „Faking Hitler“ im Retro-Bungalow
  • Schauspieler Bruno Alexander spielt Tennis-Star Boris
    „Der Rebell – Von Leimen nach Wimbledon“ : Boris Becker als Spielfilm-Held bei RTL

Dazwischen zeigt RTL – auf der Basis des Sellin-Buches „Ich bin ein Spieler: Das Leben des Boris Becker“ die frühen Jahre des Leimeners. Der Bogen spannt sich von der Anfangszeit, als der Schüler Tennisbälle gegen das heimische Garagentor schlägt und 1962 Deutscher Junioren-Meister wird („ein Rohdiamant“), bis zur Schlussszene, in der er, inzwischen doppelter Wimbledon-Sieger, seinem Vater einen dicken Mercedes vor eben dieses Garagentor stellt.

Hauptdarsteller Bruno Alexander wirft sich in die Rolle eines aufbrausenden jungen Mannes mit unbändigem Ehrgeiz und Siegeswillen. Es habe ihm viel gegeben, Boris Becker verkörpern zu dürfen, kommentiert der 1999 geborene Alexander. „Aber es hat mir auch sehr viel abverlangt“. Der Hamburger spielt zwar selbst Tennis, Basketball und Fußball. Um einen Spitzensportler darstellen zu können, hätten seine Trainer ihn in der Vorbereitung aber immer wieder gefordert „und alles aus mir rausgeholt“.

 Das Wohnzimmer von Becker-Trainer Günther Bosch – wenn es nach dem Film „Der Rebell“ geht.
Das Wohnzimmer von Becker-Trainer Günther Bosch – wenn es nach dem Film „Der Rebell“ geht. Foto: Fred Lothar Melchior

„Tennis ist perfekt, um zu machen eine Star“, sagt Ion Tiriac (Misel Maticevic), als Günther Bosch ihn als Geldgeber und Manager ins Team holt. Und Becker („ein Superspieler, aber er hat sich nicht unter Kontrolle“) wird zum Star. Finanziert von Puma und mit einem Exklusivvertrag der Bild-Zeitung ausgestattet, verfrachtet ihn Tiriac nach Monaco („keine Bundeswehr“) – auch der Steuer wegen.

Dort lernt Becker das süße Leben kennen und steht gerne seinen Mann („Du hast die Chance, mit mir essen zu gehen“) – was dem sportlichen Erfolg abträglich ist. „Boris schlapp“ und „Was ist bloß mit Boris los?“ titelt das Boulevardblatt in den 80er Jahren. Wie es sich für gute Unterhaltung zur Weihnachtszeit gehört, endet der „Eventfilm“ über den jüngsten Wimbledon-Sieger aller Zeiten mit einem lächelnden Hauptdarsteller – und dem Hinweis, dass Boris Becker („Ich wurde mal Pumuckl genannt“) im Januar 1991 schließlich sein Ziel erreichte, die Nummer Eins im Tennis zu werden.

In seiner Generation, hatte sich Bruno Alexander geäußert, sei Boris Becker ja nicht so bekannt wie in der Generation seiner Eltern. „Der Rebell“ wird trotzdem auch den Jüngeren gefallen: Er ist mit flotter Musik unterlegt und enthält immer wieder Originalaufnahmen.

Die Vermischung von Fakten und Fiktion steht auch hinter einer Film-Serie, die ebenfalls zum Teil in Solingen gedreht wurde: „Faking Hitler“ ist seit Ende November bei RTL+ zu sehen. Wieder bewährte sich der frühere Fabrikanten-Bungalow an der Platzhofstraße, weil er auch perfekt zur Zeit des Stern-Skandals um die gefälschten Hitler-Tagebücher passt. „Einen Teil der Serie habe ich schon gesehen“, berichtet Rahman Müjde. „Das ist nicht uninteressant.“

Während der Dreharbeiten im Mai hatte Müjde Gelegenheit, mit Lars Eidinger zu sprechen, dem „sehr bodenständigen und immer höflichen“ Darsteller des Stern-Reporters Gerd Heidemann. Gedreht wurde unter anderem im Schwimmbad des Bungalows. Den haben Location Scouts jetzt fest in ihren Listen interessanter Drehorte. Rahman Müjde und seine Frau Emel erreichte bereits die nächste Anfrage. Diesmal gehe es um einen Thriller, erläutert der Bauunternehmer, der den 1964 errichteten Bungalow erst dieses Jahr erwarb. Entschieden sei aber noch nichts.